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| 17:32 Uhr

Hoyerswerda
Schwere Entscheidung um Kita-Zukunft

Hoyerswerdas Bürgermeister Thomas Delling (SPD) hofft, eine Kita-Schließung in der Stadt vermeiden zu können.
Hoyerswerdas Bürgermeister Thomas Delling (SPD) hofft, eine Kita-Schließung in der Stadt vermeiden zu können. FOTO: LR / Sascha Klein
Hoyerswerda. Hoyerswerdas Bürgermeister Thomas Delling hofft auf ein Votum des Stadtrats bis zum Jahresende. Von Sascha Klein

Seit Mitte Januar liegt die Kita- und Hort-Analyse für Hoyerswerda öffentlich vor. Sie sagt: Die Stadt verfügt über knapp 240 Krippen-, Kita- und Hortplätze zu viel. Insgesamt gibt es rund 2250. Der Vorschlag: Mindestens eine Einrichtung könnte geschlossen werden. Seitdem wird hinter geschlossen Türen mit Stadtverwaltung, Stadträten und den Kita-Trägern beraten, wie es weitergehen kann. Bürgermeister Thomas Delling (SPD) sagt jetzt: „Möglichst noch in diesem Jahr sollte eine Entscheidung fallen.“

Die Finanzierung: „In der Kämmerei wird noch gerechnet“, sagt Thomas Delling. Wie viel Kosten die 21 Kitas und Horte im Jahr 2018 verursachen, sei noch nicht ganz klar. Nur soviel: „Die Kosten bereiten uns genauso viel Sorgen wie 2017.“ Hoyerswerda könne Mehrausgaben bei den Kitas nicht – wie andere Kommunen – über Gewerbeeinnahmen abfedern, so Delling. 2017 habe es die Stadt doppelt hart getroffen – durch Tariferhöhungen und die Anpassung des Betreuungsschlüssels. Um mehr Einnahmen zu bekommen, müsse die Stadtverwaltung alle Möglichkeiten in Betracht ziehen. Eine heißt: Elternbeiträge auf das maximal Mögliche erhöhen. Das könnte pro Jahr 250 000 Euro in die Stadtkasse spülen. „Wir sind von dieser Idee selbst nicht begeistert“, betont Delling. „Ich weiß auch nicht, ob es im Stadtrat dafür eine Mehrheit gäbe.“

Das Kita-Konzept: „Die konkrete Diskussion läuft dazu nach wie vor in den Gremien“, sagt Delling. Unter anderem sei das der Schul-, Kultur- und Sozialausschuss des Stadtrats. Die Verantwortlichen hätten sich gemeinsam mehrere Standorte angesehen, unter anderem diese, in denen saniert werden müsste oder diejenigen, die außerhalb des Stadtumbaugebiets liegen. Was die Verwaltung dabei festgestellt hat: „Alle Träger sind von ihrer Einrichtung überzeugt“, sagt der Bürgermeister. Keiner wolle freiwillig eine Kita oder einen Hort abgeben. Auch von der Verringerung der Anzahl der Kita-Träger, wie in der Kita-Analyse beschrieben und als Variante quasi empfohlen, rückt die Stadtverwaltung ab. „Die Trägervielfalt ist ein Gewinn für uns“, schätzt Thomas Delling ein. Auch der Wechsel einzelner Kitas in andere Trägerschaft sei zurzeit kein Thema.

Trotzdem drängt die Zeit. „Wir brauchen zum Kita-Konzept eine politische Entscheidung“, sagt Hoyerswerdas Bürgermeister. „Der Stadtrat muss sich zu einer Grundsatzentscheidung durchringen.“ Ziel sei, dies bis Ende des laufenden Jahres zu schaffen.

Die Aussichten: Bisher geht das Kita-Konzept davon aus, dass es keinen größeren Zuzug in Hoyerswerda geben wird und Plätze definitiv unbesetzt bleiben. Die Schließung mindestens einer Einrichtung, wahrscheinlich in der Neustadt, wäre die Folge, die das vorliegende Konzept vorsieht. Doch zu schnell möchten sich die Hoyerswerdaer Verantwortlichen nicht festlegen, denn: In rund 25 Kilometern Entfernung, in Kamenz, entsteht gerade das neue Batteriewerk. 1000 neue Arbeitsplätze sind für die Region avisiert. Hoyerswerda ändert deshalb seine jahrelange Strategie und will versuchen, zum ersten Mal auch Arbeitnehmern aus der näheren Umgebung den Wohnort Hoyerswerda schmackhaft zu machen. „Wir haben die Wohnungen und wir haben die Infrastruktur dafür“, sagt Delling. Die Herausforderung wäre, denjenigen eine schnelle ÖPNV-Verbindung nach Kamenz bereitzustellen. Wie realistisch diese Idee ist, kann jedoch auch Thomas Delling noch nicht einschätzen. „Aber wenn wir vorschnell eine Kita schließen, schießen wir uns womöglich selbst ins Bein“, betont er. Das bedeutet: Womöglich warten Verwaltung und Stadtrat noch ab. Denn Delling sagt: „Die Kinderbetreuung in Hoyerswerda hat einen sehr guten Stand.“

Die Ortsteile: „Meine persönliche Meinung ist“, sagt Thomas Delling: „Eigentlich gehört in jeden Ortsteil eine Kita.“ Aber in seiner Funktion als Bürgermeister sagt er: „Wir dürfen keinen Freibrief an die Ortsteile verteilen, sondern müssen alle 21 Einrichtungen im Stadtgebiet objektiv betrachten.“ Keine Variante dürfe ausgeschlossen werden. Schwierig sei die Ausgangslage in Schwarzkollm: „Am jetzigen Standort gibt es keine zukunftsfähige Lösung“, so Delling. Die Frage stehe: Neubau oder Umzug in ein anderes Gebäude. Nach dem Auszug des Schullandheims in Waldesruh rückt dieses Objekt nun in den Fokus. Ob es für eine Kita geeignet ist, sei jedoch noch völlig unklar, sagt Delling.