| 15:55 Uhr

Fussball-Sachsenpokal
Zeißig verpasst gegen Chemie Leipzig die Pokal-Sensation

Hoyerswerda. Vor mehr als 800 Zuschauern im Hoyerswerdaer Jahnstadion liefert der Außenseiter dem Favoriten beim 1:3 einen großen Kampf. Werner Müller

SV Zeißig - BSG Chemie Leipzig 1:3 (0:0) Tore: 1:0 Andreas Kober (65.Strafstoß); 1:1 Max Hermann (66.); 1:2 Marc Böttger (74.); 1:3 Max Hermann (83.); SR: Marek Nixdorf; Zuschauer: 853;

Zeißig: Zschorlich, Weichert (88. Müller), Scharff, Bach, Kober, Guroll, Görner, Unruh, Schumacher, Laser (84. Tschierske), Geso (54. Kümmig).

Schon im Vorfeld hatte Zeißig-Trainer Stefan Hoßmang erklärt: „Das Spiel wird der Höhepunkt für den Verein und für meine Spieler, die sich mit einem Regionalligisten messen dürfen. Ich hoffe, dass Leipzig viele Zuschauer mitbringt. Wir werden uns teuer verkaufen.“

Das Jahnstadion war dann auch sehr gut besucht mit 853 zahlenden Zuschauern und über 100 Mitgliedern des SV Zeißig. 200 Fans aus Leipzig sorgten für Stimmung.

Schon einmal hatte es im geschichtsträchtigen Jahnstadion eine Pokalbegegnung zwischen BSG Aktivist Schwarze Pumpe und Chemie Leipzig gegeben. Das war im Jahr 1989. Hoyerswerda siegte damals vor 1600 Zuschauern mit 5:4 nach Elfmeterschießen.

Eine ähnliche Sensation schien auch diesmal möglich. „Ich habe an ein Weiterkommen geglaubt. Die Chance war da“, erklärte Hoßmang. Mit dem Bischofswerdaer FV hatte er im Jahr 2001 den Chemnitzer FC mit 1:0 aus dem Pokal geworfen.

Es wurde das gewünschte Fußballfest im Friedrich-Ludwig-Jahnstadion. Die unterklassigen Zeißiger aus der Landesklasse Ost verlangten dem scheinbar übermächtigen Regionalligisten Chemie Leipzig alles ab. Chemie tat sich in der Anfangsphase richtig schwer. Der Siebtligist aus Zeißig ließ sich den Klassenunterschied kein Stück anmerken und hielt körperlich ordentlich dagegen.

In einer chancenarmen ersten halben Stunde hat Marc Böttger für den Favoriten aus der Regionalliga noch die beste Möglichkeit, als sein Fernschuss aus 25 Metern knapp am rechten Pfosten vorbeirauschte.

Die Zeißiger verhielten sich in Halbzeit eins erwartet passiv, standen taktisch gut und agierten souverän im Teamverbund. Dennoch erspielten sich die Leipziger gute Möglichkeiten, das Glück stand hierbei jedoch auf Seiten der Zeißiger. Ein 30-Meter-Schuss von Andreas Kober hätte die Zeißiger sogar in Führung bringen können. Der Ball ging jedoch knapp über das Gästegehäuse. So ging es mit 0:0 in die Halbzeit.

In der zweiten Halbzeit wurden die Leipziger zunehmend offensiver und pressten die Zeißiger früh im Spielaufbau. In der 54. Minute verletzte sich Rostam Geso schwer an der Schulter. Mit Schlüsselbeinbruch musste er ins Krankenhaus. Er wurde noch am Abend operiert.

In der 65. Minute erreichte ein langer Ball den gut aufspielenden Christopher Scharff, welcher nur noch per Foul im Strafraum gebremst werden konnte. Es gab Elfmeter für Zeißig. Diesen setzte Andreas Kober zum viel umjubelten 1:0 in die Maschen.

Diese Führung hielt jedoch nur 60 Sekunden, ehe Max Hermann den 1:1-Ausgleich markierte. Marc Böttger verwandelte schließlich einen direkt getretenen Freistoß zur 1:2-Führung für den Favoriten (74.). In der 81. Minute war es dann erneut Max Hermann, der zum entscheidenden 1:3 einnetzen konnte.

„Ein großes Kompliment an die Mannschaft, den Trainerstab, an alle Verantwortlichen, die dieses Ereignis erst möglich gemacht haben. Die Kulisse war einzigartig, dieses Erlebnis wird unvergesslich bleiben“, so Andreas Kober.

„Ein großartiges Spiel für alle Beteiligten. Tolle Kulisse sowohl von der Heimtribüne, als auch von den Gästen aus Leipzig. Leider haben wir nach der Führung umgehend den Ausgleich hinnehmen müssen und haben dem Druck der Leipziger dann nicht mehr standhalten können. Es überwiegt aber die Freude über die gezeigte Leistung und ich bin unglaublich stolz auf diese geile Truppe“, so Tony Bach.

„Wir haben Weltklasse dagegengehalten und Chemie keine Chance gelassen in der ersten Halbzeit. Natürlich gingen wir überragend 1:0 in Führung, aber die Führung muss länger verwaltet werden, um BSG in Not zu bringen. Dann wären wahrscheinlich irgendwann Räume für uns da gewesen. Bitter natürlich die Verletzung von Rostam Geso, aber wir gehen mit erhobenem Haupt vom Rasen und müssen uns vor dem Spiel und dem Ergebnis nicht verstecken“, so Benjamin Müller.

Trainer Stefan Hoßmang bilanzierte: „Wir haben heute unheimlich viel in dieses Spiel investiert. Die Mannschaft zeigte sich taktisch sehr diszipliniert, betrieb einen hohen Laufaufwand und war eine Einheit auf dem Platz, wo einer dem anderen geholfen hat. Lange war das Match deshalb offen. Leider haben wir nach unserem 1:0 zu schnell den Ausgleich kassiert. Das war so etwas wie der Knackpunkt. Die Enttäuschung darüber ist schon groß. Dennoch können die Jungs auf diesen Auftritt stolz sein.“ Bitter sei allerdings die Verletzung von Rostam Geso.