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Sorbisch-Profil zieht an den Stadtrand

In der Oberschule "Am Stadtrand" könnten laut Standortanalyse für rund 1,5 Millionen Euro beste Bedingungen für Grundschüler vom Adler und ihr sorbisches Sprachprojekt geschaffen werden.
In der Oberschule "Am Stadtrand" könnten laut Standortanalyse für rund 1,5 Millionen Euro beste Bedingungen für Grundschüler vom Adler und ihr sorbisches Sprachprojekt geschaffen werden. FOTO: cw
Hoyerswerda. Die Stadt Hoyerswerda wird ihre vier derzeit bestehenden Grundschulen auch bis zum Jahr 2030 fortführen. Allerdings nicht alle auch am gleichen Standort. Catrin Würz

So sieht es das am Dienstag vom Stadtrat beschlossene Grundschulkonzept vor. Die Grundschule "Handrij Zejler" mit ihrem Sorbisch-Profil "2plus" als Alleinstellungsmerkmal wird voraussichtlich im Jahr 2020 von ihrem jetzigen Standort am Adler in die dann frei gewordene Oberschule "Am Stadtrand" umziehen - rund zwei Kilometer weiter nördlich gelegen.

Zwar hatte es genau gegen diesen Vorschlag noch vor einem Jahr heftige Proteste der Elternschaft und eine Petition mit 3700 Unterschriften gegeben. Domowina, Schulleitung und Eltern befürchteten damals, dass mit dem Umzug der Schule in die Hoyerswerdaer Altstadt einige Familien speziell aus den südlich gelegenen Ortsteilen und aus dem Umland abwandern könnten, weil sich die Erreichbarkeit mit Bus und Pkw am neuen Schulstandort nicht so optimal darstellt wie am Adler. Denn hier hat die Grundschule derzeit eine eigene Bushaltestelle vor der Schultür, großzügige Park- und Haltebereiche für Pkw, den Hort im eigenen Gebäude integriert und nur ein paar Schritte sind es bis zum Haus der Domowina, mit dem es viele gemeinsame Projekte und Aktionen im Jahreslauf gibt. Die Eltern wünschten sich daher einen Schulneubau am jetzigen Standort am Adler oder die komplexe Sanierung des inzwischen ziemlich maroden Plattenbau-Schulhauses.

Doch Beides wäre mit enormen Kosten in Höhe von 7,2 Millionen Euro oder knapp 5,9 Millionen Euro verbunden. Für die Variante der Komplexsanierung wäre sogar noch ein vorübergehender Auszug notwendig - was zusätzlich mit Kosten von mehr als einer Million Euro für die Herrichtung des Ausweichquartiers verbunden wäre. Damit würden beide Varianten jeweils über sieben Millionen Euro verschlingen. "Eine Summe, die wir dem Kultusministerium nicht vermitteln und wohl kaum auf Fördermittel hoffen können", erklärte Bürgermeister Thomas Delling. Die Stadt stehe indes voll hinter dem sorbischen Profil. In ganz Sachsen wird an nur wenigen Grundschulen das Konzept "2plus - Die zweisprachige sorbisch-deutsche Schule" angewandt - die Adler-Schule gehört dazu

"Doch dieser Inhalt lässt sich auch an einem anderen Standort gut vermitteln", glaubt Thomas Delling. Die Kritikpunkte der Eltern vom Adler wurden im Rahmen der Debatte deshalb nochmals gründlich abgewogen. Um die Befürchtungen der Eltern zu entkräften, wird ein Schwerpunkt auf eine gute Verkehrsanbindung des neuen Grundschulstandortes gelegt. Eine separate Bushaltestelle soll es ebenso geben wie Kurzzeitparkplätze für das Holen und Bringen mit dem Pkw.

Rund 1,5 Millionen Euro und damit deutlich weniger als für den Schulbau am Adler wird nach den jetzigen Planungen der Umzug der "Handrij Zejler"-Schule in eine dann modernisierte Stadtrand-Schule kosten. Für Bauplaner Thomas Gröbe, der mit seinem Büro "bauhoys" die Schul-Standortanalyse erarbeitet hat, ist das aber nicht der einzige klare Vorteil für den Stadtrand. "In der Summe gibt es mehr Vorteile für den ,Stadtrand'", sagt er. So könne die Nähe zum Lessing-Gymnasium als Chance für neue Partnerschaften gesehen werden. Wie am Adler könne der Hort im Gebäudekomplex vollständig mit untergebracht werden. Der Umzug im Jahr 2020 ist vom Zeitfaktor her die schnellste Lösung. Für das Areal am Adler ist es zudem leichter, nach dem Abriss der Schule eine Nachnutzung zu finden, vielleicht für Wohnungsbau.

Bis zum Jahr 2028 ist der Fahrplan zum Thema Grundschulen in Hoyerswerda also geschrieben. Bis dahin sind für die errechneten Schülerzahlen vier Schulen nötig. Danach muss es wohl eine neue Grundschuldebatte geben.