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| 20:36 Uhr

Technik-Treffen
Parade der PS-starken Giganten

 Repariert und wieder zum Laufen gebracht: Der 40 Jahre alte Deutz 40.2 wurde beim Schleppertreffen in Koblenz von Max Noack, Judy Krause und Paul Noack präsentiert (v.l.).
Repariert und wieder zum Laufen gebracht: Der 40 Jahre alte Deutz 40.2 wurde beim Schleppertreffen in Koblenz von Max Noack, Judy Krause und Paul Noack präsentiert (v.l.). FOTO: Katrin Demczenko
Koblenz. Zum 16. Schleppertreffen in Koblenz rollten 150 Teilnehmer mit Treckern und Zugmaschinen an. Von Katrin Demczenko

Dieselgeruch und Motorenlärm – so lieben es die über 150 Teilnehmer der jährlichen Schleppertreffen in Koblenz. Und so war es auch wieder am vergangenen Wochende, zu dem Technikbegeisterte mit ihren Landmaschinen aus alten Zeiten und aus der Gegenwart angerollt kamen. Bis aus Markneukirchen, der Oberlausitz, aber auch aus Seidewinkel und dem südlichen Brandenburg reisten die Teilnehmer an, erzählt Frank Theka vom gastgebenden Schlepperfreunde Koblenz e.V. Ein Höhepunkt war die Ausfahrt der geschmückten kleinen und größeren Traktoren, Dumper, verschiedener Multicars und eines Unimog. Gemütlich tuckerten sie durch Koblenz und Groß Särchen. Überall haben die Einwohner ihre Gäste gebührend empfangen, ehe diese nach zwei Stunden auf den Festplatz zurückkehrten.

Dort war in der Zwischenzeit die Standmotorenausstellung zu besichtigen, an der – wie schon öfter – der Rentner Udo Nitschke aus Eibau teilnahm. Er zeigte unter anderem einen stehenden Viertakt-Benzinmotor Wolseley WD 8, der in den 1950er-Jahren in der Wolseley Maschinenfabrik Birmingham gefertigt worden war. Der ehemalige Kraftfahrzeugmechaniker-Meister hatte ihn schrottreif in den Niederlanden gekauft und binnen sechs Monaten zusammen mit seinem Sohn und dem Enkel repariert. An seine alten Schätze, wozu auch der H65 1-Zylinder-Dieselmotor mit offener Verdampferkühlung aus dem Motorenwerk Cunewalde gehört, kommt er über Mundpropaganda, erzählte Udo Nitschke. Mit Freude setzt er die Motoren wieder instand und zeigt sie auf Landmaschinentreffen. „Man muss ja was vorhaben, sonst vergammelt man“, sagt der Senior augenzwinkernd.

Jüngeren Alters und fasziniert von Traktoren ist Paul Noack aus Groß Särchen. Er nahm erstmals mit seinem Deutz D40.2 von 1976 an einem Schleppertreffen teil. Die Zugmaschine kam in den 1990er-Jahren in Besitz seiner Familie, die damals privat Landwirtschaft betrieben hat, erinnerte sich der 22-Jährige. Sein Opa habe den reparaturbedürftigen Traktor aus Aachen in die Lausitz geholt, um die Pferde, die bis dato als Zugtiere dienten, zu entlasten. Den Deutz-Schlepper haben sein Opa und der Vater wieder in einen fahrtüchtigen Zustand versetzt und er wurde bis 2014 in der Landwirtschaft genutzt. „Dann stand er sich kaputt“, erzählt Paul Noack, der das schade fand. Deshalb hat der junge Industriemechaniker die Zugmaschine mithilfe seiner Familie binnen einem Monat repariert und für das Schleppertreffen schick gemacht. Er will mit dem Traktor an weiteren Treffen teilnehmen, denn es ist schön, die alte Technik Interessenten zeigen zu können.

 Ein Deutz-Traktor startet zur Ausfahrt durch Koblenz und Groß Särchen.
Ein Deutz-Traktor startet zur Ausfahrt durch Koblenz und Groß Särchen. FOTO: Katrin Demczenko

Neben einem Unimog von 1952 und verschiedenen Traktoren Marke Eigenbau hatte Familie Nawrazalla aus Neustadt/Spree an einem Lanz Bulldog aus dem Jahr 1938 viel Freude. Sie konnten sich an dem Gefährt nicht satt sehen, weil genau so eines von ihren Vorfahren in der Landwirtschaft und zum Getreidedreschen genutzt worden war. Die Druschvorführung der Schlepperfreunde Koblenz ließ somit für das Ehepaar Vergangenheit lebendig werden, während zuschauende Kinder vielleicht erstmals über 60 Jahre alte landwirtschaftliche Produktionstechniken in Aktion erlebt haben.