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Zweckverband reduzieren
Seenland vor dem Scheideweg

Der Seenland-Verband Sachsen sucht neue Wege für das Entwickeln der Reiseregion.
Der Seenland-Verband Sachsen sucht neue Wege für das Entwickeln der Reiseregion. FOTO: Peter Radke/pre1
Hoyerswerda. Der Seenland-Verband Sachsen steht vor einem Scheideweg. Die klare Mehrheit der Mitglieder und damit der kommunalen Seen-Anrainer will den Zweckverband auf den Verwalter der angestrebten Entwicklung für die neue Reiseregion in der Lausitzer Bergbaufolgelandschaft reduzieren – und die Umlagen für eigene Investitionen in Verbandshand abschaffen. Kathleen Weser

Ein Sparmodell soll das ausdrücklich nicht sein. Einsam, aber so eloquent wie gewohnt, zeigt sich Manfred Heine, der Bürgermeister der Gemeinde Spreetal, mit dem vorausschauenden Blick in die Zukunft äußerst skeptisch. "Ich befürchte, dass wir uns damit einen zahnlosen Tiger erschaffen", sagt er. Der Zweckverband müsse eine tragende Rolle für das Lausitzer Seenland übernehmen - über reine Verwaltungstätigkeiten und Managementaufgaben hinaus. "Auch die Vision von einem später einmal länderübergreifenden Verband ist sonst futsch", so Heine. Der Bürgermeister, der als hartnäckiger und weniger von Geduld beseelter Macher bekannt ist, geht gedanklich noch weiter: Er würde dem Sachsen-Seenland-Verband einen See am liebsten ganz in Regie geben - und damit auch mit einem Grundrauschen in der Kasse nach dem Vorbild des Brandenburger Pendants liebäugeln.

Der Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg (LSB) ist mit den aus DDR-Zeiten geerbten Ferienanlagen am Senftenberger See bekanntlich mit einer eigenen gewerblichen Sparte selbst wirtschaftlich aktiv. Eine ähnliche Rolle steht bei Manfred Heine auch für den Sachsen-Verband auf dem Wunschzettel.

Einnahmen sollen in Brandenburg über die Ferienanlagen und verbandseigenen Campingplätze hinaus auch aus Mieten und Pachten, beispielsweise durch jüngere Investitionen wie den Imbiss zu Füßen der Landmarke Rostiger Nagel am Kleinkoschener Ufer des Sedlitzer Sees, erzielt werden. Das gestaltet sich für den älteren und praktisch über vier Jahrzehnte auch mit den Aufgaben gewachsenen Seenland-Verband als schwierig. Für die kleine Gastronomie, das Schleusenhaus am Koschener Kanal zwischen Geierswalder und Senftenberger See, ist trotz großer Bemühungen noch kein Wirt gefunden. Auch der Wiederaufbau des Imbisses am Rostigen Nagel, der einem Feuer zum Opfer gefallen war, wird in der Branche kritisch gesehen: Der Standort, ein von Radlern und besonders gern auch von Reisebussen angesteuertes Ziel, sei topp. Aber eine Mini-Gastronomie mit nur zehn Sitzplätzen sei wirtschaftlich nicht zu führen. Die öffentliche Hand plane hier ohne den realen Wirt, den Markt.

Der Ersatzneubau startet in einigen Tagen. Das bestätigt Volker Mielchen, der Vorsteher des Zweckverbandes Lausitzer Seenland Brandenburg. Der Architekt Stefan Giers, der federführend auch die Landmarke selbst geplant hatte, hat das Gebäude zum Vorgänger-Bau nur leicht verändert. Ein Mauerwerksbau mit Putzfassade, Vordach und Schiebe-Elementen aus Cortenstahl, also mit rostfarbener Note, wird errichtet. Zum Saisonstart im April sollen die Besucher des Aussichtsturmes und die Radler auf dem Seerundweg wieder versorgt werden und auch die Sanitäranlagen nutzen können. Im Oktober schreibt der Seenland-Verband den Imbiss aus, die Suche nach einem neuen Betreiber beginnt. Nur der Erfolg kann die Kritiker eines Besseren belehren.

Auf sächsischer Seite indes geht die neue Verbandsstrategie in die Gremien der Entscheider auf kommunalpolitischem Parkett. Spreetal-Gemeindeoberhaupt Manfred Heine befürchtet, die Tür für die Sachsen ist mit der neuen Strategie zugefallen. Elsterheide-Bürgermeister Dietmar Koark sieht sie offen. "Es ist weiter möglich, gemeinsame Vorhaben gemeinsam zu bestreiten und zu finanzieren", argumentiert er. Zu verhandeln sei dann lediglich, wer welche Kosten trage. Ein Automatismus über eine Investitionsumlage sei nicht mehr gewollt. Doch das wird definitiv erst die Debatte in Hoyerswerda und den Seenland-Gemeinden, die nun beginnt, zeigen. Das Machtwort im Verband soll im Dezember gesprochen werden.