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| 21:04 Uhr

Aktionswoche der Schuldnerberatung
Schuldnerberater senden Signal an die Politik

Brita Feix, Schuldnerberatung
Brita Feix, Schuldnerberatung FOTO: LR / Catrin Würz
Hoyerswerda. Auch in Hoyerswerda fand gestern ein Aktionstag statt. Im Jahr 2017 wurden hier 736 Mandanten betreut.

Sachsenweit gelten derzeit fast zehn Prozent der Menschen über 18 Jahre als Schuldner: Sie sind beträchtlich überschuldet oder weisen nachhaltige Zahlungsstörungen auf. Eine bedrückende und alarmierende Zahl. Oft ist in diesen Fällen eine Schuldnerberatungsstelle der letzte Rettungsanker. Auch in Hoyerswerda gibt es seit über 20 Jahren solch einen rettenden Strohhalm: die Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt in der Ferdinand-von-Schill-Straße 19. Doch die könnte nun selbst bald einen solchen Rettungsanker benötigen, wenn die Politik nicht klare Kante zeigt.

736 Mandanten hat das dreiköpfige Team um die Beratungsstellenleiterin Brita Feix im Jahr 2017 betreut. Knapp die Hälfte davon waren Neuklienten. Für 144 Klienten wurde im vergangenen Jahr ein Insolvenzverfahren beantragt, 256 mal wurden Bescheinigungen für das Pfändungsschutzkonto erarbeitet. Auch 40 Asylbewerber wurden betreut.

„Die Zahlen unserer Mandanten sind seit Jahren konstant. Das kommt aber nicht daher, dass es nicht mehr Schuldner gibt. Sondern dies ist die Kapazität, die wir hier nun einmal nur haben“, sagt Brita Feix. Und die Situation könnte sich in den kommenden Jahren noch weiter verschärfen. Denn während dieser soziale Bereich seit Jahren finanziell vom Staat nicht besser ausgestattet wurde, beklagen die Schuldnerberater einen viel größeren Bedarf an Beratungsstellen. 75 Schuldnerberatungsstellen gibt es momentan in Sachsen. Die Liga der Freien Wohlfahrtspflege fordert jedoch die Verdopplung dieser Zahl auf 160 - auch, um die Prävention zu fördern. Die bundesweiten Verbände der AG Schuldnerberatung kämpfen indes für den gesetzlichen Rechtsanspruch auf Schuldnerberatung für Jedermann und um eine gesicherte Finanzierung dafür.

Die Finanzausstattung macht auch dem Geschäftsführer der AWO Lausitz, Torsten Ruban-Zeh, Sorgen. „Wenn es für die Schuldnerberatung nicht eine größere Förderung gibt, werden wir gezwungen sein, Konsequenzen zu ziehen“, erklärte er am Freitag auf einem Aktionstag in Hoyerswerda. Das könne sich zum Beispiel in gedrosselten Öffnungszeiten widerspiegeln, erklärte er.

Mit einer Aktionswoche machen die Verbände derzeit bundesweit auf diese kritische Situation aufmerksam. Auch in Hoyerswerda war das am gestrigen Freitag bei einem Symposium mit etwa 35 Sozialarbeiten, Betreuern und Gläubiger-Vertretern der Fall.