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| 02:40 Uhr

Sprache, Sport und digitale Medien

Wenn Fabienne sich für das Leon-Foucault-Gymnasium entscheidet, wird sie ihre Begleiterinnen vom Tag der offenen Tür Josephina und Celina (v.l.n.r.) sicher nicht nur in der Bibliothek wiedertreffen.
Wenn Fabienne sich für das Leon-Foucault-Gymnasium entscheidet, wird sie ihre Begleiterinnen vom Tag der offenen Tür Josephina und Celina (v.l.n.r.) sicher nicht nur in der Bibliothek wiedertreffen. FOTO: Mandy Fürst/mft1
Hoyerswerda. Am Freitag öffnete das Leon-Foucault-Gymnasium Hoyerswerda seine Schul- und Kabinett-Türen zum alljährlichen "Foucault-Abend". Die künftigen Fünftklässler und ihre Familien wurden von einem ganzen Bildungsnetzwerk willkommen geheißen. Mandy Fürst / mft1

Wenn Fabienne Rericha gefragt wird, was ihr an ihrer nächsten Schule am wichtigsten ist, überlegt das Mädchen, das noch in diesem Monat zehn Jahre alt wird, keine Sekunde. "Latein!" sprudelt es aus ihr heraus. Warum? "Weil ich Tierärztin werden möchte!" Die Antwort kommt so entschlossen, dass sich jede weitere Frage erübrigt. Also Latein.

Im Foucault-Gymnasium, in dem Fabienne und ihre Mutter gerade zum Tag der offenen Tür zu Gast sind, gibt es neben der ab Klasse 5 möglichen Begabtenförderung ab der 8. Klasse vier Profile. Die Schüler können sich im Bereich Sport, Darstellendes Spiel, Kunst und Sprachen spezialisieren. Und genau in diesem Sprachprofil könnte Fabienne auch Latein lernen.

Das alles erfährt Fabienne aus erster Hand von Celina Schlacht und Josephina Nix aus der 7d. "d" bedeutet im Foucault-Gymnasium "Sportklasse". An diesem Abend der offenen Türen aber betreuen die Fußballerin Celina und die Schwimmerin Josephina die Präsentation der Spanisch-AG, in der sie fakultativ die Sprache ihrer Urlaubsländer lernen möchten. Sie können auch schon kleine Gespräche zum Kennenlernen führen, berichten die Mädchen und erzählen Fabienne, dass sie am Foucault offene freundliche Lehrer erwarten würden, für die es gar nicht so schlimm ist, wenn man mal etwas vergessen hat. "Wir sind so froh, dass wir Frau Gabriel haben", schwärmt Celina von ihrer Klassenlehrerin. "Sie ist die Beste!", bestätigt Josephina. Aber disziplinieren müsse man sich wie in jeder anderen Schule natürlich schon, räumen die Sportlerinnen ein. Darum seien bewegungsfreudige Kinder wie sie in einer Sportklasse gut aufgehoben.

Aus den ersten Monaten in der aktuellen "5d" können die Handballer Adrian Neudeck und Gregor Mrosk berichten. Sie beschreiben den Übergang vor der Grundschule in eine Foucault-Sportklasse als "schwierig, aber machbar". Die Lehrer seien netter, als er gedacht habe, stellt Adrian fest. Neben Sport macht er besonders Mathe gern. "Alle aus der 5d werden sagen, dass sie gern Mathe machen", sagt er schmunzelnd. Das habe mit Herrn Dannenberg zu tun, der so ein netter Lehrer ist, sind Adrian und Gregor einig. Und wegen Frau Dannenberg machen alle in der 5d auch gern Deutsch. Wenn er mal die Zeit hat, schaut Adrian gern im Freizeitraum vorbei, weil er dort mit den Betreuern digitale und analoge Spiele spielen kann. Gregor mag die Bibliothek am liebsten. Dahin könne er sich in einer Freistunde auch mal zurückziehen, sagt Gregor.

Und weil auch ihnen die Bibo einer der liebsten Plätze ist, haben Celina und Josephina ihren Gast Fabienne dorthin begleitet. Bis die Mädchen vor dem Abitur stehen, werden sie jedoch häufig von einem weiteren Element der Lehrtätigkeit am Leon-Foucault-Gymnasium profitieren: Dem Förderverein, der der Schule in seinem Jahresprojekt 2016 acht Laptops für die Abi-Vorbereitung in den Naturwissenschaften übergeben hat. Aktuell sammelt der vornehmlich von Eltern getragene Verein Spenden für einen Klassensatz elektronischer Wörterbücher, die Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und - Fabienne wird aufhorchen - Latein unterstützen sollen. Den Foucault-Abend bereichert der Verein kulinarisch mit Zuckerwatte und inhaltlich mit Gästen von der Aus- und Fortbildungsgesellschaft GAF und dem Personaldienstleiter RENTA, die sich den Schülern als Partner für das Thema Ferienjobs vorstellen.

Das ganze Bildungskonglomerat aus Schülern, Lehrern und Eltern aber unterliegt derzeit einem intensiven Prozess der Überprüfung und Anpassung. Seit dem Sommer 2016 hat sich das Schulkollektiv die "Schulentwicklung", also die intensive Überarbeitung des Schularbeitsprogramms zur Aufgabe gemacht. Innerhalb von drei Jahren werden sich mehrere Arbeitsgruppen unter anderem mit Fragen der Motivation, Lernkompetenzen oder auch dem Umgang mit Ängsten beschäftigen. "Wir möchten herausfinden, wo wir stehen und wohin wir kommen möchten", erklärt Schulleiter Uwe Blazejczyk.

Kristin Brecht, Leiterin der Gruppe "Medienzukunft", berichtet einerseits von dem Bemühen um eine bessere Nutzung der vorhandenen technischen Ausstattung. So sollten die interaktiven Tafeln nicht nur zur Präsentation von Inhalten, sondern noch mehr von den Schülern selbst eingesetzt werden. Innovationen wie die derzeit andernorts im Test befindliche digitale Notenorganisation analysiert die Arbeitsgruppe auf Chancen und Grenzen. Denn alles, was zum Projektende 2019 an technischen, methodischen und inhaltlichen Neuerungen in das Schulprogramm aufgenommen wird, sollte auch Sinn machen. Sinn macht es für das Foucault-Team zum Beispiel, für den bisher einzigen Aspiranten im neuen Sportklassen-Angebot "Schach" extra einen Trainer vorzuhalten. Da kann doch auch ein zielsicheres Mädchen wie Fabienne, das unbedingt Latein lernen muss, weil es nichts anderes werden möchte als Tierärztin, wohl kaum fehl am Platz sein.