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| 22:07 Uhr

Nachwuchskicker gesucht
Begeisterung für Fußball entfachen

 Die Seenlandkicker organisieren zur Nachwuchsgewinnung auch Kita-Touren durch acht regionale Tagesstätten. Im Bild trainieren Nils Hoffmann und Maik Schröter gerade mit Kindern der Laubuscher Kita „Brüderchen und Schwesterchen“.
Die Seenlandkicker organisieren zur Nachwuchsgewinnung auch Kita-Touren durch acht regionale Tagesstätten. Im Bild trainieren Nils Hoffmann und Maik Schröter gerade mit Kindern der Laubuscher Kita „Brüderchen und Schwesterchen“. FOTO: Anja Guhlan
Laubusch. Die Nachwuchsgewinnung ist selbst im Amateurfußball inzwischen eine schwierige Aufgabe, die mit ziemlich großem Aufwand gemeistert wird. Die Seenlandkicker sind gewappnet. Von Anja Guhlan

„Elf Freunde müsst ihr sein!“ Klingt gut. Was aber, wenn man nur zu neunt ist? In vielen Sportvereinen fehlt der Nachwuchs. Die demographische Entwicklung macht selbst vor dem beliebtesten Sport, dem Fußball, nicht halt. Vor allem in den ländlichen Bereichen der Oberlausitz wird es immer schwieriger, Jugendliche am Ball und einen Spielbetrieb aufrecht zu erhalten.

Laut einer Mitgliederstatistik des Deutschen Fußballbundes (DFB) minimieren sich die Juniorenmannschaften in den letzten vier Jahren immer mehr. Gab es im Jahr 2016 noch 3357 Juniorenmannschaften in Sachsen, verringert sich die Anzahl der Mannschaften kontinuierlich. 2019 verzeichnete der DFB 3294 Juniorenmannschaften.

In Laubusch erkannten die Verantwortlichen des ortsansässigen Sportvereins das Problem des möglicherweise bald fehlenden Nachwuchses bereits im Jahr 2013. Aus losen Informationsgesprächen entstand die Idee, mit anderen Vereinen zu kooperieren statt zu konkurrieren. Die Idee der „Seenlandkicker“ zusammen mit dem LSV Bluno 74 war geboren. „Wir wollten die Kräfte für eine engagierte Nachwuchsarbeit bündeln. In der heutigen Zeit ist die Nachwuchsarbeit und die Nachwuchsgewinnung nur mit vereinsübergreifender Arbeit intensiv und vor allem nachhaltig möglich“, erklärt Nils Hoffmann, Nachwuchsleiter beim SV Laubusch.

Auf das bisher Erreichte können die beiden Vereine stolz sein: Derzeit trainieren und jagen rund 140 Nachwuchsfußballer aus Laubusch, Bluno und weiteren 14 Ortschaften der Region dem runden Leder hinterher.  Neun Jugendteams, angefangen bei den Drei- bis Sechsjährigen als Bambinis über die 14- bis 16-Jährigen bei den B-und C-Junioren bis hin zu den unter 18-Jährigen bei der A-Jugend spielen momentan bei den Seenlandkickern. Eine Gemeinschaft, die in der Region nicht mehr wegzudenken ist.

Dennoch ist der Weg der Nachwuchsgewinnung ein schwerer Weg, ist sich Nils Hoffmann sicher. Mehrere Maßnahmen haben die Seenlandkicker entwickelt, um Nachwuchs zu gewinnen. „Als Erstes muss das Training stimmen. Gute Trainingseinheiten heben die Motivation, bei uns Fußball spielen zu wollen. Egal wo die Spieler herkommen, es soll um das Fußballspielen und die sportliche Aktivität gehen. Da sollen die Kinder zum Beispiel nicht um einen Ball streiten müssen, sondern jeder mit seinem eigenen Ball trainieren können“, so Nils Hoffmann.

14 Trainer sorgen derzeit dafür, dass die Kinder Fußballspielen lernen. Dabei zählt nicht nur das Vermitteln von Grundregeln, sondern auch die Teamfähigkeit, die motorischen Feinheiten, das soziale Gefüge, die Disziplin und das Talente fördern und fordern. Aber den reinen Leistungsgedanken, das Streben nach immer besseren Spielen und Ergebnissen, lehnen die Verantwortlichen der Seenlandkicker ab. „Gesunder Ehrgeiz dominiert unsere Mannschaften. Für die Persönlichkeitsentwicklung ist es gut, sowohl gewinnen als auch verlieren zu lernen“, schildert Hoffmann. Auch haben die Seenlandkicker inzwischen  Leistungsmannschaften abgeschafft und bilden nun lieber mehrere Jahrgangsmannschaften.

Zeiten, in denen Kinder von alleine in Fußballvereine strömen, sind längst vorbei. „Deshalb müssen wir sie dort abholen, wo sie sich aufhalten. Und zwar in der Kita und in der Schule“, so der Nachwuchsleiter. Seit etwa fünf Jahren veranstalten sie deshalb jährlich Kita-Touren, in denen sie in den Kitas nach Mitgliedern werben. Auch in Schul-AGs sind sie aktiv mit einer Fußball-AG. Doch all diese Ideen der  Nachwuchsgewinnung allein reichen nicht, „das kostet auch alles Geld“, meint Hoffmann. Trikots, Platzbewirtschaftung von vier Plätzen und Hallengebühr sowie selbst für eine Werbekampagne in sozialen Netzwerken wie Facebook muss man zahlen. „Ohne private Sponsoren könnten wir das alles nicht stemmen“, gibt Hoffmann offen zu. Hohe Ablösesummen für Nachwuchs­kicker seien bei den Seenland­kickern aber kein Thema. Spieler können kommen und gehen, wann sie wollen.

Wichtig bei der Nachwuchsgewinnung seien auch Fußball-Veranstaltungen mit „Event“-Charakter. Die Kinder erwarten heute mehr als nur Punktspiele, sondern besondere Fußballereignisse. „Deshalb veranstalten wir auch unsere Fußball-Camps mit Dynamo Dresden oder anderen Bundesliga-Clubs“, so Hoffmann.

„Am Ende heißt es, immer dran zu bleiben. Werben, werben und nochmals werben – eben mit vielen verschiedenen Maßnahmen. Ein Patentrezept gibt es nicht“, glaubt Hoffmann. Er rät zum Abschluss: Verschiedene Möglichkeiten auszuprobieren, neue Wege gehen, den Jugendlichen auch zuhören und dabei auf ihre Bedürfnisse eingehen. Und das alles gemeinsam.