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| 14:31 Uhr

Hoyerswerdaer Pfarrer und begeisterter Biker
Seelsorger in Motorradkluft

Er ist ein ungewöhnlicher Pfarrer: Gemeindemitglieder besucht der Hoyerswerdaer Peter Paul Gregor oft mit dem Motorrad.
Er ist ein ungewöhnlicher Pfarrer: Gemeindemitglieder besucht der Hoyerswerdaer Peter Paul Gregor oft mit dem Motorrad. FOTO: Rainer Könen
Hoyerswerda. Er ist ein ungewöhnlicher Pfarrer: Gemeindemitglieder besucht der Hoyerswerdaer Peter Paul Gregor oft mit dem Motorrad. Und er ist Polizeipfarrer. Von Rainer Könen

Im Februar habe es ihn, wie so oft in dieser Jahreszeit, wieder in den Fingern gekribbelt. Er habe sich darauf gefreut, dass sie bald  losgeht, die Saison. Den Fahrtwind zu spüren. Also holte er seine Maschine aus der Garage geholt und drehte im Pfarrgarten einige Runden.
Wenn der katholische Pfarrer der Hoyerswerdaer Pfarrgemeinde „Zur heiligen Familie“ seine Schäfchen besucht, nimmt er häufig nicht den Wagen, sondern steigt auf sein Motorrad, eine Suzuki 250.  „Aus rein pragmatischen Gründen“, wie der 63-jährige Seelsorger betont. Als er vor 13 Jahren nach Hoyerswerda kam, hatte er schnell den Eindruck, dass er bei seinen seelsorgerischen Besuchen „mit dem Auto nicht schnell vorankommt“. Anders ausgedrückt: Wenn er Kranke im Seenland-Klinikum aufsuchte, habe der Verkehr auf der Straße, die lästige Parkplatzsuche jedes Mal eine Menge Zeit gekostet. Also hatte sich der Geistliche an seinen Motorradführerschein erinnert.

„Die Prüfung habe ich 1973 gemacht, hat mich seinerzeit 230 Ostmark gekostet“, weiß er noch. Er kaufte sich 2006 ein kleines Motorrad, fortan sahen die Gemeindemitglieder ihren Pfarrer in den Sommermonaten häufiger in Bikerkluft. Was für manchen ein gewöhnungsbedürftiger Anblick gewesen sei, so Gregor. Er ist im Bistum Görlitz der einzige Geistliche, der mit dem Bike in dienstlicher Mission unterwegs ist.

Als er 2007 zum Polizeipfarrer ernannt wurde, wurden ihm die Vorteile, die so ein Motorrad hat, wieder einmal deutlich vor Augen gehalten. „Ich konnte Orte erreichen, zu denen man mit dem Auto schwer gekommen wäre.“

So richtig bekannt wurde der motorradfahrende Pfarrer der Öffentlichkeit vor vier Jahren. Da hatte das Bistum Görlitz zum Deutschen Katholikentag eine Landkarte zum Thema „Menschen und Orte voller Energie“ herausgegeben. Da war auf der Umschlagseite auch Pfarrer Gregor mit seiner Maschine abgelichtet.

Das Motorradfahren, darauf weist er jedes Mal hin, sei für ihn kein Hobby. Genusstouren, wie sie von Bikern gerne durchgeführt werden, kommen für ihn nicht infrage. Sein Zweirad ist für ihn bloß Mittel zum Zweck.  

Seine Motorradsaison beginnt am 1. März und endet am 31. Oktober eines jeden Jahres. In dieser Zeit legt Gregor im Schnitt rund 1500 Kilometer zurück. Seine Lederkleidung lässt ihn für sein Umfeld lockerer erscheinen. Was so schlecht nicht ist, wie er findet. Da träten ihm Menschen häufig  ungezwungen gegenüber. Als er einmal mit seinem Bike zu einer Hochzeit kam, fanden die Gäste sein Erscheinen „total cool“.

Knöllchen hat er bisher keines bekommen. Warum auch. „Ich rase ja nicht“, so Gregor. Allerdings sei er froh, dass er ein leistungsstarkes Motorrad habe, mit dem man auf der Landstraße auch flott überholen könne. Um schnell dorthin zu kommen, wo man seinen geistlichen Beistand braucht.