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| 21:45 Uhr

Sahara-Hitze
So kühlt sich Hoyerswerda ab

 Rein ins kühle Nass: Gina (17), Isan (17), Malte (18) und Florian aus Hoyerswerda springen nach der Schule in den Scheibe-See.
Rein ins kühle Nass: Gina (17), Isan (17), Malte (18) und Florian aus Hoyerswerda springen nach der Schule in den Scheibe-See. FOTO: LR / Rita Seyfert
Hoyerswerda. Die Sahara-Hitze könnte ins meteorologische Geschichtsbuch eingehen. Nichtsdestotrotz, die Hoyerswerdschen sind gewappnet. Von Rita Seyfert

36 Grad und es wird noch heißer. Laut Deutschem Wetterdienst werden heute in Hoyerswerda Temperaturen bis 38 Grad Celsius erwartet. Meteorologe Sebastian Balders: „So heiß war es bislang nur am 20. August 2012.“ Gut möglich, dass Hoyerswerda diesen Rekord heute um ein paar Kommastellen sprengt.

Eins ist sicher, auf die Mega-Hitze haben sich alle gut vorbereitet. In den Hoyerswerdaer Schulen steht schon seit Tagen verkürzter Unterricht auf dem Stundenplan. Statt 45 Minuten pro Lektion pauken die Schüler nur noch eine halbe Stunde. Auch die Pausen sind kürzer. Damit endet der Unterricht schon gegen Mittag.

Uwe Blazejczyk, Schulleiter vom Léon-Foucoult-Gymnasium: „Nach der sechsten Stunde um 12.05 Uhr ist Schulschluss“, sagt er. Ähnlich sieht es am Lessing-Gymnasium aus. Sekretärin Nadine Habermann: „Nachmittags wird es ruhig, der Unterricht endet um 11.55 Uhr.“

 Nachschub für trockene Kehlen: Getränke-Verkäuferin Yvonne Ortel (43) vom GP Getränkemarkt in Hoyerswerda füllt die Regale mit Radler auf.
Nachschub für trockene Kehlen: Getränke-Verkäuferin Yvonne Ortel (43) vom GP Getränkemarkt in Hoyerswerda füllt die Regale mit Radler auf. FOTO: LR / Rita Seyfert

Selbstverständlich dürfen die Schüler bei der Hammer-Hitze auch während des Unterrichts trinken. Der erhöhte Wasserbedarf macht sich auch in den Einkaufsläden bemerkbar. Bernd Rauer (59), Chef der Getränke-Union Deschner & Rauer: „Wasser still oder mit Sprudel geht am besten“, sagt er. Viele Biertrinker wechseln jetzt zum Radler. Vor allem das Lausitzer Original werde stark angenommen.

Allein in den beiden Hoyerswerdaer GP Getränkemärkten verkaufte Händler Rauer am vergangenen Freitag 646 Liter Wasser. Tendenz steigend. Nachschub hat er schon bestellt. Der nächste Lastzug bringt 32 Paletten mit Wasser aus den Mineralquellen in Bad Liebenwerda, Lichtenau und Oppach.

 Yummi, ein Sorbet geht immer! Uta Röwer aus Hoyerswerda genießt einen Erdbeereisbecher von Schoko & Luise auf dem Altmarkt in Hoyerswerda.
Yummi, ein Sorbet geht immer! Uta Röwer aus Hoyerswerda genießt einen Erdbeereisbecher von Schoko & Luise auf dem Altmarkt in Hoyerswerda. FOTO: LR / Rita Seyfert

Allerdings geht die Warenverfügbarkeit so langsam zurück. „Die Brunnen sind derzeit nicht voll lieferfähig“, so Getränkemarkt-Chef Rauer. Das hat Gründe. Die Industrie reagierte auf die erhöhte Nachfrage und nutzt ihre Kapazitäten nur noch zum Abfüllen der teuren A-Wasser. „Die Produktion der B- und C-Ware wurde vorübergehend eingestellt.“

 Alexandra Scherzberg (42), Chefin vom Pflegedienst Vergissmeinnicht, kühlt sich am Schreibtisch mit einem Mini-Ventilator ab.
Alexandra Scherzberg (42), Chefin vom Pflegedienst Vergissmeinnicht, kühlt sich am Schreibtisch mit einem Mini-Ventilator ab. FOTO: LR / Rita Seyfert

Zu Engpässen im Getränkehandel kommt es derzeit aber auch noch aus einem anderen Grund. Der Großhandel hinkt mit der Sortierung vom Leergut hinterher. Glasflaschen fehlen. „Pfandflaschen nicht zuhause horten, sondern zurückbringen. Das hilft wirtschaften“, appelliert der Getränke-Händler daher an seine Kunden.

Auch die Elektrofachverkäufer reiben sich derzeit die Hände. Ein paar Ventilatoren und Klimasplitgeräte hat der Hoyerswerdaer Globus Baumarkt zwar noch in den Regalen stehen. Verkäufer Martin Retschke: „Die mobilen Klimageräte aus dem mittelpreisigen Segment sind aber schon alle raus“, sagt er. Wie schnell die nachbestellte Ware angeliefert wird, ist unklar.

Was die Pflanzen und Bäume angeht, heißt es jetzt Wasser Marsch. Petra Scholz, Sprecherin der Wohnungsgesellschaft Hoyerswerda: „Wir bewässern jetzt mindestens einmal täglich“, sagt sie. Im Zentralpark, Skulpturenpark und dem Park an der Schweitzer Straße werden vor allem die Bäume, Stauden und der frische, neue Rollrasen gegossen.

Ob der Sprenger bei der Sahara-Keule fünf Minuten länger an bleiben darf, das entscheiden die Gärtner der beauftragten Firmen. Auch die Mitarbeiter der Lebensräume Hoyerswerda bewässern ihre Anlagen nun mehr als sonst. Sprecherin Gudrun Ladusch: „Wir gießen aber nur punktuell in Neuanlagen oder bei sehr empfindlichen Pflanzen wie Rhododendron.“

Regen ist erst einmal nicht in Sicht. Meteorologe Sebastian Balders: „Am Nachmittag kommt eine Kaltfront, aber ohne Niederschläge oder Gewitter.“ Zum Donnerstag sinken die Temperaturen dann wieder um etwa zehn Grad nach unten. Heißt, es wird dann „nur noch“ um die 27 Grad warm. Doch schon zum Wochenende soll es wieder heißer werden.