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| 18:23 Uhr

Hoyerswerda
Spielparadies über dem Budget

Spielstunde im „Spielparadies“: Die Erzieherinnen der Hoyerswerdaer Kita haben eine Gehaltserhöhung bekommen. Die wird nun zum Streitthema der Stadt. Nicht, weil ihnen keiner diesen Mehrverdienst gönnt, sondern weil die Kosten im Haushalt 2017 für eine unangenehme „Überraschung“ sorgten.
Spielstunde im „Spielparadies“: Die Erzieherinnen der Hoyerswerdaer Kita haben eine Gehaltserhöhung bekommen. Die wird nun zum Streitthema der Stadt. Nicht, weil ihnen keiner diesen Mehrverdienst gönnt, sondern weil die Kosten im Haushalt 2017 für eine unangenehme „Überraschung“ sorgten. FOTO: Anja Hummel / LR
Hoyerswerda. Hoyerswerda im Millionenloch: Teilschuld daran sollen die Kita-Träger haben. Die wehren sich. Von Anja Hummel

In der Simba-Gruppe ist großes Gewusel. Die bunten Bauklötze stehen und fallen, Kinderbücher werden lauthals kommentiert und Autos rattern über den Spieleteppich. Die Erzieherinnen in der Hoyerswerdaer Kita „Spielparadies“ haben alle Hände voll zu tun. Schon immer. Seit Kurzem aber steht auf ihrem Lohnzettel eine höhere Summe. „Natürlich haben wir uns alle über die Gehaltserhöhung gefreut“, sagt Kita-Leiterin Carola Wenzel. Für die tarifliche Erhöhung  gekämpft hat die Arbeiterwohlfahrt Lausitz (AWO) als Träger der Kindereinrichtung.

Ebendiese Lohnanpassung, die in insgesamt acht Hoyerswerdaer Kitas durch drei verschiedene Träger durchgeführt wurde, hat im jüngsten Stadtrat für mächtig Wirbel gesorgt: Auf der Tagesordnung stand die Genehmigung überplanmäßiger Ausgaben in Höhe von 900 000 Euro. Eine satte Summe, die sich hauptsächlich aus den gestiegenen Personalkosten in den Kitas ergibt. Im aktuellen Haushalt ist die finanzielle „Überraschung“ nicht eingeplant worden. Wie Hoyerswerdas Bürgermeister Thomas Delling (SPD) erklärte, habe das aber nicht allein die Stadtverwaltung zu verschulden. So hätten die Träger gewisse Informationen zu spät oder gar nicht eingereicht. „Rechtzeitige Planungen waren deshalb kaum möglich“, erklärte Delling vor den Stadträten.

Eine Aussage, die nicht nur Torsten Ruban-Zeh verärgert. Der AWO Lausitz-Geschäftsführer sagt: „Wir haben die Erhöhungen rechtzeitig angekündigt.“ Bereits im Oktober 2016 wurde der erste Brief an Oberbürgermeister Stefan Skora (CDU) sowie die zuständige Fachabteilung der Stadt geschickt. Darin enthalten: die Ankündigung der Personalkostenerhöhung um sechs Prozent. „Hätte die Stadt das Schreiben verarbeitet, hätte sie auch genau gewusst, was auf sie zukommt“, so Ruban-Zeh. Betroffen von den höheren Ausgaben ist nicht allein Hoy­erswerda. Die AWO ist Träger von insgesamt 14 Einrichtungen an acht verschiedenen Standorten zwischen Weißwasser und Großröhrsdorf. „Die anderen Kommunen haben sich auf unser Schreiben zurückgemeldet. Es ist also angekommen“, betont der AWO-Chef. Nachdem im Februar Gespräche mit der Gewerkschaft stattfanden, wurden der Stadtverwaltung schließlich konkrete Zahlen vorgelegt und der endgültig geänderte Haushaltsplan im Sommer nachgereicht.

Auch Wolfgang Schäfer, Geschäftsführer der Lebenshilfe Regionalvereinigung, findet die Anschuldigungen der Stadt „sehr unglücklich“. Zwei Hoyerswerdaer Kitas stehen unter dem Dach der Lebenshilfe. „So eine Personalkostenerhöhung wird rechtzeitig vorbereitet. Wir haben alles angezeigt“, ist sich auch Schäfer keiner Schuld bewusst. Derzeit sind die Träger dazu aufgerufen, diverse Daten an die Stadt zu liefern. Die Mehrkosten sollen noch einmal überprüft werden. Die AWO, wie Torsten Ruban-Zeh ankündigt, wird demnächst Kontakt zur Stadt suchen. „Wir möchten nicht als Buhmann dastehen. Wir sind es schließlich auch nicht.“

Indes steht die Stadt weiterhin vor einem Problem: Sie muss ein Sparprogramm entwickeln, um die dauerhaft höheren Kosten zu stemmen. Sonst droht bis 2021 ein Sechs-Millionen-Euro-Minus.

Torsten Ruban-Zeh ist Geschäftsführer der AWO Lausitz.
Torsten Ruban-Zeh ist Geschäftsführer der AWO Lausitz. FOTO: Anja Hummel / LR