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| 02:41 Uhr

Sorbische Sprachschule steht in den Startlöchern

Der Landtagsabgeordnete Marko Schiemann (CDU) sieht sein Ziel einer sorbischen Sprachschule zum Greifen nah – auch wenn der Standort für die Einrichtung noch gar nicht feststeht.
Der Landtagsabgeordnete Marko Schiemann (CDU) sieht sein Ziel einer sorbischen Sprachschule zum Greifen nah – auch wenn der Standort für die Einrichtung noch gar nicht feststeht. FOTO: U. Menschner/ume1
Bautzen. Die sorbische Sprachschule wird am 1. August in Bautzen ihren Betrieb aufnehmen. ume1

Davon ist der CDU-Landtagsabgeordnete Marko Schiemann überzeugt, auch wenn es noch viele Unklarheiten gibt. Dazu zählt unter anderem die Frage, wo denn die neu zu schaffende Institution eigentlich unterkommen soll. "Wir brauchen einen eigenständigen Standort für die Sprachschule. Ich verwahre mich dagegen, dass sie einfach irgendwo mit ,reingequetscht' wird", betont der Abgeordnete.

Den Ausgangspunkt für die Idee einer sorbischen Sprachschule bildete die Erkenntnis, dass sich der bereits bestehende Mangel an sorbischsprachigen Lehrern in Sachsen ohne Gegensteuern drastisch verschärfen wird. So scheidet absehbar in den kommenden Jahren die Hälfte der sorbischen Lehrerschaft altersbedingt aus dem Dienst, Nachwuchs ist rar. Die Vorsitzende des Sorbischen Schulvereins, Ludmila Budar, bezeichnet die Situation als "existenziell bedrohlich".

Schiemann hatte erstmals Ende April öffentlich gefordert, eine Sprachschule zu gründen. In ihr sollen bereits fertig ausgebildete Lehrer so gute Sprachkenntnisse erwerben, dass sie auf Sorbisch unterrichten können. Zuvor hatte auch schon der Domowina-Vorsitzende David Statnik eine entsprechende Anregung gegeben. Und auch Schiemanns Landtagskollege Heiko Kosel (Die Linke) unterstützt das Anliegen.

Sollte die Sprachschule tatsächlich im August in die Gänge kommen, dann wäre das Tempo rekordverdächtig. "Man muss sich anspruchsvolle Ziele stellen und den entsprechenden Druck aufbauen", erklärt Marko Schiemann. Der CDU-Politiker ist nach eigenem Bekunden sehr unzufrieden damit, wie "die Hochschulen und Universitäten ihrer Aufgabe, die Ausbildung von Lehrern abzusichern, nachkommen". Eine Abbrecherquote von 30 bis 40 Prozent bei den Lehramtsstudenten sei "den Steuerzahlern nicht zu vermitteln". Grund sei der Umstand, dass die fachliche Messlatte für die künftigen Lehrer genauso hoch hängt wie für angehende Wissenschaftler: "Das ist absolut unnötig und muss geändert werden." Eine solche Forderung, so Schiemann, habe nichts mit einem Eingriff in die Freiheit der Lehre zu tun: "Bei der Lehrerausbildung handelt es sich um ein staatliches Ziel, zu dessen Erfüllung sich der Staat der Hochschulen bedient." Werde das Ziel nicht erreicht, müsse der Staat gegensteuern - beispielsweise durch pädagogische Hochschulen, in denen nur Lehrer ausgebildet werden.

Doch zurück zur sorbischen Sprachschule. Für die Anfangszeit, so Marko Schiemann, könne man auch mit einem Interim leben. Die Rahmenbedingungen stünden fest: Teilnehmer an den Sprachkursen sind "in den Schuldienst des Freistaates Sachsen eingestellte Lehrer, die hier eine Vollzeitweiterbildung mit Anwesenheitspflicht durchlaufen". Das Studium solle über zwei Semester gehen, dem sich noch ein Aufbausemester anschließt. "Danach müssen die Absolventen so fit sein, dass sie sowohl die sorbische Sprache unterrichten als auch Fachunterricht auf Sorbisch erteilen können", betont Schiemann. Die Teilnehmerzahl solle über mindestens zehn Jahre bei jährlich zehn bis 15 liegen, "die Nationalität ist egal".