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| 21:18 Uhr

Kritik an Straßenbauplänen
Spreestraße als Fluch oder Segen?

Lageplan für die künftige Spreestraßen-Brücke bei Spreewitz: So soll die Fahrbahn auf Pfeilern einmal über die Spreeauenlandschaft geführt werden.
Lageplan für die künftige Spreestraßen-Brücke bei Spreewitz: So soll die Fahrbahn auf Pfeilern einmal über die Spreeauenlandschaft geführt werden. FOTO: LR
Spreetal/Spreewitz. Seit 22 Jahren kämpft die Gemeinde Spreetal für die Ost-West-Trasse. Jetzt äußert eine Umweltgruppe Kritik daran. Von Catrin Würz

Der Kampf dauert schon zwei Jahrzehnte. Die Gemeinde Spreetal setzt sich seit 1996 für eine besser ausgebaute und kurze Straßenverbindung zwischen den zwei Industriestandorten Schwarze Pumpe und Boxberg ein. Teile dieser Ost-West-Trasse sind bereits vor Jahren realisiert worden, wie zum Beispiel die so genannte Südstraße am Industriepark Schwarze Pumpe. Für die konsequente Weiterführung dieser Trasse in Richtung Osten fehlt jedoch noch ein entscheidender Abschnitt: die Verbindung zwischen dem Kreisverkehr bei Spreewitz und dem Anschluss auf die Kreisstraße nach Neustadt/Spree mit Anbindung an die Staatsstraße 130 in Richtung Weißwasser.

Das noch fehlende Straßenstück, das nach den Planungen 17 Millionen Euro kosten wird, scheint nun jedoch zu einem neuralgischen Punkt zu werden - muss doch in diesem Bereich die Spree und das rechts und links davon liegende Auengebiet mit Hochwasserschutzfunktion überquert werden. Die Entwurfsplanungen sehen dafür ein mehrere Hundert Meter langes Brückenbauwerk mit aufgeständerter Fahrbahn vor - also eine Fahrbahn, die auf Pfeilern über die Uferbereiche geführt wird (siehe Lageplan unten). Die Entwürfe lagen bis Anfang Mai im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens öffentlich aus - und haben nun den Protest von Umweltschützern hervorgerufen. Eine Initiative unter dem Namen „Umweltgruppe Spreetal“ kritisiert die Baupläne und hat am Sonntag auf dem Spreeradweg mit einer Plakataktion auf die „Verschandelung und Zerstörung“ der idyllischen Spreeauen-Landschaft hingewiesen. „Mit einer gigantischen und teuren Brücke wird der schönste Abschnitt des überregionalen Spreeradweges zerstört!“, klagt der Biologe und Naturfilmer Sebastian Koerner. Das sei der falsche Weg, in Anbetracht des beschlossenen vorzeitigen Endes der Braunkohleförderung. Auch Ursula Eichendorff, Sprecherin der Umweltgruppe, hält das Straßenbauprojekt für überflüssig: „Die Planungen für diese Straße gehen doch noch davon aus, dass die Kraftwerke in Schwarze Pumpe und Boxberg bis 2067 betrieben werden. Doch mit dem Verzicht der Bergbaubetreiber auf den Tagebau Nochten 2 werden die Kraftwerke deutlich früher vom Netz gehen - und damit wird die teure Straße noch sinnloser, ein Stück verfehlte Regionalpolitik und Steuermittelverschwendung“, sagt sie.

Spreetals Bürgermeister Manfred Heine (parteilos) kann indes über solche Ansichten nur wütend den Kopf schütteln. „Wollen wir nun den Strukturwandel - oder wollen wir ihn nicht?“, hält er dagegen und ergänzt: „Wenn unsere Industriestandorte auch nach der Braunkohle eine Zukunft haben sollen, dann muss die Infrastruktur stimmen“, sagt er. Die Spreestraße wird als wichtige Verkehrsader dringend gebraucht. „Dafür kämpfen wir seit 22 Jahren - und zwar immer mit offenen Karten“, so Heine. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass die neue Straße an irgendeiner Stelle die Spree überqueren muss. Dafür habe man mit der Brücke auf Pfeilern einen allgemein tolerierten Kompromiss gefunden.

So bestätigt es auch Kreissprecher Gernot Schweitzer vom Landratsamt Bautzen. Der Landkreis Bautzen ist Bauherr der neuen Straße, die frühestens ab 2020 in die Realisierung gehen könnte. Auch der Landkreis will mit dem Straßenprojekt den notwendigen Strukturwandel in der Lausitz befördern. „Die Weiterentwicklung der Industriestandorte mit ihren Arbeitsplätzen ist ein Grundanliegen des Landkreises Bautzen.“

Für Bürgermeister Manfred Heine ist der Industriestandort Schwarze Pumpe das wirtschaftliche Herzstück der Region. „Die Papierfabrik Hamburger Rieger plant mit dem Bau einer zweiten Papiermaschine eine Millioneninvestition und mit einem Gewächshausbetreiber steht ein weiterer Investor in den Startlöchern.“ Deshalb werde die Gemeinde weiter für die neue Straße streiten - und damit für ihre Zukunft.