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| 18:38 Uhr

Death Metal
Humorvolle Typen, Horror-Texte

Lohsa. Die Hoyerswerdaer Metal-Band „Seconddeath“ widmet sich tiefen Tönen und unschönen Themen. Tatsächlich sind sie alles andere als „blutrünstig“. Von Anja Hummel

Ein Massengrab wird entdeckt. Irgendwo im Nirgendwo, mitten in den Vereinigten Staaten. Tote Menschen, zu Tausenden. Es ist brutal, es ist unschön, es ist blutrünstig. Und es ist der Songtext von „Bodybuilding“ – so nennt sich eines der Lieblingslieder von Heiko Weber und seinen Bandkollegen. „Seconddeath“ nennen sich die vier Männer, die am liebsten über „das Unschöne auf der Welt“ singen. Sie spielen Death Metal und schon im Namen des Musikgenre steckt der inhaltliche Kern: der Tod. Ihre beiden Alben nennen sich „Autopsy“ und „Massacre of Death“, sie singen auf Deutsch und Englisch. „Aber das ist egal. Man versteht uns eh nicht“, scherzt Heiko Weber, der als Vokalist die brutalen Texte in das Mikrofon spricht. Als Sänger würde er sich selber nicht bezeichnen.

Einmal in der Woche treffen sich die Männer in Koblenz bei Lohsa. Hier wohnt Gitarrist Kai Piehler, der ein Nebengebäude zur Probestätte umgebaut hat. Seit dem Jahr 2000 stehen „Seconddeath“ gemeinsam auf der Bühne. In der Region ist ihnen keine weitere Death-Metal-Band bekannt.

„Es ist wie Heavy Metal, nur noch brutaler und roher“, versucht sich Schlagzeuger Jens Schöne in der Beschreibung der Musik. „Aber das nur rumgegrölt wird, das stimmt schon mal nicht“, wirft Bandkollege Kai Piehler ein. „Und es ist anspruchsvoller als Punk“, tönt es aus dem Mund von Heiko Weber. „Zumindest wenn man es richtig macht“, sagt Gitarrist Kai. „Ja, es gibt viele Tempowechsel“, betont Heiko Weber die „Raffinesse“ der harten Musikrichtung. Der 41-Jährige steht am Mikro, singt über Tod, Mord, Gewalt. „Wir provozieren damit, das ist uns bewusst. Wir wollen nicht nur über das Gute reden. Das Schlechte ist genauso da“, erklärt er. Satanisten seien sie aber nicht, stellt Kai Piehler klar. „Das hat mit Glauben nichts zu tun, wir sind Atheisten.“ Sie gehen Tabuthemen an, wobei es Ausnahmen gibt. „Metal ist nicht politisch. Wir sind neutral“, sagt Heiko Weber. Themen rund um den Holocaust haben in ihren Texten nichts zu suchen.

Vor fast 20 Jahren haben die Männer mit ihrer Musik in der Kulturfabrik in Hoyerswerda angefangen. Die Death-Metal-Szene in der Region? Gibt es nicht wirklich. „Wir spielen öfter in Cottbus und Dresden, in Finsterwalde gibt es auch noch eine Szene“, sagt Heiko Weber, der in Bernsdorf ein Tattoo-Studio leitet. Doch auch in Hoyerswerda stehen sie hin und wieder auf der Bühne – im Jugendklubhaus Ossi zum Beispiel. „Auf das Jahr gerechnet geben wir vielleicht zehn Konzerte“, erzählt Kai, der als Industrie-Instandhalter arbeitet. Für sie ist die Musik ein Hobby, dass sie sich rein privat finanzieren. „Wir sind auch aus dem Alter raus, in dem wir berühmt werden wollen“, scherzt Heiko Weber. Die Männer, die über grausame Szenarien singen, sind locker, entspannt, witzig. Kai Piehler ist Familienvater, Schlagzeuger Jens Schöne tanzt privat gerne mal zu Techno. „Wir sind keine furchtbaren Typen, wir sind unterhaltsam“, wirft Heiko Weber in die Runde. Und trotzdem ist die Musik nicht jedermanns Sache. „Meine Frau sagt, was wir machen, das geht gar nicht“, gibt Kai Piehler zu. Gut also, dass der Proberaum neben dem Familienhaus bestens gedämmt ist.

Und trotzdem könnte es nach Meinung der Jungs noch ein bisschen mehr „wummern“. „Wir suchen nach einem zweiten Gitarristen“, sagt Heiko, der im gleichen Atemzug vor dem „komischen Band-Humor“ warnt. Menschlich muss es einfach passen, da sind sie sich einig. Vielleicht gebe es ja in der Region jemanden, der sich anschließen will. Eine Idee für den nächsten Song hätten sie zumindest schon mal. „Uns fehlt noch ein Lied über Bier“, stellt Gitarrist Kai fest. „Das Bier des Todes“ macht als Titelvorschlag die Runde. „Biene Maja haben wir auch schon mal live auf der Bühne gespielt“, merkt Heiko an. „Nur ein bisschen schneller als das Original“, sagt Schlagzeuger Jens lachend.

Wer neugierig auf die Musik geworden ist, kann sich ein Video aus dem Proberaum von Seconddeath auf www.lr-online.de/videos ansehen. Ihren nächsten Auftritt hat die Band am 1. September im „Heavy Duty“ in Dresden.

Heiko Weber holt auch bei der Probe alles raus: Seine Stimme ist tief, die Texte sind nicht zu verstehen.
Heiko Weber holt auch bei der Probe alles raus: Seine Stimme ist tief, die Texte sind nicht zu verstehen. FOTO: LR / Anja Hummel