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Sie kannte die Geschichte der Stadt

Die ehemalige Museumsleiterin Helga Müller bei ihrem 75. Geburtstag im Januar 2006. Foto: Julia Lindenberger
Die ehemalige Museumsleiterin Helga Müller bei ihrem 75. Geburtstag im Januar 2006. Foto: Julia Lindenberger FOTO: Julia Lindenberger
Hoyerswerda. Die langjährige Direktorin des Stadtmuseums ist tot. Helga Müller ist am Ende der vergangenen Woche im Alter von 80 Jahren gestorben. „Mit Helga Müller ist ein großes Stück des historischen Gedächtnisses von Hoyerswerda gestorben“, sagt Elke Roschmann vom Stadtmuseum. Von Mirko Kolodziej

Helga Müller hatte das Museum in den Jahren 1975 bis 1990 geleitet. Die Beziehung zwischen der gebürtigen Görlitzerin und der Stadt Hoyerswerda, brachte sie mit einem Buchtitel auf den Punkt: „Hoyerswerda – mein Leben“ nannte sie die Erinnerungen an die Jahre von 1936 bis 1951.

Sie ging hier zunächst in den damals noch „Spielschule“ genannten Kindergarten, der in jener Zeit neben dem Haus Braugasse 1 am Schlossplatz stand. Sie besuchte die Jungen- und Mädchenschule in der Schulstraße, legte in der Lessingoberschule ihr Abitur ab und wurde schließlich Lehrerin. Erster Einsatzort war die Gemeindeschule in Knappenrode, das heutige Bürgerhaus. Helga Müller arbeitete beim Rat des Kreises und bei der Wissenschaftsgesellschaft Urania. Doch das Museum und die Geschichte der Region wurden ihr wahrer Lebensinhalt. Zunächst ab 1966 neben Günter Peters, später als Chefin kümmerte sie sich im Schloss um die Historie.

„Sie hat diese Stadt so geliebt und hat uns das auch vermittelt“, sagt Elke Roschmann, die 1978 ins Museum kam. Ihre Kollegin Martina Noack ergänzt: „Sie war zu uns auch wie eine Mutti.“ Für Sigrun Jeck, die ab 2004 als Nachfolgerin von Helga Müllers Nachfolger Karl-Heinz Hempel zur zweiten Hoyerswerdaer Museums-Direktorin werden sollte, war die sicher auch aufgrund ihrer Kriegserfahrungen überzeugte Kommunistin Mentorin für die Diplomarbeit. „Ich bin ihr sehr dankbar, dass sie mich nicht über die Geschichte der Arbeiterbewegung schreiben ließ, sondern über Handel und Handwerk in Hoyerswerda im 18. Jahrhundert, also die Teschen-Zeit “, sagt Sigrun Jeck.

Helga Müller ging 1990 zwar in den Ruhestand, doch „solange sie konnte, hat sie uns unterstützt“, erzählt Elke Roschmann. Helga Müller kam zu fast jeder Ausstellungseröffnung ins Schloss. Wollten die Museumsleute etwas aus der Geschichte wissen, wählten sie nicht selten Helga Müllers Nummer. Vor Kurzem brachte sie ihren Kollegen ein Exponat für die neue Ausstellung über das Lager Elsterhorst – eine Münze, die ein jugoslawischer Gefangener Helga Müllers Mutter einst als Dank für deren Nahrungsmittel-Hilfe geschenkt hatte.

Für die Historiker im Schloss wird es ohne Helga Müller aus vielerlei Gründen schwieriger. Neben der müttlerlichen Freundin fehlt ihnen nun auch eine historische Quelle, die noch aus eigenem Erleben von Museumsgründer Otto Damerau ({dagger} 1961) berichten konnte. Doch auf Drängen ihres vor sechs Jahren verstorbenen Mannes Horst, der lange die Stadtbibliothek leitete, hat sie in den letzten Jahren vieles schriftlich festgehalten. Elke Roschmann hat diese Erinnerungen geschenkt bekommen und ist auch dafür sehr dankbar.

Helga Müller, „Hoyerswerda – mein Leben“ erschien 2008 im Niederlausitzer Verlag Guben,

ISBN 978–3–935881–59–3