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| 16:24 Uhr

Lausitzer Seenland
Seabreeze zurzeit auf dem Trockenen

Die Seabreeze, das letzte erhaltene Tenderschiff der 1945 versenkten Wilhelm Gustloff, liegt 2018 auf dem Trockenen. Der bisherige Liegeplatz im Innenhafen in Geierswalde war bislang nur eine Zwischenlösung.
Die Seabreeze, das letzte erhaltene Tenderschiff der 1945 versenkten Wilhelm Gustloff, liegt 2018 auf dem Trockenen. Der bisherige Liegeplatz im Innenhafen in Geierswalde war bislang nur eine Zwischenlösung. FOTO: LR / Sascha Klein
Geierswalde/Hoyerswerda. Das letzte Beiboot der „Wilhelm Gustloff“ braucht in der Lausitz einen neuen Liegeplatz. Zudem wollen die Betreiber am Geierswalder Strand ein Begegnungszentrum ins Leben rufen. Dafür sammeln sie derzeit über das Internet Geld ein. Von Sascha Klein

Eigentlich sollte die Seabreeze in diesen Wochen über den Geierswalder See schippern und diversen Gruppen einen ganz besonderen Tag in der Lausitz bescheren. Doch stattdessen steht der Zweimaster in einer großen Halle in Hoyerswerda. Die Sondernutzung für den Liegeplatz im Innenhafen des Geierswalder Sees ist ausgelaufen. Dirk Rolka, der Vereinschef des Fördervereins Segelschul- und Traditionsschiff SeaBreeze, ist darüber alles andere als begeistert. „Das Schiff entwickelt sich langsam zu meinem größten Therapieobjekt“, sagt Rolka und lacht. An ihm nagt die Ungeduld. In diesem Jahr wird es nichts mehr mit dem Segeltörn.

Die Seabreeze segelt zurzeit nicht. Ab 2019 soll es einen neuen Liegeplatz am Geierswalder See geben.
Die Seabreeze segelt zurzeit nicht. Ab 2019 soll es einen neuen Liegeplatz am Geierswalder See geben. FOTO: Dirk Rolka

Der Vereinschef hofft auf das nächste Jahr. Zunächst soll es einen neuen und langfristigen Liegeplatz am Geierswalder See geben. Laut Rolka wird die Seabreeze nicht mehr im Hafen beheimatet sein, sondern beim entstehenden Wasserwanderrastplatzes, nahe des neuen Segelzentrums. Das Problem: Die Kosten für den Steg dort sind nach ersten Rechnungen fast doppelt so hoch. Rund 100 000 Euro Kosten für einen Verein mit 17 Personen: „Das ist für uns fast unmöglich.“ Aber Rolka rudert nun nach neuen Möglichkeiten, will ausloten, welche Fördermöglichkeiten es noch gibt. Sein Ziel bleibt: 2019 soll das traditionsreiche Schiff wieder zu Wasser gelassen werden. Es dient als Schul-, aber auch als Eventschiff. Auch für Teambuilding-Veranstaltungen werde es bereits genutzt, sagt Rolka. Denn Segeln funktioniere dort nur gemeinsam.

Neben dem Hafen soll die Seabreeze ab 2019 liegen. Das neue Begegnungszentrum entsteht nahe des künftigen Segelzentrums.
Neben dem Hafen soll die Seabreeze ab 2019 liegen. Das neue Begegnungszentrum entsteht nahe des künftigen Segelzentrums. FOTO: LR / Elisabeth Wrobel

Die Seabreeze hat eine große Geschichte. Sie ist das einzig erhaltene Tenderboot des NS-Kreuzfahrtschiffs „Wilhelm Gustloff“. Die „Gustloff“ war am 30. Januar 1945 mit mehr als 10 000 Menschen an Bord von einem sowjetischen U-Boot nahe der pommerschen Küste torpediert und versenkt worden. Mehr als 9000 Menschen kamen ums Leben. Die heutige Seabreeze war an diesem Tag nicht in der Nähe der Gustloff. Sie legte kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs in Bornholm an. Nach dem Krieg bis in die 80er-Jahre diente das Boot als Fischkutter. 1987 wurde das Schiff zur Privatyacht umgebaut und wechselte dann noch mehrmals den Besitzer. Seit dem Jahr 2012 gehört es dem heutigen Betreiber-Konsortium und ist zwei Jahre lang aufwändig saniert worden.

Nun suchen die Betreiber um Dirk Rolka eine Möglichkeit, die Geschichte des einstigen Versorgungsschiffes, aber auch der „Gustloff“, am Geierswalder See zu erzählen. Dieses Vorhaben soll das Hoyerswerdaer Bahnhofs-Projekt flankieren, das Landtagsmitglied Frank Hirche (CDU) vorantreibt. Dort ersteht eine sachsenweite Bildungs- und Begegnungsstätte zum Thema Flucht und Vertreibung.

„Wir wollen Unterstützer finden, um am Geierswalder See ein Begegnungszentrum aus alten Schiffscontainern zu errichten“, sagt Rolka. Einen Platz dafür gibt es bereits (siehe Grafik). Beginnen will der Verein zunächst mit zwei Container-Einheiten. Bis zu sechs könnten später zum Ensemble gehören. Zielgruppe seien vor allem Schüler, aber auch Menschen, die sich speziell zum Thema Gustloff sowie Flucht und Vertreibung informieren wollen. Dirk Rolka hat in den vergangenen vier Jahren schon einige bewegende Momente auf der Seabreeze erlebt. „Es gab einige Besucher, die nach 1945 endlich mit diesem Thema abschließen konnten“, sagt er. „Sie haben ihren Frieden gemacht.“

Um dieses Begegnungszentrum am Geierswalder See auf den Weg zu bringen, will der Verein bis Ende August 4990 Euro von Interessierten über die Crowdfunding-Plattform „99Funken“ der Sparkasse einsammeln. Ab einer Schwelle von 4200 Euro wird das Geld ausgezahlt. Zurzeit sind jedoch erst 241 Euro (Stand Mittwochnachmittag) eingegangen.