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| 18:23 Uhr

100 Jahre Fußball in Hoyerswerda
Detlef Irrgang schießt die DDR-Nationalmannschaft zum Sieg

 Bernd Wunderlich (l.) gegen Maik Wilke: Rund 1000 Zuschauer sahen in Hoyerswerda das Spiel einer DDR Auswahl gegen ein Regionalteam.
Bernd Wunderlich (l.) gegen Maik Wilke: Rund 1000 Zuschauer sahen in Hoyerswerda das Spiel einer DDR Auswahl gegen ein Regionalteam. FOTO: Werner Müller
Hoyerswerda. Das war endlich mal wieder ein Fußballfest im Hoyerswerdaer Jahnstadion! Bestes Wetter, 1000 Zuschauer, geniale Stimmung. Und noch dazu fielen beim Kick einer Stadtauswahl gegen die ehemalige DDR-Nationalmannschaft satte elf Tore.

Anfangs musste man bei tropischen Temperaturen um die alten Oststars fürchten. Denn die bereits etwas betagteren Granden wie Frank Baum, Gerd Weber, Hartmut Schade oder der zehnmalige DDR-Meister Rainer Ernst hatten erhebliche Probleme, ins Spiel zu finden. Zwei Akteure sorgten für jede Menge Unruhe. Thomas Huck („Ich bin extra 600 Kilometer zu diesem Spiel angereist“) und auch Knappensee-Senioren-Sachsenmeister Harry Dollerschell (drei Tore im Spiel) nahmen die DDR regelrecht auseinander. Als Roberto Schiwon, dereinst beim FSV Hoyerswerda im Angriff aktiv, mit Köpfchen für das 4:1 sorgte, musste man gar um den Ruf der Altstars bangen.

Doch die Elf von Ex-Dynamo-Antreiber Matthias Döschner schlug zurück. „In der Kabine hat es zur Halbzeit mächtig gerumpelt“, griente Jenas Alt-Internationaler Jürgen Raab, zuletzt dreieinhalb Jahre Trainer in Singapur. Und tatsächlich blieben die Gäste (blaues Trikot, DDR-Emblem) gefährlich und vor allem effektiv. Und kamen durch ihre immer noch schnellen Spitzen Matthias Zimmerling und den Cottbuser Aufstiegshelden Detlef Irrgang (1997 in die 2. Liga, 2000 in die 1. Liga) zurück ins Spiel.

 Stefan Hoßmang (l.) versucht gegen Matthias Zimmerling den Ball zu behaupten, beobachtet von Detlef Irrgang (r.).
Stefan Hoßmang (l.) versucht gegen Matthias Zimmerling den Ball zu behaupten, beobachtet von Detlef Irrgang (r.). FOTO: Werner Müller

Der Leipziger Zimmerling, der einst für insgesamt 18 Vereine spielte, erzielte drei Treffer. Kollege Irrgang lupfte zum 5:5 und traf zum Endstand, als alle sich eigentlich schon auf ein spannendes Elfmeterschießen freuten. Offensivturbo Schiwon konnte drei Riesen im Nachgang nicht mehr zum Ausgleich nutzen.

Videobeweis ohne Videokamera?

 Gruppenbild: Die Spieler der DDR Auswahl kickten in Blau, die Hoyerswerdaer Regionalauswahl lief vor rund 1000 Zuschauern im Jahnstadion in Grün auf.
Gruppenbild: Die Spieler der DDR Auswahl kickten in Blau, die Hoyerswerdaer Regionalauswahl lief vor rund 1000 Zuschauern im Jahnstadion in Grün auf. FOTO: Werner Müller

Witzigste Szene des Spiels: Nach einem zweifelhaften Treffer für die Hoyerswerdaer signalisierte Schiedsrichter Mario Wehnert aus Reichenbach bei Kamenz das Zeichen zum Videobeweis, unterbrach die Partie und flitzte an die Seitenlinie. Wenig später kam er zurück, gab den Treffer (es wäre das 5:1 für die Gastgeber gewesen) nicht. Eine TV-Kamera hat im Stadion aber niemand gesehen.

Bemerkenswert auch: Bundesligaprofi Tony Jantschke kickte anlässlich des Jubiläums „100 Jahre Fußball in Hoyerswerda“ auch mit und flachste hinterher mit den Oldies: „Das war eine tolle Sache und hat Spaß gemacht.“ Fanden auch die altgedienten DDR-Kicker, von denen einige in ihrer Laufbahn schon mehrfach im Jahnstadion gespielt hatten. So wie Frank Siersleben, der hier das schönste Tor seiner Karriere erzielt hatte – ein Eigentor. „Ein Flugkopfball. So schön kann man eigentlich gar nicht in der Luft liegen“, berichtete er vom 3:2-Sieg seines 1. FC Magdeburg 1984 im FDGB-Pokalspiel gegen Gastgeber Aktivist Schwarze Pumpe – vor 12 000 Zuschauern.

 Ronald Kreer (l./DDR Auswahl) sieht zu, wie Roberto Schiewon kraftvoll abzieht.
Ronald Kreer (l./DDR Auswahl) sieht zu, wie Roberto Schiewon kraftvoll abzieht. FOTO: Werner Müller

Thomas Hoßmang, der in diesem Spiel für Pumpe auf dem Rasen stand: „Großes Lob an die Organisatoren um Sören Jantschke und Jürgen Socher. Ich denke, die Zuschauer sind auf ihre Kosten gekommen."

Auswahl Hoyerswerda: René Katzwinkel, Sven Schneeberg, Hartmut Jank, Thomas Hoßmang, Maik Wilke, Thomas Huck, Lutz Hattliep, Jens Lachmann, Karsten Stroczek, Christoph Baum, Roberto Schiwon, Michael Nitzsche, André Brückner, Harry Dollerschell, Frank Lippmann, Torsten Tschierske, Udo Eberhardt, Stefan Hoßmang, Reiner Zukunft, Tony Jantschke

DDR-Auswahl: Holger Bahra (Magdeburg, Brandenburg), Jörg Illing (Karl-Marx-Stadt), Bernd Wunderlich (Frankfurt, Rostock), Matthias Zimmerling (Chemie und Lok Leipzig), Frank Siersleben (Magdeburg), Matthias Maucksch (Dresden), Frank Baum (Lok Leipzig), Ronald Kreer (Lok Leipzig), Gerd Weber (Dresden), Hartmut Schade (Dresden), Jürgen Raab (Jena), Detlef Irrgang (Cottbus), Rainer Ernst (BFC), Damian Halata (Magdeburg, Lok Leipzig), Matthias Müller (Dresden)