| 02:39 Uhr

Seenlandbahn soll auch 2017 ins Rollen kommen

Bernsdorfs Bürgermeister Harry Habel setzt für seine Stadt auf eine gute Infrastruktur, um interessant für Investoren zu sein.
Bernsdorfs Bürgermeister Harry Habel setzt für seine Stadt auf eine gute Infrastruktur, um interessant für Investoren zu sein. FOTO: sob
Bernsdorf. Was waren die Tops und was waren die Flops von 2016? Was kommt in diesem Jahr auf die Städte und Gemeinden zu? Die Bürgermeister aus der Region blicken in der RUNDSCHAU zurück und voraus. Heute: Bürgermeister Harry Habel aus Bernsdorf. Catrin Würz

Fragt man Bürgermeister Harry Habel (CDU), was für die Stadt Bernsdorf wirklich wichtig ist, hat er eine klare Antwort: "Infrastruktur, Infrastruktur und noch mehr Infrastruktur", ist der Rathauschef fest überzeugt. Seit Jahren versteht sich die Stadt selbstbewusst als potenter Wirtschaftsstandort, sieht darin ihre Stärken und weiß, dass der Tourismus trotz einer gewissen Nähe zum Lausitzer Seenland für Bernsdorf in der Zukunft nur eine kleinere Rolle spielen wird. "Doch um weitere Investoren für unsere Stadt und für das Gewerbegebiet Straßgräbchen bei TDDK zu interessieren, um gute Lebensbedingungen für Fachkräfte zu bieten, braucht es eben eine gute Infrastruktur. Und in die stecken wir unsere ganze Kraft", so Habel.

Hier kam Bernsdorf voran

Im vergangenen Jahr ist Bernsdorf auf diesem Gebiet ja auch wieder ein gutes Stück vorangekommen. Insbesondere in der Schullandschaft und für junge Familien hat sich einiges getan: Die Freie Oberschule ist fertig saniert, in der Grundschule wurden im Außenbereich Sicherungs- und Sanierungsarbeiten durchgeführt und demnächst sind dort weitere Bauarbeiten am Dach geplant. Noch in diesem Jahr soll mithilfe von Geldern aus dem Förderprogramm "Brücken in die Zukunft" auch der Schulsportplatz "Am Wirschk" modernisiert und umgestaltet werden. 235 000 Euro sind für den neuen Sportplatz - den beide Schulen nutzen werden - veranschlagt. "Das wollen wir in diesem Jahr auf jeden Fall noch vollenden", erklärt der Rathauschef.

Voll ins Schwarze getroffen hat die Kommune 2016 mit dem Bau des neuen Spielplatzes am Tiergehege - für den ja eine gewisse längere Anlaufphase nötig war. "Das ist fantastisch, wie dieser Tobeplatz genutzt wird", so Harry Habel. Die Verwaltung bemüht sich nun intensiv, auch noch eine Lösung für zusätzliche Parkplätze in diesem Bereich zu finden. "Wir denken da an die Parkflächen am ehemaligen Lidl-Markt. Um dieses Gelände zu erwerben, sind wir momentan noch in Gesprächen mit dem Eigentümer", bestätigt der Bürgermeister. Die Stadt hätte den seit Jahren leer stehenden Markt als Schandfleck gern beseitigt und wünscht sich die Parkflächen als Gewinn für das Tiergehege, den Spielplatz und das Festgelände.

Als weiteren Pluspunkt für die städtische Infrastruktur sieht Bürgermeister Habel das Wohngebiet "Am Schmelzteich". Das Areal, das einst in den 1990er-Jahren als Gewerbegebiet erschlossen und als solches aber nie genutzt wurde, hat die Stadt seit ein paar Jahren für individuelles Wohnen vermarktet. Gestaffelte Grundstückspreise, die besonders jungen Familien entgegenkommen sollten, und andere Marketingstrategien haben letztlich ihre Wirkung nicht verfehlt. Fast alle Bauplätze sind inzwischen vergeben. "So ist das Wohngebiet ein Erfolg für unsere Stadt geworden", stellt Harry Habel dazu fest.

Infrastrukturelle Aufwertungen hat Bernsdorf für 2017 vor allem im Bereich Straßen ins Auge gefasst. "Das wird 2017 ein großes Thema für uns", so der Bürgermeister. Noch im Frühjahr soll Baubeginn an der Wittichenauer Straße sein, im Sommer an der Kamenzer Straße in Straßgräbchen. Beide Straßen waren in Folge der neuen Ortsumfahrung S 94 zu kommunalen Straßen herabgestuft worden - und sollen jetzt in einen ordentlichen Zustand versetzt werden.

Ein wichtiges Thema soll 2017 auch die Fortführung der Umgehungsstraße von Bernsdorf in Richtung Autobahn/Ruhland sein. "Ich gehe davon aus, dass diese Straße im neuen Landesverkehrswegeplan drinsteht", so Harry Habel. Er rechnet mit einem ersten Entwurf zur Trassenführung noch in diesem Jahr. Die Stadt sei zu dem Thema nicht untätig gewesen. "Es gab und gibt weitere Gespräche dazu mit unseren brandenburgischen Nachbarkommunen. Wir wollen dazu vereint und mit gebündelter Kraft auftreten, um unsere Erfolgschancen in den Verhandlungen mit den Ländern zu erhöhen."

Seenlandbahn bleibt im Visier

Weiter im Visier hat der Bernsdorfer Bürgermeister die Seenlandbahn von Dresden über Kamenz und Bernsdorf/Wiednitz ins Lausitzer Seenland. Auf seine Initiative hin war diese Touristenbahn vor drei Jahren aus der Taufe gehoben worden. Mit Hilfe von Sponsorengeldern und Förderzuschüssen gelang es, von 2014 an jeden Sommer drei oder vier Fahrten aus der Landeshauptstadt ins Seenland zu organisieren - mit teils guter Auslastung. In der Saison 2016 waren von 210 möglichen Plätzen auf insgesamt drei angebotenen Fahrten 180 Plätze verkauft. Das Touristenpaket - Bahnfahrt mit Erlebnissen im Seenland - war jedoch eine recht hochpreisige Sache. "Wir müssen jetzt dahin kommen, dass die reinen Bahnfahrten aus Dresden ins Seenland zu normalen Fahrpreisen des Verkehrsverbundes angeboten werden", hofft Harry Habel auf die Neuausrichtung der Seenlandbahn. Touristische Angebote im Seenland soll jeder Nutzer individuell dazubuchen können - zum Beispiel Schiffsausflüge oder geführte Touren. Nach Gesprächen in der Staatskanzlei wird jetzt nach passenden Förderprogrammen gesucht, um ab 2017 einen Seenland-Fahrplan anbieten zu können: Harry Habel hofft, dass während der Sommerferien an jedem Wochenende jeweils samstags und sonntags morgens eine Bahn von Dresden aus ins Seenland startet - und abends wieder zurück. "Wir brauchen diese Anbindung der Landeshauptstadt an das Seenland. Dafür müssen wir hier in der Region kämpfen."