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| 12:57 Uhr

Jagdsaison bei Hoyerswerda
Schwere Jagd auf Riesen-Rotten

Die Jagd auf Wildschweine wird für Jäger in der Hoyerswerdaer Region problematischer. Denn die Tiere bilden immer größere Rotten als Schutz vor Wölfen. Während die Population der Wildschweine wächst, bekommen die Jäger Rot- und Rehwild immer weniger zu sehen.
Die Jagd auf Wildschweine wird für Jäger in der Hoyerswerdaer Region problematischer. Denn die Tiere bilden immer größere Rotten als Schutz vor Wölfen. Während die Population der Wildschweine wächst, bekommen die Jäger Rot- und Rehwild immer weniger zu sehen. FOTO: fotolia / Kaspars Grinvalds/Fotolia
Hoyerswerda. In Sachsen werden immer mehr Wildschweine und Waschbären erlegt. Der gleiche Trend spiegelt sich auch in den Hoyerswerdaer Wäldern wider. Von Anja Hummel

Wolfgang Reichert ist fast jeden Tag draußen. Der Jäger aus Hoyerswerda streift durch ein 600 Hektar großes Waldgebiet rund um den Hoyerswerdaer Ortsteil Zeißig. Seine Aufgabe: den Bestand der Wildtiere zu reduzieren. „Wir haben besonders große Probleme mit den Wildschweinen. Die Zahl hat sich deutlich erhöht“, sagt der Hauptvorsitzende des Hoyerswerdaer Jadgverbandes. Die Zahlen des Bautzener Landkreises geben ihm recht: Während in der Saison 2016/17 noch  3890 Wildschweine geschossen wurden, waren es in der aktuellen Saison fast 1000 mehr.

Nicht nur der Bestand insgesamt habe sich stark verändert. „Die Bejagung wird immer problematischer. Wildschweinrotten von bis zu 50 Stück sind keine Seltenheit“, erzählt Wolfgang Reichert, der bis zu dreimal pro Woche auf Jagd geht. Früher, erinnert er sich, waren die Rotten höchstens bis zu neun Wildschweine groß. Die Ursache dafür: „Wir sind in einem Wolfsgebiet. Die Wildschweine verteidigen sich auf diese Art“, so die Einschätzung vom Jagdverbandsvorsitzenden. Je größer die Rotte, desto weniger Gefahr für das Schwarzwild. „Da gehen die Wölfe nicht ran“, sagt Reichert. Als Mitglied der „Arbeitsgruppe Wolf“, einem beratenden Gremium für den Landesjagdverband Dresden, schätzt er die Anzahl der Wölfe in ganz Deutschland auf etwa 1000 Tiere. Auch im Zeißiger Waldgebiet streift der Wolf umher. „Rehwild bekommt man dadurch hier fast gar nicht mehr zu sehen.“ Rotwild sei ebenfalls kaum noch vorhanden. Die Zahl der Wildschweine hingegen wächst jährlich um etwa 30 Prozent. „Die Population muss immer wieder reduziert werden“, so Reichert. Er selber hat in der vergangenen Saison auf dem 600 Hektar großen Zeißiger Gebiet zehn Tiere erlegt. In größeren Wäldern rund um Hoyerswerda liegen die Zahlen höher. „Einerseits werden durch die Minimierung die landwirtschaftlichen Schäden durch die Tiere gering gehalten. Anderseits wirkt man damit der drohenden Afrikanischen Schweinepest entgegen“, erklärt der 62-Jährige. Fälle davon gab es schon in den Nachbarländern Tschechien und Polen. Die Pest sei zwar für Menschen ungefährlich, für Haus- und Wildschweine hingegen tödlich.

Das Jagdergebnis von Wild im gesamten Freistaat: auf Rekordniveau. Laut Umweltministerium wurden in der Saison 2017/18 insgesamt 130 000 Wildtiere erlegt. Neben Wildschweinen sind vor allem Waschbären in den Fokus der Jäger geraten. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Jagdzahl dieser Tiere laut Umweltministerium um das Zwanzigfache erhöht.

Auch im Raum Hoyerswerda hat die Population der Waschbären deutlich zugenommen, wie Wolfgang Reichert bestätigt. „Die Tiere dringen in Ortschaften ein und machen Schäden. Sie fressen alles, was sie finden.“ Im Hoyerswerdaer Randgebiet seien bereits welche gesichtet worden, in den umliegenden Dörfern sowieso. Marderhunde hingegen seien weniger geworden und die Fuchspopulation ist annähernd gleichbleibend.

Die jetzt schon riesigen Wildschweinrotten werden sich künftig aber wohl nicht wieder verkleinern. „Der Zuwachs der Wölfe liegt jährlich bei 40 Prozent“, so Reichert. Das spricht eher für noch größere „Verteidigungsrotten“ – und weitere erhebliche Veränderungen im Verhalten der Wildtiere in den Wäldern.