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Schloss leidet unter Sanierungsstau

Bild mit Symbolkraft: Die Trompeter-Plastik Woyskis scheint zum Aufbruch für die Schloss-Instandsetzung zu blasen.
Bild mit Symbolkraft: Die Trompeter-Plastik Woyskis scheint zum Aufbruch für die Schloss-Instandsetzung zu blasen. FOTO: Jens Dettlaff
Hoyerswerda. Mit Millionenaufwand wurde das Schloss Hoyerswerda in den 90er-Jahren von Grund auf saniert. Doch seitdem ist wenig passiert. Fenster sind undicht, Risse haben sich in Wänden gebildet und an der Fassade bröckelt der Putz. Hartmut Landesund Katrin Demczenko / dcz1

Auf den ersten Blick macht das Schloss Hoyerswerda einen prima Eindruck. Helle Fassade, feine Dachgauben in einem schadenfreien Dach, imposanter Eingangsbereich. Auf den zweiten Blick fallen Wasserflecken an der Fassade, Putzschäden und Risse im dicken Mauerwerk auf. Metallklammern verhindern, dass die Risse zu breiteren Spalten werden. Das älteste Gebäude der Stadt, dessen Grundmauern aus dem 13. Jahrhundert stammen, braucht mehr als Schönheitsreparaturen. Es braucht gezielte Instandsetzung. Das sagt auch Kerstin Noack, die als Mitarbeiterin der gemeinnützigen Zoo, Kultur und Bildung GmbH Verantwortung für das Schloss trägt. "Wir können nur wenig machen. Für mehr reicht das Geld nicht. Deshalb bauen wir auch auf Zuschuss aus Denkmalfördertöpfen", sagt sie.

Seit 2010 ist die Zookultur für das Gebäude auch bauseitig verantwortlich. Und damit überfordert. Das Budget für die knapp 70 Mitarbeiter zählende gGmbH reicht nicht für große Sprünge. Rund zwei Millionen Euro gibt es pro Jahr von der Stadt Hoyerswerda und dem Landkreis Bautzen insgesamt. Dazu kommen Zuschüsse aus der Kulturraumförderung in Höhe von knapp einer Million Euro. Weiteres Geld erwirtschaftet die Zookultur aus Einnahmen für Zoo- und Museumsbesuchen. Nur ein kleiner Betrag wird pro Jahr für Werterhaltungs- und Reparaturarbeiten am Schloss eingestellt. Doch der ist schnell aufgebraucht. Auch, weil man drängende Arbeiten vor sich herschob. So wie die Säuberung einer verstopften Regenrinne. "Die Dachrinne war seit Jahren verstopft", sagt Noack. Als die Wasserschäden an der Fassade immer größer wurden, handelte man. Und das wird teuer. Ein Gerüst wurde gestellt, die Dachrinne gereinigt. Nun kommen zu diesen Kosten noch jene für die Beseitigung des Wasserschadens. Das Mauerwerk in diesem Bereich soll neu verputzt werden.

Bis 2010 war die Stadt Hoyerswerda als Eigentümer verantwortlich für das Schloss. Mit großem finanziellen Aufwand hat man das heruntergewirtschaftete Gebäude zwischen 1990 und 1998 komplett saniert. Schätze hat man dabei gefunden, aber auch Schäden festgestellt, die das erwartete Ausmaß bei Weitem überstiegen.

In den Jahren danach und damit in Zeiten sehr knapper Kassen freuten sich die Hoyerswerdaer Stadtväter an dem sanierten Haus, ohne kleinere Mängel sofort beseitigen zu lassen. Ein Fehler, wie sich heute zeigt. Beispielsweise am Zustand der historischen Fenster. Die waren an der Wetterseite sehr stark Schlagregen ausgesetzt. "Das Holz ist aufgequollen, die Fenster schließen nicht mehr richtig und es regnet rein", schildert Kerstin Noack die Situation.

Nun hat ein Tischlermeister den Auftrag, die am schlimmsten betroffenen Fenster denkmalgerecht zu sanieren. Gut ein Dutzend sollen es vorerst sein. Rund 2000 Euro kostet die Aufarbeitung eines Fensters. Aber das Schloss hat 114 solcher Fenster. "Wir können die Fenstersanierung nur in Jahresscheiben planen", sagt die Schlossverantwortliche. Selbst das bedürfe finanzieller Hilfe. Allein könne die Zookultur diese Aufgabe nicht stemmen. Wo das Geld herkommen soll? Da fallen ihr Denkmalschutzprogramme des Freistaates Sachsen ein, die die gGmbH anzapfen will. Im Vorjahr hat das geklappt. Der Ausbau des Spitzbodens erfolgte mit Geld aus sächsischen Denkmalschutzprogrammen.

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Das Schloss Hoyerswerda wurde 1990 bis 1998 in Zusammenarbeit mit dem Institut für Denkmalpflege in Dresden saniert. Das Dach wurde mit Ziegeln gedeckt, die Fledermausgauben originalgetreu restauriert, die Fassade neu verputzt, der Keller mit seinen mittelalterlichen Mauerresten trockengelegt. Die ursprüngliche Zimmeraufteilung wurde wiederhergestellt. Kaminzimmer und Stuckelemente aus der Erbauerzeit wurden rekonstruiert.

Deutlich sichtbar sind die Schäden am Mauerwerk neben dem Eingang des Schlosses.
Deutlich sichtbar sind die Schäden am Mauerwerk neben dem Eingang des Schlosses. FOTO: Demczenko/dcz1