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Sie wollen einen spannenden Job

Daniel Riedel und Tobias Noack haben als Referendare am Pückler-Gymnasium in Cottbus die Schülerzeitung wiederbelebt.
Daniel Riedel und Tobias Noack haben als Referendare am Pückler-Gymnasium in Cottbus die Schülerzeitung wiederbelebt. FOTO: Annett Igel-Allzeit
Cottbus. 35 Lehramtskandidaten testen derzeit an Cottbuser Schulen, wie sie bei Schülern ankommen. Der Spagat zwischen Wissensvermittlung und einem Unterricht, der vielen Spaß macht und alle mitnimmt, kann hochspannend sein, finden Daniel Riedel und Tobias Noack. Die zwei Referendare lernen und lehren am Fürst-Pückler-Gymnasium und hatten sich bewusst fürs Referendariat in Brandenburg entschieden. Annett Igel-Allzeit

Die Schülerzeitung am Fürst-Pückler-Gymnasium lebt wieder. Theatertermine, das Wort des Monats, Geschichten, ein Gedicht, Rätsel, Studientipps, Kolumnen mit den Zukunftsgedanken der Schüler. Referendar Daniel Riedel hat als Gastautor über die Magersucht geschrieben. Schnell war die erste Ausgabe vergriffen, im Internet kann sie noch gelesen werden. Schüler der Klassen 7 bis 11 machen in der Arbeitsgemeinschaft mit, einigen liegt das Schreiben, anderen das Gestalten, Zeichnen, Fotografieren. Trotzdem wird es sportlich werden, jeden Monat die "Pückler News" erscheinen zu lassen. Schulleiter Detlef Petatz mag den Wind, den die jungen Referendare in seine Schule bringen.

Derzeit sind vier Lehramtsanwärter im Pückler-Gymnasium in Trägerschaft des Spree-Neiße-Kreises beschäftigt - eine junge Frau und drei Männer. Dass die Herren in der Lehrerausbildung aufholen, stimme schon, auch wenn das Beispiel am Pückler-Gymnasium über die Statistik hinausschießt. "In Fächern wie Deutsch überwiegen im Studium immer noch die Frauen mit 80 zu 20 Prozent, aber in Politik kann das Verhältnis schon einmal andersherum sein", sagt Tobias Noack. Er ist ein waschechter Rückkehrer. "Ich habe von 2000 bis 2007 selbst als Schüler das Fürst-Pückler-Gymnasium besucht. Dass ich Lehrer werde, war früh klar - weil ich hier gute Lehrer erlebt habe. Zudem ist mein Vater auch Lehrer", so der Cottbuser. Studiert hat er bis zum ersten Staatsexamen in Greifswald. In Pasewalk arbeitete er bis zum Beginn des Vorbereitungsdienstes, wie das Referendariat offiziell heißt, als Vertretungslehrer. Neben dem Fach Geschichte entschied er sich für Deutsch - obwohl er früher kein Bücherwurm war. Aber vielleicht ist das gar kein so schlechter Ansatz, um Schüler, die eben auch nicht alle Bücherwürmer sind, anzuregen, doch in einige wichtige Werke zu schauen.

"Für mich war es als Literaturfan schwierig, den sprachwissenschaftlichen Teil ernst zu nehmen - die ganze Theorie über Zeichen, die Semiotik von Ferdinand de Saussure - da habe ich im Seminar ziemlich herumdiskutiert", erinnert sich Daniel Riedel. Er stammt aus Arnstadt in Thüringen. Und das Lehramt war nicht seine erste Wahl. "Ich habe Fertigungsmechaniker gelernt, in diesem Beruf gearbeitet. Als ich mich gewerkschaftlich engagierte, merkte ich, wie spannend Politik ist. Ich habe mein Abi nachgeholt und an der Uni Leipzig entdeckt, dass sich Politik auch im Lehramt studieren lässt."

In Sachsen hätte er nach dem ersten Staatsexamen nur ein einjähriges Referendariat bekommen. So entschied sich Riedel nach Vertretungslehrer-Erfahrungen in Berlin-Neukölln für Brandenburg und 18 Monate. "Klar ist es gut, möglichst bald das Studium abzuschließen. Sachsen wollte uns schneller einsetzen. Aber ein Jahr ist zu wenig." Tatsächlich erweitert in diesem Jahr auch Sachsen wieder die Referendarzeit auf 18 Monate. Man muss sich ausprobieren können, sagt Riedel. Zum Thema soziale Ungleichheit im Fach Politische Bildung sei er zum Beispiel mit den Schülern auf die Straße gegangen. Sie haben Bürger befragt, die Ergebnisse ausgewertet. Für die Schüler wird das Thema so in Erinnerung bleiben, aber es hat zu viele Unterrichtsstunden gekostet - eine Erfahrung. Riedel darf hoffen, nach den Winterferien seine erste Anstellung antreten zu können.

In Cottbus. "Darüber freue ich mich. Ich möchte der Stadt etwas zurückgeben, denn ich bin im Studienseminar Cottbus gut aufgenommen worden und zuerst haben sie mir die Stadt gezeigt. Außerdem ist die Atmosphäre hier noch sehr kollegial", sagt Daniel Riedel. Er weiß, dass nach seinem Schulwechsel Tobias Noack die Arbeitsgemeinschaft Schülerzeitung übernimmt. Bleiben würde auch Noack gern. Schulleiter Petatz schmunzelt. Da habe sich die Arbeit mit den Referendaren mal wieder gelohnt. "Bisher fand ich immer Kollegen, die als Mentor helfen. Am Anfang müssen sie mehr Zeit in sie investieren, bald aber nehmen sie ihnen auch Arbeit ab. Ich selbst sitze gern in der Stunde eines Referendars, staune über neue methodische Ansätze. Einiges haben ich dann in meinem Unterricht gleich ausprobiert."

Wie sie sich ihre Arbeit in 20 Jahren vorstellen? Tobias Noack lacht: "Ich hoffe, dass ich nicht allein vor der Kamera stehe und die Schüler vor mir auf kleinen Bildschirmen in Jogginghosen herumlümmeln. Die Schule sollte ein Ort der direkten Begegnung und des Austausches bleiben. Das macht den Lehrerberuf ja so spannend."