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| 19:13 Uhr

Schweinemast
Schweinetypischer Geruch soll eingedämmt werden

Mitten im Wald und nach Ansicht mancher Bewohner der umliegenden Dörfer doch zu nah liegt die Schweinemastanlage Ralbitz, die jetzt modernisiert und erweitert werden soll.
Mitten im Wald und nach Ansicht mancher Bewohner der umliegenden Dörfer doch zu nah liegt die Schweinemastanlage Ralbitz, die jetzt modernisiert und erweitert werden soll. FOTO: Uwe Menschner
Ralbitz. Der Betreiber gestaltet die gesamte Anlage in Ralbitz komplett um. Die Bedingungen für Mensch und Tier sollen sich dadurch verbessern. Baubeginn ist in diesem Jahr. Von Uwe Menschner

Die Landwirtschaftsbetriebe Gröbner wollen Ende dieses Jahres mit den geplanten Bauarbeiten auf dem Gelände der von ihnen betriebenen Schweinemastanlage Ralbitz beginnen. Diese sollen bis Ende 2019 fertiggestellt sein. Das erklärt Rico Krause, Prokurist und kaufmännischer Leiter. Das Vorhaben ist umstritten, da Bewohner der umliegenden Orte, besonders von Ralbitz, erhöhte Geruchs- und Verkehrsbelastungen fürchten. Die RUNDSCHAU fasst die wichtigsten Fakten zusammen.


Was genau soll in der Anlage geschehen?

Kern des Vorhabens sind der Abriss von drei Mastställen, die durch zwei Neubauten ersetzt werden sollen, sowie der Umbau von vier Mastställen. Anstelle der bisher sieben gibt es also nach dem Umbau noch sechs Ställe, die aber eine wesentlich größere Kapazität – 11 392 Tiere statt zuvor 6840 – bieten. Weiterhin will die Firma Gröbner die beiden offenen Güllebecken durch zwei luftdicht abgeschlossene Güllerundbehälter sowie ein Brauch- und Löschwasserreservoir ersetzen. Im Norden der Anlage sollen zwei Hochsilos für Getreidefutter entstehen. Das Futterhaus erhält neue Technik. Hinzu kommen der Abbruch verschiedener befestigter Flächen. Bäume und Hecken sollen gepflanzt werden.


Was erhofft sich der Betreiber von dem Umbau?

Natürlich eine höhere Produktion, da sich ja die Platzkapazität um fast zwei Drittel vergrößert. Es sollen aber auch die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt reduziert sowie die Bedingungen für die Tiere verbessert werden. Erstere sollen davon profitieren, dass der Einbau von Luftwäscheanlagen im Neubau die Geruchsimmission gegenüber jetzt verbessert, wie Rico Krause versichert. Die Abluft wird in größerer Höhe ausgestoßen, damit sich der „schweinetypische“ Geruch besser verflüchtigen kann. Durch die Außerbetriebnahme der offenen Güllebecken verschwindet laut Prokurist auch „eine gigantische Verdunstungsfläche für Güllegeruch“.

 
Was verbessert sich für die Tiere?

Die Schweine profitieren von einem größeren Platzangebot – so viel Platz, dass „die Tiere selbst eine natürliche Strukturierung ihrer Stallbuchten vornehmen können“, so Rico Krause. Komplett erneuerte Spaltenböden sorgen demnach für einen sicheren Stand. Die Futter- und Wasserverfügbarkeit werde durch EDV-Steuerung optimiert, ebenso Frischluftzufuhr und Klimatisierung. Zu Letzterem trägt auch eine Wasservernebelungsanlage bei, die besonders im Sommer zum Einsatz kommt. Das Lichtmanagement werde durch große Fensterflächen verbessert. Bislang gelange gar kein Tageslicht in die Ställe.


Warum ist das Vorhaben umstritten, und wie äußert sich das?

Bereits im April 2014 hatte der Gemeinderat von Ralbitz-Rosenthal es abgelehnt, einen Vorhaben bezogenen Bebauungsplans für die Maßnahme aufzustellen. Bürgermeister Hubertus Rietscher begründete dies „mit Bedenken über zusätzliche Belastungen, die durch eine Erweiterung der Anlage entstehen könnten“. Dies zum einen hinsichtlich der Geruchsemissionen, zum anderen mit Blick auf das Verkehrsaufkommen auf der Eutricher Straße, die nicht für dauerhaften Lkw-Verkehr ausgelegt sei. Der Tenor lautete: Modernisierung der Anlage ja, Erweiterung nein.


Wie hat das Unternehmen darauf reagiert?

Mehrfach standen die Landwirtschaftsbetriebe Gröbner auf Einwohnerversammlungen Rede und Antwort, zuletzt am 14. Dezember 2017 auf Einladung der CDU-Gemeinderatsfraktion. „Leider mussten wir feststellen, dass die Veranstaltung trotz medialer Einladung nicht merklich angenommen wurde und die Resonanz sehr gering gewesen ist“, so Prokurist Rico Krause – anders als noch im Februar, als der Saal „brechend voll war“: Er persönlich nehme die Sorgen der Anwohner sehr ernst, müsse aber auch darauf hinweisen, „dass die Anlage in Ralbitz eine optimale Lage aufweist“: Die Wohnbebauung in Ralbitz sei mindestens 670 Meter weit entfernt, Naußlitz sogar 1270 Meter. Zum Vergleich: Sein Elternhaus in Oberranschütz (bei Döbeln) liege nur 70 Meter von einem Stall entfernt, ein weiteres Wohnhaus gar nur 30 Meter. Und Ralbitz liege zudem entgegengesetzt zur Hauptwindrichtung, die von West nach Ost verlaufe. Auf die Ablehnung der Plan-Aufstellung reagierte das Unternehmen, indem es einen Antrag nach Bundesimmissionsschutzgesetz beim Landkreis Bautzen einreichte: „Dieser Antrag wurde dann ohne Gemeindeberücksichtigung auf Basis vorliegender sachlicher Fakten positiv entschieden.“


Und wie sieht es mit dem Verkehr aus?

In einem Verkehrsgutachten wurde festgestellt, dass „die Befahrung über die Ortslage Ralbitz möglich und machbar ist.“ Dazu Rico Krause: „Natürlich befriedigt uns die Situation nicht, dass wir mit den entsprechenden Transportfahrzeugen durch die Ortslage Ralbitz fahren müssen und dabei den Kindergarten- und Schulweg vieler Kinder kreuzen.“ Man habe entlang der Waldstraße, welche die Eutricher Straße mit der Kamenzer Straße verbindet, alle Eigentümer angesprochen und versucht, entsprechende kleine Teilstücke entlang des Weges grundbuchlich so zu sichern, dass diese einen Ausbau der Straße ermöglichen. Vier Eigentümer aus Ralbitz hätten nicht zugestimmt, aus Naußlitz hingegen alle: „Ich will damit sagen, dass die Ralbitzer zwar sehr laut sind und eben eine Straße fordern, jedoch nicht mal geschlossen bereit sind, diese wenigen Quadratmeter gegen eine angemessene Entschädigung zur Verfügung zu stellen“, so der Prokurist. Wie es funktionieren könne, zeige wiederum das Beispiel Oberranschütz, „wo wir es gemeinsam mit der Stadt Döbeln und dem Landkreis Mittelsachsen geschafft haben, eine sinnvolle Ortsumgehung zu errichten, sodass kein Anwohner mehr direkt von den Transporten berührt wird“. Zehn Prozent der Kosten habe das Unternehmen selbst getragen. „Wir haben zugesagt, die erworbenen Grundstücke zur Verfügung zu stellen. Die Initiative muss aber nun von der Kommune kommen“, betont Rico Krause.