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| 18:49 Uhr

MKH Wittichenau: Roboterkuhstall
Die Wittichenauer Hightech-Bauern

 Stündlich dreht er seine Runde. Im Kuhstall der MKH Agrar- Produkte GmbH Wittichenau ist der Futterranschiebe-Roboter mit die beste Arbeitskraft.
Stündlich dreht er seine Runde. Im Kuhstall der MKH Agrar- Produkte GmbH Wittichenau ist der Futterranschiebe-Roboter mit die beste Arbeitskraft. FOTO: LR / Rita Seyfert
Vom Melken mit der Hand zum Roboter-Kuhstall – die Arbeit in der MKH Agrar- Produkte GmbH Wittichenau ändert sich rasant. Wie der Spagat zwischen Tradition und Moderne gelingt. Von Rita Seyfert

Nur von Drohnen gelenkt, pflügen Roboter das Feld, und autonom fahrende Traktoren bringen die Saat in den Boden ein. Was sich heute noch wie Zukunftsmusik anhört, das könnte in wenigen Jahren Realität sein. Schon jetzt nimmt die Idee vom vollautomatischen Roboterkuhstall der MKH Agrar- Produkte GmbH Wittichenau immer mehr Form an.

Geschäftsführer Benno Mroß (27): „Die Bauvoranfrage zieht sich zwar noch, aber der Fahrplan steht“, sagt er. Nächstes Jahr soll der Bau hinterm 2013 gebauten Jungviehstall starten. So viel steht fest, ein voll­automatischer Milchviehstall hebt die Arbeit der Landwirte auf ein neues Level. Das Melkzeug wird dann nicht mehr von Hand angelegt, sondern nur noch durch Roboter.

 Trecker-Fan und Azubi Christian Keschke (18), angehender Landwirt im zweiten Lehrjahr bei der MKH in Wittichenau, kehrt das Biogasfutter mit seinem Hoflader auf einen Haufen. „Maschinen erleichtern die Arbeit und sparen Zeit“, sagt er.
Trecker-Fan und Azubi Christian Keschke (18), angehender Landwirt im zweiten Lehrjahr bei der MKH in Wittichenau, kehrt das Biogasfutter mit seinem Hoflader auf einen Haufen. „Maschinen erleichtern die Arbeit und sparen Zeit“, sagt er. FOTO: LR / Rita Seyfert
 Trecker-Fan und Azubi Christian Keschke (18), angehender Landwirt im zweiten Lehrjahr bei der MKH in Wittichenau, kehrt das Biogasfutter mit seinem Hoflader auf einen Haufen. „Maschinen erleichtern die Arbeit und sparen Zeit“, sagt er.
Trecker-Fan und Azubi Christian Keschke (18), angehender Landwirt im zweiten Lehrjahr bei der MKH in Wittichenau, kehrt das Biogasfutter mit seinem Hoflader auf einen Haufen. „Maschinen erleichtern die Arbeit und sparen Zeit“, sagt er. FOTO: LR / Rita Seyfert

Fast erinnert das acht- bis zehnminütige Prozedere an einen Science-Fiction-Film. Sobald die Kuh in die Schleuse läuft, öffnen und schließen sich die Türen im fliegenden Wechsel. Zum Konditionieren der Tiere soll Kraftfutter von der Decke in einen Trog rieseln.

Auch bei der Futterzusammensetzung ist nichts dem Zufall überlassen. Dauerhaft am Halsband fixierte Sensoren messen alle Aktivitäten. Wie oft die Wiederkäuer liegen, laufen oder fressen, beeinflusst das Verhältnis von Schrot, Lupinen, Erbsen, Mais und Raps.

Wie viel Zeit die Umstellung braucht, lasse sich nur schätzen. „In manchen Betrieben dauert er zwei, drei Tage, anderswo ein paar Wochen.“ Natürlich sei es für die Tiere völlig neu, erklärt Landwirt Mroß, dass ein Roboter ihr Euter reinigt und das Melkzeug anlegt.

 Milchtechnologie-Azubi Paul Bruchmann (18) schließt den Milchtank an die Kurzzeiterhitzungsanlage an.
Milchtechnologie-Azubi Paul Bruchmann (18) schließt den Milchtank an die Kurzzeiterhitzungsanlage an. FOTO: LR / Rita Seyfert
 Milchtechnologie-Azubi Paul Bruchmann (18) schließt den Milchtank an die Kurzzeiterhitzungsanlage an.
Milchtechnologie-Azubi Paul Bruchmann (18) schließt den Milchtank an die Kurzzeiterhitzungsanlage an. FOTO: LR / Rita Seyfert

Manche Tiere seien eher scheu, andere neugierig und schnell lernfähig. Als Herdentiere schauen sich die Kühe gegenseitig ab, was die anderen machen. „Die Tiere müssen erfahren, wie sie Erleichterung bekommen, wenn das Euter drückt.“ Das Ziel soll sein, dass die Milchkühe zwei, bis dreimal täglich alleine zum Melken gehen.

Letztlich ist es ein Lernprozess für Tier und Mensch. „Natürlich gab es seitens der Belegschaft Bedenken, wie das funktionieren soll.“ Wenn Roboter die Arbeit übernehmen, was bleibt dann zu tun? „Sollen wir nur noch herumstehen, aufpassen und zugucken?“, so die große Sorge.

Doch Aufklärung half. MKH-Chef Benno Mroß nahm kurzerhand einige Kollegen mit auf eine Exkursion. Gemeinsam besichtigten sie unter anderem einen Melkroboter in Groitzsch bei Nossen. Inzwischen hat sich die anfängliche Skepsis gewandelt. Stallleiterin Angela Wünsche (58): „Wir sind schon gespannt auf den Roboterkuhstall“, sagt sie.

Viele kleine Bausteine sollen den Wandel von der Tradition zur Moderne begleiten. So wurde beispielsweise auch ein Futterranschiebe-Roboter angeschafft. Einmal stündlich fährt er die Gänge im Stall hoch und runter und schiebt das rausgeworfene Futter zum Trog. Dabei erleichtert das Gerät nicht nur die Arbeit, sondern nimmt sowohl Tieren als auch Mitarbeitern die Angst vor vollautomatischen Maschinen.

Noch werden die Kühe am 24er-Melkkarussell gemolken. Etwa drei Stunden dauert ein Durchlauf mit 220 Tieren. Vier Melker betreuen die Anlage Tag und Nacht. Dass die Kollegen im künftigen Roboterkuhstall plötzlich nichts mehr zu tun haben, kann sich Stallleiterin Angela Wünsche aber nicht vorstellen. „Arbeit wird es immer genug geben.“

Die Überwachung bleibe das A und O. Damit die Anlage läuft, müssen alle Computer richtig eingestellt sein. Der neue Roboterkuhstall soll nicht nur eine Arbeitserleichterung sein, sondern auch dem Fachkräftemangel entgegenwirken. Anlagenleiterin Angela Wünsche: „Viehwirte, vor allem Melker fehlen.“ Die junge Generation wolle lieber Trecker fahren, erklärt sie.

Christian Keschke (18) ist einer von derzeit drei nachkommenden Azubis in der MKH. Ab August im zweiten Lehrjahr, sitzt der angehenden Landwirt täglich auf Traktoren, Futtermischwagen oder Hofladern. Das Übers-Feld-Fahren finde er zwar leicht. Das Einstellen der Flächen im GPS-System sei aber eine Herausforderung, auch für ihn als Smartphone-Nutzer, sagt er.

Die Frage, ob ihm der Umgang mit der Technik leichter falle als seinen älteren Kollegen, verneint er jedoch. Azubi Paul Bruchmann (18) sieht das ähnlich. Ob Joghurt, Quark, Trinkmilch, Butter oder Käse, als angehender Milchtechnologe veredelt er täglich etwa 2500 Liter Milch mit Hightech-Geräten. Zu seinen älteren Kollegen schaut er dabei auf. „Nach zehn Jahren sind die sehr gut mit der Technik vertraut. Ich muss mich da erst noch herantasten“, sagt er.

 Stündlich dreht er seine Runde. Im Kuhstall der MKH Agrar- Produkte GmbH Wittichenau ist der Futterranschiebe-Roboter mit die beste Arbeitskraft.
Stündlich dreht er seine Runde. Im Kuhstall der MKH Agrar- Produkte GmbH Wittichenau ist der Futterranschiebe-Roboter mit die beste Arbeitskraft. FOTO: LR / Rita Seyfert