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Schulze findet Glück im Osten

Hartmut Schulze mit seiner Katja und Fabian.
Hartmut Schulze mit seiner Katja und Fabian. FOTO: Jens Dettlaff
Hoyerswerda. Hartmut Schulze hatte in Niedersachsen eine Familie, einen sicheren Job und als Abteilungsleiter ein gutes Einkommen. Vor drei Jahren hat er all das aufgegeben und wagte einen Neuanfang in Hoyerswerda. Der Liebe wegen. Jens Dettlaff /

Insgesamt 23 Jahre war der Niedersachse Hartmut Schulze verheiratet, als seine Ehe letztlich scheiterte. In Ritterhude, einem Ort 20 Kilometer entfernt von Bremen, lebte und arbeitete der heute 53-Jährige bis vor drei Jahren. Er arbeitete als Abteilungsleiter in einer ortsansässigen Chemiefirma. "Doch was bringt ein gutes Einkommen, wenn die eigene Familie zerbricht?", gibt Hartmut Schulze zu bedenken.

Über die eigene Unzufriedenheit der familiären Situation habe ihn in den letzten Jahren seiner Ehe vor allem Katja aus Hoyerswerda hinweggetröstet. Sie lernen sich 2008 im Internet kennen, schreiben zunächst auf rein freundschaftlicher Basis miteinander. Als die damalige Ehe von Katja Schulze in die Brüche geht, sei das Verhältnis der beiden zueinander intensiver geworden. Schließlich treffen und verlieben sie sich. "Er ist mir zwar schon zuvor sympathisch gewesen, aber seine Beziehung wollte ich nicht zerstören", erklärt die 44-jährige Altenpflegerin aus Hoyerswerda. Für sie sei die Ehe eine wichtige Institution. Aber für den 53-Jährigen sei das Leben in Ritterhude kein solches mehr gewesen, wie er jetzt im Nachhinein berichtet. Er fasste im Sommer 2010 den Entschluss, seine Zelte in Niedersachsen abzubrechen und machte sich auf den Weg nach Hoyerswerda.

Die erste Zeit in der neuen Stadt habe Hartmut Schulze zunächst damit zurechtkommen müssen, arbeitslos zu sein. Denn bis dahin sei er über 22 Jahre Angestellter in einer Chemiefirma für Lacke und Farben gewesen. Bis zum Abteilungsleiter habe er sich hochgearbeitet. Und das, obwohl er als gelernter Kaufmann in diesem Beruf gearbeitet hat. Seine alte Firma hätte Hartmut Schulze bei einer Rückkehr sofort wieder eingestellt. Doch das sei für den 53-jährigen Niedersachsen überhaupt nicht infrage gekommen. Ein Jobangebot, für das seine neue Liebe Katja und deren Sohn Fabian aus erster Ehe sogar in den Norden gekommen wären, sei im letzten Moment geplatzt. Nach dieser Enttäuschung entschied er sich endgültig für ein Leben in Hoyerswerda.

In der Region fehle zwar die Sicherheit auf einen festen Arbeitsplatz. Doch hier habe er sein Glück gefunden, so Schulze. Über drei Jahre lebt er nun schon im Hoyerswerdaer WK 8. "Ich bin vom Niedersachsen zum Sachsen aufgestiegen", sagt er. Er hat inzwischen seine Katja geheiratet, wohnt mit ihr und ihrem zwölfjährigen Sohn Fabian zusammen. Auch seine Freunde aus den alten Bundesländern können seine damals rigorose Entscheidung mittlerweile akzeptieren. Dazu sagt er: "Es ist doch klar, dass es für viele heutzutage verrückt ist, einen grundsätzlich sicheren Job aufzugeben und in eine Region zu gehen, die nicht gerade nach Arbeitskräften lechzt."

Doch nach eigener Aussage mache es Hartmut Schulze "irre, gar nichts zu tun". Deshalb habe er in Hoyerswerda bereits 13 Monate als Bundesfreiwilligendienst-Leistender in der Kinder- und Jugendfarm gearbeitet. Nach einer fünfmonatigen Umschulung zum Maja-Maschinenführer ist er seit April letzten Jahres bei dem Möbelzulieferer angestellt. Es gebe unter den Arbeitern zwar manchmal eine differenzierte Einstellung zu ihm als "Wessi". Aber er mache die Arbeit im Werk in Wittichenau gern, obwohl er dort weniger verdient als in seinem Job im niedersächsischen Ritterhude.

Überdies hofft er bei den derzeitigen Stellengesuchen seines jetzigen Arbeitergebers auf eine lange Weiterbeschäftigung im Werk. "Denn es ist falsch, für die Zukunft negativ zu denken". Ein Credo, welches er schon vor drei Jahren beherzigt habe und bis zum heutigen Tag nicht bereue.