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Schützenkönig Michael Graf lässt sich zum Ritter schlagen

Während des Vogelschießens ahnte Michael Graf (l.) noch nicht, dass er nach Wettkampfende neuer Schützenkönig ist. An der Spannvorrichtung Paul Modsching und hinten Reiner Kammer, beide frühere Schützenkönige.
Während des Vogelschießens ahnte Michael Graf (l.) noch nicht, dass er nach Wettkampfende neuer Schützenkönig ist. An der Spannvorrichtung Paul Modsching und hinten Reiner Kammer, beide frühere Schützenkönige. FOTO: hir1
Wittichenau. Das 28. Schützenfest der Schützenbruderschaft "St. Sebastiani" 1491 Wittichenau ist Geschichte. Am Samstag traten sieben Schützen der Bruderschaft an, um den Schützenkönig des Vereins zu ermitteln. hir1

Reichlich viereinhalb Stunden waren nötig, um den Adler aus Kiefernholz, der traditionell von Schützenbruder Reiner Kammer gefertigt wird, zu rupfen. Michael Graf heißt der neue Schützenkönig des Vereins. Somit kann er im August als frischgebackener Schützenkönig nach Mönchengladbach fahren, wo er zum Ritter des Sebastianusordens geschlagen wird. Michael Graf, der auch als Schießleiter fungierte, meinte zu seinem Schützenstreich: "Ich freue mich natürlich um so mehr, als dass ich zum neuen Schützenkönig auf der ersten bedeutenden Veranstaltung unserer Schützenbruderschaft im neuen Jahr gekürt werden konnte."

Auffallend war beim Schießen um den Vereinsschützenkönig auf den Holzadler, dass der elfjährige Julian Sauer aus Wittichenau in den Schießpausen fleißig die abgeschossenen Teile des Holzadlers aufsammelte. "Ich sammle die abgeschossenen Teile auf, und füge sie wieder zu einem Holzadler zusammen. Das habe ich schon voriges Jahr so getan. Ich werde die Zweitversion der Holzadler solange als Souvenir aufheben, bis ich selbst das Alter habe, Mitglied in der Schützenbruderschaft ‚St. Sebastiani‘ 1491 Wittichenau, zu werden."

Die Stadt Wittichenau hat nun zwei Ritter, und mit Michael Graf steht der Dritte in den Startlöchern. Als Lutz Döhler, Roland Retschke, und Michael Graf im Februar Post von der "Ritterschaft vom Heiligen Sebastianus in Europa" bekamen, da wussten sie noch nicht, worum es sich handelte. Lutz Döhler und Roland Retschke sollten am 21. April in der holländischen Martinuskerk von Leudal zum Ritter des Sebastianusordens geschlagen und vom Weihbischof gesegnet werden. Bei Michael Graf wird der Ritterschlag nun im August nachgeholt. Kein Geringerer als Charles-Louis von Merode, Präsident der "Europäische Gemeinschaft historischer Schützen", legte Lutz Döhler und Roland Retschke das Schwert zum Ritterschlag auf die Schulter. Sie sind nun Ritterkreuzträger am blauen Band. Die Zeremonie ist begrenzt auf 350 Schützen, die zum Ritter geschlagen werden können.

Der Ritterschlag ist keine Auszeichnung, sondern Aufgabe. Ritter haben die Pflicht, sich für die Verwirklichung der geistigen Einheit Europas als christliches Vaterland aller europäischen Völker im privaten, beruflichen, und gesellschaftlichen Leben tatkräftig einzusetzen. Mit dem Ritterschlag sind sie außerdem berechtigt, das Zeichen der "Europäische Gemeinschaft historischer Schützen und Weltkulturerbe der Unesco" zu tragen.

Zum Thema:
Nach dem Bau der Toilettenanlagen im Schützenhaus will der Verein seinen Luftgewehrschießstand auf Vordermann bringen. Zwecks Auslastung der Einrichtung will Brudermeister Lutz Döhler mit den Schülern der Wittichenauer Oberschule Kontakt aufnehmen. Auch eine Innenrenovierung des Schützendomizils ist geplant.