ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:17 Uhr

Hoyerswerda
Spannende Einblicke in die Welt eines kaum Bekannten

Jens Borleis (links) und Hans-Werner Wenzel stehen neben einem Gemälde, das Ernst Janetzky von seiner Frau Antonie angefertigt hat.
Jens Borleis (links) und Hans-Werner Wenzel stehen neben einem Gemälde, das Ernst Janetzky von seiner Frau Antonie angefertigt hat. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Bis in die 50er-Jahre war Künstler Ernst Janetzky in Hoyerswerda aktiv. Jetzt sind im Schloss Hoyerswerda mehr als 150 seiner Werke zu sehen. Von Katrin Demczenko

157 Ölbilder, Zeichnungen und Radierungen des Hoyerswerdaer Malers Ernst Janetzky zeigt das Schloss & Stadtmuseum Hoyerswerda seit dem Wochenende. Zur Vernissage mit Cellomusik der Schülerin Lilly Dydymski kamen viele Interessierte. Sie wollten von der neuen wissenschaftlichen Leiterin des Museums Boglarka Szücz mehr über den in der Stadt eher unbekannten Künstler erfahren.

Zunächst berichtete Boglarka Szücz, dass Ernst Janetzky schon als Jugendlicher malte und in seiner Heimatstadt Küstrin ausstellte. Als Betriebsingenieur der Reichsbahn war er 1926 von Berlin nach Hoyerswerda versetzt worden und begann dort, die Stadt, die Lausitz und die Industrialisierung der Region festzuhalten. Auch verzierte er hölzerne Schalen und Möbel mit aufwendigen Schnitzereien. Die meisten der im Schloss ausgestellten Werke stammen von 40 Leihgebern, die sich auf den Aufruf der Ausstellungsorganisatoren, der Gesellschaft für Heimatkunde Hoyerswerda-Museumsverein, gemeldet hatten.

Jene Menschen, die den 1958 in Hoyerswerda verstorbenen Ernst Janetzky und seine Frau Antonie, die bis 1988 in der Stadt gelebt hat, kannten, waren auf der Vernissage gefragte Gesprächspartner. Jens Borleis aus Leipzig ist Antonie Janetzkys Neffe und erzählte aus dem Leben seiner Tante „Toni“, wie sie in der Familie hieß. Sie wurde 1903 als ältestes von neun Kindern in Hameln geboren und kam um 1940 als Handarbeitslehrerin nach Hoyerswerda. Nach dem Krieg führte sie Ernst Janetzkys Haushalt. Aus dieser Beziehung wurde Liebe und beide heirateten 1949.

In den 1950er-Jahren lebte das Ehepaar in der Dresdener Straße im Erdgeschoss einer Villa, die dem ehemaligen Ziegeleibesitzer Nötzold gehört hatte, berichtete die Hoyerswerdaerin Karin Knoll. Sie wohnte als Kind nebenan und lernte den Senior Ernst Janetzky kennen, der immer einen Anzug trug. Sie erlebte ihn aber auch im Malerkittel an der Staffelei. An seine bei Aufenthalten in Venedig entstandenen Gemälde kann sich Karin Knoll noch gut erinnern, denn sie hingen in der Wohnung. Einige sind jetzt in der Ausstellung im Schloss zu sehen.

Als Mädchen war Karin Knoll mit ihrer Schulkameradin öfter bei der Handarbeitsstunde von Antonie Janetzky und weiß, dass der Maler diese Szenen festhielt. „Meine Freundin wurde porträtiert, weil sie ruhig saß“, erzählte die 68-Jährige. Von ihr selbst gibt es kein Bild, weil sie zu zappelig war. Das Ölbild, welches Ernst Janetzky von ihrer Großmutter gemalt hatte, überließ sie der Gesellschaft für Heimatkunde zur Komplettierung der Ausstellung.

Hans-Werner Wenzel aus Hoyerswerda konnte eine besondere Geschichte erzählen. Er wohnt im zweiten Obergeschoss in der ­Frentzelstraße 14, ehemals Thälmann-Straße. In den 1990er-Jahren kaufte er das Haus und erfuhr von älteren Bewohnern, dass in seiner Wohnung bis zu ihrem Tod Antonie Janetzky gelebt hatte. Sie wurde ihm als Seniorin beschrieben, die öfter singend den Garten gepflegt hat. Über diese Auskünfte freute sich Jens Borleis, der vieles aus dem Leben seiner Tante noch nicht weiß. Die Ausstellung im Schloss ist bis Ende August zu sehen.