ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:44 Uhr

Interview
„Sport ist auch Bildungsarbeit“

Daniela Fünfstück sieht Sport auch als eine Investition in Menschen an.
Daniela Fünfstück sieht Sport auch als eine Investition in Menschen an. FOTO: Rainer Könen
Hoyerswerda. Der SC Hoyerswerda ist der größte Verein im Landkreis. Daniela Fünfstück ist die Geschäftsfüherin. Von Rainer Könen

Daniela Fünfstück ist Chefin des größten Vereins der Stadt. Die RUNDSCHAU sprach mit ihr über die Ansprüche des Sportclubs, über Sportpolitik und warum der SC wie ein Unternehmen geführt werden muss.

Der SC Hoyerswerda ist mit rund 2000 Mitgliedern nicht nur der größte Verein der Stadt, sondern auch des Landkreises. Wie kam es zu dieser Entwicklung?

Daniela Fünfstück: Seit 1998, als wir erstmals 1000 Mitglieder hatten, konnten wir die Mitgliederzahl ständig erhöhen. Ein Grund für das Anwachsen hängt auch damit zusammen, dass wir neue Wege in der Sportvereinsverwaltung und Organisation beschreiten, eine Vielzahl unserer Angebote auf die Bedürfnisse unserer Mitglieder ausgerichtet sind. Wir sind ständig dabei, den sich ändernden Anforderungen an den Verein als Solidargemeinschaft und Dienstleister gerecht zu werden und sind uns natürlich auch unserer Verantwortung bewusst, als Großsportverein in mancher Hinsicht als Vorreiter und Vordenker zu fungieren.

Der Verein ist bei vielen Veranstaltungen präsent.

Fünfstück: Stimmt. Wir arbeiten mit Kindertageseinrichtungen und Schulen zusammen, gestalten Veranstaltungen wie den  Hoywoj-Citylauf: Mit dem Projekt „Kinder fit machen“ können wir mit dem Sportbund und der Stadt auf tolle Ergebnisse blicken. Dazu muss ich sagen, dass Sport auch Bildungsarbeit ist. Es ist eine Investition in den Menschen, in unsere Kinder, unsere Bürger.

Worin liegt für Sie als SC-Geschäftsführerin die größte Herausforderung, um den Verein in die Zukunft zu führen?

Fünfstück: Eine der Aufgaben ist es, gut geschultes Fachpersonal zu gewinnen, das gilt für das hauptamtliche Personal als auch für das Ehrenamt. Denn nur mit engagierten und kreativen Köpfen werden wir die Aufgaben der Zukunft meistern können.

Wie viele Abteilungen haben Sie beim Sportclub, welche Sektion ist am beliebtesten?

Fünfstück: Wir haben 24 Abteilungen. Und wenn ich mich in denen  umhören würde, fragen, welche am beliebtesten ist, wäre die Antwort klar: Jede Abteilung nennt sich selbst. Und das ist auch richtig, am Ende finden hier viele das, was sie suchen.

Gibt es in Ihrem Verein auch Wachstumsgrenzen?

Fünfstück: Natürlich gibt es diese. Nur mit ausreichend Ehrenamt können wir unsere Strukturen halten. Es gilt ständig, die bestehenden Angebote im breiten- und gesundheitssportlichen Bereich der Demografie und den aktuellen Trends anzupassen.

Wie ist die Zusammenarbeit mit den anderen Vereinen in der Stadt? Wie geht man beispielsweise mit dem kleinsten Verein der Stadt um, dem fünf Mitglieder starken Lausitzer Yacht- und Seeklub?

Fünfstück: Es ist weniger eine Zusammenarbeit, sondern eher ein wohlwollendes Nebeneinander. Jeder Verein hat seine eigene besondere Nische, die er bedient. Wir als Großsportverein sehen es als unsere Pflicht, nachhaltig zu arbeiten und zu denken. Hier verweisen wir auf die Angebote der anderen Sportvereine. Es ist schließlich unser ureigenes Interesse und eine unserer Aufgaben, jeden Menschen zu der Sportart zu führen, die seiner Interessenslage entspricht und seiner physischen und psychischen Gesunderhaltung dient.  Und ein Verein wie der Lausitzer Yacht- und Seesportklub hat da ebenfalls seinen Stellenwert, ist wichtig, weil er eine bestimmte Gruppe von Menschen für sich begeistert.

Hat der SC Hoyerswerda auch sportpolitisches Gewicht?

Fünfstück: Von den regionalen Partnern wie dem Sportbund Lausitzer Seenland, dem Kreis- und Landessportbund werden wir  unterstützt. So wünschen wir uns eine noch engere Zusammenarbeit mit den Gremien der Stadt Hoy­erswerda, damit wir uns mehr in die Zukunftsgestaltung der Stadt einbringen können. Was den überregionalen Bereich betrifft, liegt der Wunsch nahe, den umfangreichen Erfahrungen auch dort sportpolitisches Gewicht zu verleihen. Da gibt es in Deutschland die Arbeitsgemeinschaft „Freiburger Kreis“. Hier erhalten wir fachliche Beratung, tauschen wir uns aus. Über diese Schiene sind auch Kontakte zu politischen Verantwortungsträgern möglich.

Glauben Sie, dass man den SC Hoy­erswerda wie ein mittelständisches Unternehmen führen muss?

Fünfstück:Auf jeden Fall. Der Sportclub Hoyerswerda bewegt und verwaltet finanzielle Mittel in  Größenordnungen, hat neben rund 150 ehrenamtlichen Übungsleitern, Trainern und Funktionären die Verantwortung für 13 fest angestellte Mitarbeiter. Zum anderen haben wir die Verantwortung für die Bewirtschaftung von Immobilien wie Sporthallen oder Tennisplatz zu tragen. Das fordert einen erheblichen Aufwand an organisatorischem Wirken und betreuerischer Präsenz.

Nicht zuletzt ist auch unsere Buchhaltung der eines Mittelständlers mindestens ebenbürtig. Letzterer ist im wirtschaftlichen Bereich unterwegs, kann im Allgemeinen aus seinen Ausgaben Vorsteuer ziehen und muss die Einnahmen versteuern. In einem gemeinnützigen Großsportverein wie dem SC Hoy­erswerda werden aus diesem einen Bereich aber vier. Sie sehen, das Vereinssteuerrecht ist interessant, fragen Sie mal Steuerberater, ob sie dieses Fachgebiet in ihrem Portfolio haben. Sie werden staunen.

Mit Daniela Fünfstück sprach
Rainer Könen