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| 17:15 Uhr

Striezelmarkt
Schwarzkollmer „striezeln“ mit Erfolg

Vom früheren Lausitzer Schwemmeldekore zur frischen Sommerwiesen-Optik: Andreas Hegewald präsentiert stolz die Töpferkunst von ihm und seiner Frau. Abwechselnd stehen die beiden Handwerker in ihrer Vier-Meter-Bude nahe der großen Bühne, um ihre Unikate an Mann und Frau zu bringen.
Vom früheren Lausitzer Schwemmeldekore zur frischen Sommerwiesen-Optik: Andreas Hegewald präsentiert stolz die Töpferkunst von ihm und seiner Frau. Abwechselnd stehen die beiden Handwerker in ihrer Vier-Meter-Bude nahe der großen Bühne, um ihre Unikate an Mann und Frau zu bringen. FOTO: Anja Hummel / LR
Schwarzkollm/Dresden. Seit 24 Jahren verkauft die Töpferei Hegewald ihre moderne Keramikkunst auf dem Dresdener Striezelmarkt. Ihre Krabat-Raben sind der Kracher. Von Anja Hummel

Die Schwarzkollmer sind schon so etwas wie kleine Stars inmitten der zahlreichen leuchtenden Holzbuden: Zwei „Pflaumentoffel-Trophäen“, so etwas wie die Oscars unter den Markthändlern, haben die Hegewalds mit der Präsentation ihrer Töpferkunst schon abgesahnt – und zwar auf keinem geringeren als einem der ältesten Weihnachtsmärkte der Welt. Zwar sind die Preise für die „schönste Bude“ auf dem Striezelmarkt schon einige Jahre alt, die Erinnerungen daran aber lange nicht verblasst. „Das war 1993, als wir zum allerersten Mal auf dem Striezelmarkt dabei waren“, ist Andreas Hegewald noch heute von der Prämierung verblüfft. „Wir hatten die kleinste Hütte, die man überhaupt haben konnte. Plötzlich stand der Chef vom Markt vor uns und es gab ein Blitzlichtgewitter“, erinnert sich der Vater von vier Kindern.

Die Deko der Weihnachtshütte war dem Töpferehepaar schon immer wichtig. Während alles mit Schlitten auf dem Dach einer 2,50 Meter langen Bude begann, funkelt das heutige Vier-Meter-Häuschen in Goldtönen mit Raben obenauf. Die originellen Keramikkreaturen sind es wohl auch, die den Hegewalds die meisten neugierigen Blicke bescheren. „Wir haben uns damals überlegt, wie wir als Handwerker aus Schwarzkollm von der Krabat-Sage partizipieren können“, erzählt der offenherzige Mann.

Und so waren die Keramikraben geboren. Nun gibt es sie als Schreiberling, Metzger, Polizist oder Dachrinnenhüter. „Verkaufsschlager auf dem Weihnachtsmarkt sind die Gewürzstreuer“, so Hegewald. Er zeigt auf kleine bunte Raben mit winzigen Löchern im Rücken. „Die zaubern der Kundschaft immer ein Lächeln ins Gesicht.“

Auf dem Dach versammeln sich die Raben – aus Keramik. Angelehnt an die Krabat-Sage haben die Hegewalds den Vogel in diversen Ausführungen kreiert.
Auf dem Dach versammeln sich die Raben – aus Keramik. Angelehnt an die Krabat-Sage haben die Hegewalds den Vogel in diversen Ausführungen kreiert. FOTO: Anja Hummel / LR

Erst vor vier Jahren hat sich das Töpfer-Ehepaar für eine „Komplettsanierung“ seiner Kunst entschieden. „Damals hatten wir noch traditionelle Keramik mit Lausitzer Schwemmeldekore“, sagt Andreas Hegewald, der die doch recht schwierige Entscheidung bis heute nicht bereut. Nun strahlen bunte moderne Blumenwiesen von Keksdosen, Tellern und Schalen. „Damit ziehen wir ein ganz anderes Publikum an“, ist Hegewald stolz auf die neue Produktion. Nur so konnten sie aus einer Tradition ein Original machen, sagt der 50-Jährige. Die Keramikraben beispielsweise gebe es in dieser Art kein zweites Mal.

Einmalig ist für ihn auch die Atmosphäre auf dem Striezelmarkt. „Es macht viel Spaß, in Sachsen zu verkaufen“, sagt er beherzt. Das Dresdener Weihnachtsgeschäft bringt dem Unternehmer neben der puren Freude auch gute Umsätze. „Hier werden immer mehr potenzielle, auch internationale Kunden auf uns aufmerksam“, so Hegewald, der in seiner Bude einen kleinen Wärmestrahler platziert hat. Von morgens um 10 Uhr bis abends um 21 Uhr stehen entweder er oder seine Frau Ulrike in der kleinen Holzhütte. Die Wochen vor dem Heiligen Abend bedeuten doppelte Arbeit für das Ehepaar, gleichzeitig ist es auch die Hochzeit ihrer Einnahmen.

Vor allem aus Tschechien sei die Nachfrage auf dem Striezelmarkt überraschend groß. Deshalb auch das neueste Vorhaben des Schwarzkollmers:„Ich werde demnächst auf jeden Fall ein paar Worte Tschechisch lernen.“ Seit 1987 hat das Ehepaar seine Töpferei in Schwarzkollm. „Richtig glücklich“ mache sie das, sagt Andreas Hegewald. „Für uns hat Schwarzkollm dank Krabat und Seenland eine super Lage für Kundschaft.“

Während er in der Heimat sein eigener Chef ist, muss er sich in der Landeshauptstadt an vielerlei Regeln halten. „Es gibt ein strenges Reglement auf dem Markt“, verrät Hegewald. Nur echtes Grün, keine Blinklichter – wer sich nicht daran hält, ist schnell vom Platz. Und wer einmal raus ist, bleibt auch draußen. Die Händler-Warteliste ist lang. Umso mehr freut sich Hegewald über seine „privilegierte Lage“ fast direkt neben der großen Marktbühne.

Noch bis zum 24. Dezember stehen die Hegewalds auf dem berühmten Dresdener Altmarkt. Die „Oscars“ für die schönste Bude werden hier zwar schon lange nicht mehr verliehen. Doch dafür sind es heute umso mehr Menschen, die  sie mit ihrer Schwarzkollmer Handarbeit zum Lächeln bringen.