Doch bei aller Enttäuschung gab es stellenweise auch heftige Kritik an der Art und Weise, wie die Kirche mit dem sensiblen Thema öffentlich umgegangen ist.
„Die Nachricht ist völlig aufs Kalte gekommen. Ich war doch sehr erstaunt“ , erklärt Martin Schmidt, der sich als stellvertretender Vorsitzender des Johanneum-Fördervereins jahrelang für die Schule und ihr Fortbestehen engagiert hat. „Das per Pressemitteilung bekannt zu geben, ist nicht der richtige Weg. Ich bin tief enttäuscht von Bischof Huber“ , betonte der Hoyerswerdaer Bildungsexperte und sprach von einem „Vertrauensverlust für die evangelische Kirche“ . Bei der Entscheidung, sich als Träger des Gymnasiums zurückzuziehen, seien nicht alle Ansätze berücksichtigt worden. Speziell blickt Martin Schmidt dabei auf das neue Modell, bei dem das Johanneum Mittelschüler am Gymnasium integrieren möchte. „Mit der Entscheidung wurde eine Chance für die Zukunft vertan - sowohl im Hinblick auf kirchliche Gymnasien als auch in Bezug auf das neue Modell“ , so der Förderer.
Enttäuscht über den Rückzug der Kirche ist auch Christiane Rümcke-Veh, die sich im Elternrat des Johanneums engagiert. „Wir haben vor den Ferien noch so hart an der Entwicklung des Mittelschul-Modells gearbeitet“ , sagt die Lautaerin. Sie habe das „christliche Profil sehr geschätzt“ , bedauert Rümcke-Veh die Entscheidung und hofft nun darauf, dass die Zusammenarbeit zwischen Kirche und staatlichen Interessen funktioniert. „So halte ich zum Beispiel für sehr wichtig, dass es auch in Zukunft Schulpfarrer gibt“ , so die Mutter.
Für jede Menge Fragezeichen hat der Entschluss der Kirche auch in Schülerköpfen gesorgt. Denn für viele kam die Entscheidung absolut überraschend. „Wir haben hausintern nie offizielle Informationen vom Kuratorium bekommen. Was wir wussten, haben wir aus der Presse und über den Buschfunk erfahren“ , sagt Klassensprecher Philipp Czapik und erklärt: „Viele Schüler standen im Dunkeln.“ Er sei vor allem überrascht vom plötzlichen Aus, „weil wir immer noch jede Menge Kraft und Zeit in verschiedenste Projekte investiert haben. Viele haben gehofft, dass es irgendwie weitergeht“ , sagt der 16-Jährige.