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Vormarsch der Krankheit über Tschechien
Schweinepest-Alarm in Sachsen

Der Jagddruck auf das Schwarzwild muss auch um Hoyerswerda erhöht werden.
Der Jagddruck auf das Schwarzwild muss auch um Hoyerswerda erhöht werden. FOTO: dpa/Hirschberger
Hoyerswerda/Bautzen. Wildschweine aufs Korn zu nehmen, ist das Gebot der Stunde. Auch im Landkreis Bautzen. Kathleen Weser

Denn die Afrikanische Schweinepest steht schon fast vor der Tür. Der deutlich schnellere als berechnete Vormarsch der Krankheit über Tschechien erzeugt besorgte Gesichter. Das Virus ist bereits in die Region Zlin und damit bis auf 300 Kilometer an die deutsche Grenze herangerückt. Die Infektion verursacht sowohl bei Wild- als auch bei Hausschweinen schwere Erkrankungen und ist fast immer tödlich. Menschen können sich nicht anstecken. Die große Furcht ist die vor enormen materiellen Schäden in der Landwirtschaft. "Wir müssen es schaffen, das Schwarzwild deutlich zu reduzieren", erklärt Prof. Wolfgang Reichert, der Vorsitzende des Jagdverbandes Hoyerswerda. Die meisten Treffer werden im vierten Jahresquartal gemacht. Die Strecke ist im vergangenen Jahr aber rückläufig gewesen (siehe Info-Kasten). Am Einsatz der Jäger mangelt es nicht, versichert Reichert. In der Wolfsregion werde das Strecken von Wildschweinen immer schwerer. Denn die nachtaktiven Tiere bilden stetig größere Rotten. Das ist ein Schutzinstinkt. "30 bis 40 Stück Schwarzwild sind inzwischen alles andere als selten", sagt er. "Bei schwierigen Lichtverhältnissen ist das ein großes Problem. Denn der Jäger kann nicht einfach in den dunklen Haufen reinballern", klärt er auf. Der Schuss muss sicher abgegeben werden und das Tier weidgerecht töten.

"Die Seuchengefahr ist für uns sehr real geworden", bestätigt Kreis-Sprecher Gernot Schweitzer. Das Schwarzwild noch stärker zu reduzieren, sei dringend notwendig. Darüber sind sich die drei Kreisjagdverbände mit den Amtsveterinären und der Kreis-Jagdbehörde einig. "Die Jägerschaft wird regional und natürlich auch überregional dazu aufgerufen", sagt Schweitzer. Aber eine Abschussprämie, die die Weidmänner zusätzlich motiviert und von Kosten entlastet, wird im Landkreis Bautzen nicht gezahlt. Die Nachbarn Spree-Neiße und Görlitz greifen dafür in die Kreiskassen.

Die Jagd ist ein teures Hobby. Aber reich wird vom erlegten Wild niemand. Mit dieser falschen Vorstellung der Leute aufzuräumen, haben die Weidmänner um Hoyerswerda längst aufgegeben. Der Hilfeschrei nach dem Jäger ist oft ebenso laut wie Anfeindungen, die regelmäßig zu ertragen sind. "Die Menschen lernen und verstehen nicht mehr, wie unsere Natur funktioniert", stellt Wolfgang Reichert fest. Fakt sei: Der hohe Wildschweinbestand erfordere vor allem, Frischlinge zu schießen.

In Sachsen ist die Jagd auf die Schwarzkittel ganzjährig erlaubt. Zu schonen sind nur führende Bachen. Das Anlegen auf den Schweine-Nachwuchs, der sich erst drei bis fünf Kilogramm angefressen hat, aber ist auch unwirtschaftlich. Die Kosten, die der Jäger pflichtgemäß allein für die Untersuchung von erlegten Wildschweinen auf gesundheitsgefährdende parasitäre Fadenwürmer (Trichinen) aufwenden muss, übersteigen in der Gewichtsklasse schon den Wert des gewonnenen Fleisches. Deshalb legen einige Weidmänner auch erst auf Tiere mit mindestens 13 bis 15 Kilogramm auf den Schweinerippen an.

Deshalb haben die ersten Landkreise nun auch Frischlingsprämien aufgelegt, um die Strecke zu erhöhen. Denn damit müssen die Jäger nicht noch draufzahlen.

Die wirtschaftlichen Schäden in der Landwirtschaft sind hoch. Das zeigt auch die Ernte auf den Maisschlägen. Zudem drängen die Tiere wegen bester Fütterung durch den Menschen in die Ortslagen. Dieses Problem wird verstärkt durch die Sanierung in der Bergbaufolgelandschaft, die Wild vergrämt.

Zum Thema:
Die Jagdstrecke beim Schwarzwild ist im vergangenen Jagdjahr, das jeweils im April beginnt und Ende März endet, im Kreis Bautzen stark gesunken. Mit 2563 Tieren sind 500 weniger als im Jahr 2015 (3065) erlegt worden. In den fünf Jahren zuvor war die Strecke nach oben geklettert (2012: 2542 Wildschweine, 2013: 2992, 2014: 2715). Die Population der Schwarzkittel nimmt in der Lausitz weiter zu. Ursachen sind der über Monate gut gedeckte Tisch in den Raps- und Maisfeldern, der biogene Zivilisationsmüll von Bürgern und der Schutzinstinkt vor dem Wolf.