| 02:39 Uhr

Schwerer Job mit leichter Ware

Rygol-Dämmplatten werden in ganz Deutschland eingesetzt. Jüngst hat Ministerpräsident Stanislaw Tillich (l.) das Unternehmen besucht. Betriebsleiter Jürgen Kresse (M.) und Produktionsleiter Harald Pritza haben ihn durch die Produktionshallen geführt.
Rygol-Dämmplatten werden in ganz Deutschland eingesetzt. Jüngst hat Ministerpräsident Stanislaw Tillich (l.) das Unternehmen besucht. Betriebsleiter Jürgen Kresse (M.) und Produktionsleiter Harald Pritza haben ihn durch die Produktionshallen geführt. FOTO: Sascha Klein
Lauta. Wer regelmäßig auf den Autobahnen Richtung Berlin oder Thüringen unterwegs ist, sieht sie mit Sicherheit: die Fahrzeuge der Lautaer Firma Rygol. Der Dämmstoffhersteller beliefert vor allem Ost-, Mittel- und Norddeutschland. Sascha Klein / skl

Hauptabsatzmarkt für das Unternehmen seien Deutschland, Österreich, die Schweiz und Tschechien, sagt Werksleiter Jens Großmann. Das Werk in Lauta existiert seit inzwischen 20 Jahren und gehört laut Firmen-Homepage zu den modernsten in Europa.

Täglich verlassen laut Betriebsleiter Jürgen Kresse 20 bis 30 Fahrzeuge das Lautaer Werk mit Dämmstoffen. Geliefert wird vor allem an Großhändler und Baumärkte, aber auch ganz gezielt an die Industrie. Rygol ist beim Thema Dämmen nahezu überall an einem Gebäude zu finden: Dach, Wand, Boden, Keller und spezielle Formteile - im Lautaer Werk kann die komplette Produktpalette hergestellt werden. Die Fassadendämmung nimmt Werksleiter Großmann zufolge derzeit den größten Absatzanteil im Produktportfolio ein. Das Familienunternehmen mit Stammsitz im bayrischen Painten nahe Regensburg beschäftigt derzeit rund 200 Mitarbeiter, etwa 100 davon in Lauta.

Grundmaterial für die Produktion ist Styropor: Rygol kauft das Granulat dafür ein und verarbeitet dies zu speziellen Styropor-Dämmsystemen. Dabei sind 98 Prozent Bestandteil von Styropor Luft, nur zwei Prozent Erdöl-Bestandteile.

Das Unternehmen achtet nach eigenen Angaben darauf, nicht nur mithilfe seiner Produkte Energie zu sparen - Rygol selbst verfolgt bei der Produktion eine Energiespar-Vision. Das Unternehmen stellt die Energie für die Produktion selbst her - durch die Kraft der Sonne. In Lauta wie in Painten gibt es auf dem Firmengelände große Solarfelder. Zudem nutzt das Unternehmen Dampf aus der benachbarten Müllverbrennungsanlage.

Rygol, das seit Juli 1998 auch am Standort Lauta produziert, hat nach eigenen Angaben im sächsischen Werk einen Umsatz von 25,6 Millionen Euro im Jahr 2016 gemacht und hatte im vergangenen Jahr ein Absatzvolumen von 396 000 Kubikmetern. Betriebsleiter Jürgen Kresse bezeichnet die Erweiterung des Lautaer Werkes im Jahr 2012 als "entscheidenden Schritt, um auf dem Markt zu bestehen". Damals sind Kresse zufolge rund 10,56 Millionen Euro investiert worden. Davon stammen etwa 2,425 Millionen Euro aus Projektförderungen.

Im Moment haben alle Dämmstoffhersteller - damit auch Rygol - mit den Folgen einer weltweit beachteten Katastrophe zu tun: dem Brand des Grenfell Tower in London. Seitdem dort die Fassade lichterloh brannte, ist eine komplette Branche in Erklärungsnot geraten. Für Werksleiter Jens Großmann zu Unrecht: Obwohl im Brandhaus kein expandierbares Polystyrol (EPS) im Einsatz gewesen sei, werde es mit dem Brandverlauf in Verbindung gebracht. "Ein über Jahrzehnte bewährter Volks-Dämmstoff wird so verunglimpft und unverschuldet in Misskredit gebracht", sagt Großmann. Die Ohnmacht gegenüber dem "kampagnenartigen Platzieren von Falschmeldungen" treffe den gesamten EPS-Markt und damit auch das Haus Rygol-Dämmstoffe, so der Werksleiter weiter.

Zum Thema:
1892: Beginn der Rygol-Familientradition: Johann Rygol pachtet im oberschlesischen Kattowitz seine erste Ziegelei. Im Jahr 1920 gehören dem Unternehmen drei Ziegeleien, mehrere Bauunternehmen, ein Sägewerk und eine Tischlerei.1945: Enteignung: Die Familie muss im bayerischen Painten völlig neu beginnen.1946 pachten Karl und Hilde Rygol zwei Steinwerke, 1947 steigen die Söhne Klaus und Werner mit ins Familienunternehmen ein.1957 gründet Werner Rygol ein erstes Leichtplattenwerk - der Start für die Dämmstoffproduktion. Ab 1969 kommt der Werkstoff Styropor dazu.1990 Bau einer Styropor-Recyclinganlage in Bayern.1997 Bau des Dämmstoffwerkes in Lauta - Produktionsstart: Juli 1998.2012: Erweiterung des Werkes Lauta mit Produktions- und Lagerhallen auf einer Fläche von mehr als 31 300 Quadratmetern. (skl)