| 02:41 Uhr

"Schlenki" und "Rakete" sind wieder da

Echte Fans von Ikarus-Fahrzeugen: Detlef Gossow (64) und Ronald Lehmann (50) begrüßen sich beim Ikarus-Treffen auf dem Betriebshof der Verkehrsbetriebe Hoyerswerda vor einem Ikarus des Typs 250. Beide tragen alte Busfahrer-Uniformen.
Echte Fans von Ikarus-Fahrzeugen: Detlef Gossow (64) und Ronald Lehmann (50) begrüßen sich beim Ikarus-Treffen auf dem Betriebshof der Verkehrsbetriebe Hoyerswerda vor einem Ikarus des Typs 250. Beide tragen alte Busfahrer-Uniformen. FOTO: Anja Guhlan/ang1
Hoyerswerda. Viele Hoyerswerdaer fühlten sich am Samstag in die DDR-Zeit zurückversetzt: Einen Tag lang dominierten die Reise- und Linienbusse der 1950er- bis 1980er-Jahre das Straßenbild in der Stadt. Zum fünften Mal hatte der Freundeskreis Ikarus zum Deutschlandtreffen eingeladen – und erstmals war die Verkehrsgesellschaft Hoyerswerda (VGH) dafür der Gastgeber. Anja Guhlan / ang1

Sie feierte mit dem Treffen das 25-jährige Bestehen des Unternehmens.

"Mit 41 angereisten Ikarus-Bussen ist der Teilnehmer-Rekord mal wieder gebrochen worden", erklärt der Chemnitzer Roy Glaser, Organisationsleiter vom Freundeskreis Ikarus. Bis aus Ungarn, Polen, Tschechien und vor allem aus allen Himmelsrichtungen in Ostdeutschland waren die Freunde dieser Busmarke angereist. Immerhin war die DDR einst der größte Abnehmer des ungarischen Herstellers Ikarus.

"Schau mal, da sind ,Schlenki' und ,Hacki'", ruft Ronald Lehmann seiner Frau zu. Wie der 50-Jährige in seiner Busfahrer-Uniform erzählt, liebt er besonders den "Schlenki". So wurde der Ikarus-Gelenkbus im Volksmund genannt. "Hacki" hingegen ist die verkürzte Form. "Ich bin seit meinem 19. Lebensjahr mit Leib und Seele Busfahrer", bekennt er. Mit einem Ikarus hat er angefangen zu fahren, und auch heute noch darf er bei diversen Sonderfahrten für die Verkehrsgesellschaft Dahme/Spree-wald einen Ikarus lenken. "Das macht mich absolut glücklich. Ich liebe das Fahrgefühl, den Geruch und einfach den Beruf als Busfahrer", so Ronald Lehmann, der auch mit Stolz die alte Busfahrer-Uniform trägt.

Als Ronald Lehmann ein paar Meter weiter geht, trifft er plötzlich auf Detlef Gossow vom Verein OBVB - Oldtimer Bus Verein Berlin, der ebenfalls eine Busfahrer-Uniform trägt. Jedoch eine andere wie Lehmann. Die beiden begrüßen sich auf das Herzlichste. "In der Ikarus-Gemeinschaft kennt man sich untereinander", meint Lehmann. Doch was haben die unterschiedlichen Uniformen zu sagen? "Meine Uniform stammt aus der Hauptstadt Berlin", erklärt Detlef Gossow und fügt hinzu: "Während seine Uniform im ländlichen Raum getragen wurde." Der Ikarus vor dem die beiden Männer stehen ist der Typ 250, eine Reisebus-Ausführung, die zu DDR-Zeiten nur Privilegierten, die Parteispitzen oder Sportler nutzen durften.

Der älteste in Hoyerswerda präsentierte Bus war der Ikarus 55 des Kraftomnibus Verein aus Mittweida. Im Volksmund früher "Zigarre" oder auch "Rakete" genannt. Er feierte am vergangenen Samstag auf den Tag genau in Hoyerswerda sogar seinen 55. Geburtstag der Erstzulassung. "Das Fahrzeug wurde genau am 1. Juli 1962 zugelassen", gibt Vereinsmitglied Jerzy Ziezio stolz Auskunft. Der Erste seiner Art wurde jedoch schon im Jahr 1954 gebaut.

In dem historischen Ikarus 55 sitzen auch Melanie (17) und Toni Pausewang (15). Die beiden Geschwister gehören auch dem Verein aus Mittweida an. "Wir fahren gerne in dem Ikarus mit, weil wir hier sehr gemütlich und angenehm sitzen. Anders als in heutigen Reisebussen. Das Fahrgefühl ist einmalig", schwärmt Melanie Pausewang. Der Ikarus ist und bleibt halt ein Ikarus.

Zum Thema:
Laut dem Kraftfahrtbundesamt gibt es in Deutschland derzeit noch knapp 60 Ikarus-Busse. Die meisten von ihnen sind jedoch nur noch auf Sonderfahrten zu sehen. Der letzte noch im täglichen Linienverkehr eingesetzte Ikarus war ein Ikarus 280.03 der Kraftverkehrsgesellschaft Dreiländereck in Zittau, der am 31. August 2010 seine letzte Einsatzfahrt absolvierte. Luxus-Modelle wurden zwischen 1984 und 1989 für das Zentralkomitee der SED geliefert. Anlässlich der 35-Jahr-Feier der DDR wurde eine Sonderausstattung für Erich Mielke angefertigt - mit 16 bequemen Drehsesseln bestückt.

Melanie (r.) und Toni Pausewang zählen zu den jüngsten Ikarus-Freunden. Sie haben es sich im Ikarus 55 gemütlich gemacht, der vor 55 Jahren seine Erstzulassung erhielt.
Melanie (r.) und Toni Pausewang zählen zu den jüngsten Ikarus-Freunden. Sie haben es sich im Ikarus 55 gemütlich gemacht, der vor 55 Jahren seine Erstzulassung erhielt. FOTO: ang1