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Seit einigen Wochen volles Haus im "Ossi"

Wenn Alexander (l.) seine Breakedance-Stunde im Saal des "Ossi" nimmt, bietet sich für Susann Hoffmann (r.) manchmal die Gelegenheit für einen kleinen Plausch mit Sozialarbeiterin Sandra Neuber (M.).
Wenn Alexander (l.) seine Breakedance-Stunde im Saal des "Ossi" nimmt, bietet sich für Susann Hoffmann (r.) manchmal die Gelegenheit für einen kleinen Plausch mit Sozialarbeiterin Sandra Neuber (M.). FOTO: Mandy Decker/mdr1
Hoyerswerda. In der offenen Jugendarbeit des Jugendklubhauses "Ossi" herrscht seit einigen Wochen Hochbetrieb. Das Betreuer-Team stellt sich mit Begeisterung ganz neuen Herausforderungen. Mandy Decker / mdr1

"Wir halten die Besucher an, uns ein Foto an unsere Fotowand zu pinnen", erzählt Sandra Neuber. Sie ist selbst noch überrascht von den Entwicklungen, die der offene Clubbetrieb des Jugendklubhauses "Ossi" in den vergangenen Monaten genommen hat. Ähnlich verwundert schaut sie im Kalender auf die Nutzerzahlen vom Januar dieses Jahres. In der dritten Januarwoche wurden im offenen Angebot am Freitag noch neun Gäste gezählt. In der letzten Januarwoche gar nur zwei. Lange schon war Sandra Neuber unglücklich mit dem ziemlich leeren Haus. Immer wieder hatte sie sich von Zeitzeugen von früher erzählen lassen, als das Haus noch brummte und tagtägliche Anlaufstelle für eine gesellige Freizeit war.

Nun aber im März, nur sechs Wochen nach den dürftigen Januarzahlen, muss Sandra Neuber sich nichts mehr erzählen lassen. Nun flitzt die Sozialarbeiterin glücklich durchs Haus, wird in der Küche und dann gleich wieder an der Bühne gebraucht. Um die 70 Mädchen und Jungen zählt sie neuerdings freitags im Saal, in den Themenräumen und auf den Fluren. Und kontinuierlich werden es mehr. Hinzu kommen feste Termine wie die Spielstunden der Horte oder auch die der Tanzsportler.

Bereiche für Mädchen und Jungs

Nun haben die Betreuer plötzlich ganz andere Sorgen. Sie müssen den Großen und den Kleinen, die dem Haus treu geblieben sind, eigene Bereiche schaffen. Mädchen und Jungs sollen sich gleichermaßen wiederfinden. Das versuchen die Sozialarbeiterinnen mit einem Mädels-Treff, bei dem es gern auch mal um Mode geht, und einem Jungen-Trupp, mit dem unter anderem eine Fahrradwerkstatt organisiert wird. In Anbetracht der Bedürfnisse der Älteren wurde die Öffnungszeit am Freitag wieder auf 20 Uhr verlängert. Das ist zwar personaltechnisch eine Herausforderung, doch das Team ist bereit, der neuen Situation mit aller Kraft gerecht zu werden, um die Jugendlichen zu halten.

Doch da ist Sandra Neuber nicht bange. "Die Projekte der anderen werden absolut akzeptiert", freut sie sich. Fernsehen und den Computerraum finden alle lange nicht so toll, wie man befürchtet hatte. Es wurde sogar schon ein inklusiver Fasching gefeiert. Die Jugendlichen hätten die traditionelle Faschingsfete mit Behinderten ganz von selbst mit organisiert und dann selbstverständlich auch mitgefeiert, berichtet sie. In dieser Art möchten die Mitarbeiter mit den Jugendlichen weiterarbeiten. Dafür sei es besonders wichtig, nicht für sie, sondern mit ihnen gemeinsam zu planen, weiß Sandra Neuber. Sie gesteht sich jetzt auch eine neue Hoffnung für das Volleyball-Feld zu, das in den vergangenen Sommern eher brachlag.

Freude über Ansturm

Warum sich die Wahrnehmung des "Ossi" etwa zur Zeit der Februarferien bei den jungen Leuten so schlagartig verändert hat, kann sich das Team nicht wirklich erklären. Auch Susann Hoffmann hat keine Antwort auf diese Frage. Es sei wohl eine Art Gruppendynamik entstanden, vermutet die 33-Jährige. Sie kommt mit den Söhnen Alexander (9) und Maximilian (zwei Monate) seit Januar zweimal in der Woche von Wittichenau nach Hoyerswerda. Freitags hat Alexander seine geliebte Breakedance-Stunde bei Tänzer Marco. Alexander findet: "Marco ist ein richtig guter Trainer, weil er in freundlichem Ton erklärt." Mittwochs schaut die Familie, zu der auch Angelique Eichler gehört, einfach so im offenen Clubbetrieb vorbei. Angelique ist für ihre Freundin von Darmstadt in die Lausitz gezogen. In Hessen war die 26-Jährige viele Jahre ehrenamtlich in einem Jugendzentrum tätig. Der Trubel habe ihr gefehlt, sagt Susann Hoffmann und schmunzelt.

An die Stille im Januar und den plötzlichen Wandel im Februar kann Susann Hoffmann sich gut erinnern. Mit dem erhofften Trubel kann das "Ossi" im Moment jedenfalls dienen. Sandra Neuber und ihre Mitarbeiter setzen alles daran, dass das auch so bleibt. Im April werden die Jugendlichen eine eigene Disco organisieren. "Wir möchten versuchen, sie durch Projekte zu binden", erklärt Sandra Neuber und schaut zufrieden hinüber auf die Fotowand, die sie und die Kolleginnen zugegebenermaßen heimlich nutzen, um sich in freien Minuten die vielen neuen Namen und Gesichter einzuprägen.