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Schnupperkurs

In der Begeisterung für Duftnoten unterscheiden sich die Menschen hierzulande ja praktisch erst, seit uns Ossis mit „Äktschn“ Mitte der Achtziger eine Alternative zum vierzig Jahre alten Einheitsdeo oder dem verbotenen Westimport vors Riechorgan gesetzt wurde. Kathleen Weser

In Ermangelung von Schauspielern, Sängern und anderweitig prominenten Mitbürgern mit kreativen Ambitionen für Antitranspirant-Mischungen passierte ja (auch auf dem Gebiet) fast nichts. Was uns Abwechslung schnuppern ließ. Wie unangenehm fuhren einem da einst die Ausdünstungen der Fabrikschlote in die Nase. Zumal sie auch der Nachbar noch ausströmte. Heute dagegen erschnüffelt man freudig erregt, dass die Brikettfabrik Knappenrode echt auch noch nach dem riecht, was sie mal war. Dieser Duft - damals verglichen mit dem von faulen Eiern - hat heute etwas Exotisches. Mit hohem Wiedererkennungswert für die Lausitzer. Das ist in Lauta übrigens auch der Fall. Man könnte blind die Landstraße entlang pirschen. Aber pünktlich in der Kurve vor dem Ortseingang weiß ein Mitmensch mit einem aus alten Zeiten gut trainierten Riechorgan, dass er hier so etwa die Hälfte des Heimweges geschafft hat.