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Sommertheater beendet

Hoyerswerda.. Nur im gemeinsamen Wirken aller Verantwortlichen kann die Krise gemeistert werden. Zu diesem Ergebnis kam die Informationsveranstaltung, zu der das Präsidium des Fußball-Landesligisten FC Lausitz Hoyerswerda am Donnerstagabend geladen hatte. Von Gunnar Schulze

Das Sommertheater, diesen Eindruck konnte der neutrale Beobachter gewinnen, scheint damit beendet. „Nägel mit Köpfen konnten noch nicht gemacht werden, doch die ersten Gesprächsansätze zeigen einen gangbaren Weg für den FC Lausitz auf“ , bilanzierte Präsident Bernd Ziemann nach fast zweistündigen Gesprächen mit Mitgliedern und Fans in sachlich-angeregter Atmosphäre.
In der Tat ging dann die knapp zweistündige Diskussion im ordentlichen Rahmen und ohne Eklat über die Bühne. Zu Beginn des Gesprächs fasste Präsident Bernd Ziemann die aktuelle Situation zusammen und unterstrich dabei die Wichtigkeit der Zusammenkunft. Anschließend verlas er einen Brief des Insolvenzverwalters, der an alle Macher, Mitglieder und Gönner des Vereins gerichtet war. Dort wurde mitgeteilt, dass das Insolvenzverfahren des FC Lausitz Hoyerswerda am 28. Juni eröffnet wurde. Ziel des Verfahrens sei die Sanierung des Vereins. Dazu soll auch in Zukunft der ordnungsgemäße Spielbetrieb des FC Lausitz stattfinden. Sowohl Aufsichts-, Ehrenrat und Präsidium des Vereins werden bis zur Mitgliederversammlung bestehen bleiben und sollen zusammenarbeiten. Die Entschuldung ist zum Ende des Spieljahres 2003/04 vorgesehen.
Plus des Vereines sei es, dass der Dresdner Anwalt bereits bei der ersten Prüfung der Unterlagen feststellen konnte, dass die Insolvenz nicht mangels Masse abgewiesen werden muss. Vorerst bedürfen jedoch alle personellen und wirtschaftlichen Entscheidungen seiner Zustimmung.
Auch in den schweren Stunden des FC Lausitz halten Sponsoren an ihrem bisherigen Engagement fest. Am Dienstag dieser Woche konnte mit der Sparkasse Elbtal-Westlausitz ein weiterer Vertrag unterzeichnet werden, der dem Nachwuchs des Vereins zugute kommt und den Spielbetrieb mit absichert. Das Engagement beläuft sich nach RUNDSCHAU-Informationen im fünfstelligen Bereich.
Mit Beginn der offiziellen Frage- Antwort-Stunde interessierten die Anwesenden besonders folgende Fragen: Sind Sie nun zurückgetreten, Herr Ziemann„ Was wird aus den bisher eingezahlten Sponsorengeldern“ War es nicht ein Fehler, viele Spieler des alten Kaders nicht mehr zu berücksichtigen„ Wie sieht es sportlich aus, wird der FC Lausitz überhaupt eine Mannschaft zusammenbekommen“ Über all diese Dinge wurde diskutiert.
„Mir ist morgens manchmal das Brötchen im Hals steckengeblieben, als ich in der Zeitung immer wieder neue Hiobsbotschaften lesen musste“ , erklärte Eberhard Polke für viele Anwesende stellvertretend.
Zur aktuellen sportlichen Situation äußerte sich Trainer Eric Meissner, der auch im Marketingbereich tätig wird, gedämpft optimistisch: „Wir werden am kommenden Montag mit der Mannschaft um 17.15 Uhr im Jahn-Stadion in die neue Saison starten. Die Vorbereitungszeit ist mit nur vier Wochen recht knapp bemessen, doch insgesamt bin ich recht zuversichtlich.“ Wie viele Spieler am kommenden Montag auf dem Platz stehen werden, könne auch er noch nicht sagen, da erst seit kurzem Klarheit über die finanziellen Möglichkeiten bestehe.
Recht umfassend analysierte Ulmar Lehmann in seinem Diskussionsbeitrag die Situation des FC Lausitz. „Ich bin seit zwölf Jahren ehrenamtlich im Verein tätig und glaube mir so ein Bild über Aufsichts-, Ehrenrat und Präsidium des Vereins machen zu können“ , so der Vereinsfan. „Es hat mich erschüttert, was in den vergangen Wochen passiert ist.“ Er könne es nicht nachvollziehen, wie man sich in den Gremien untereinander bekämpfe. Ein Blick in die Satzung des Vereins hätte gereicht, um Klarheit über Befugnisse und Aufgaben zu haben. „Wir sollten heute alle in Einigkeit den Raum verlassen und damit erste ernsthafte Schritte gehen, um den Verein zu retten.“ Für den September wurde nun eine Mitgliederversammlung einberufen. Hier soll der Neuanfang auch personell vollzogen werden.