ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:56 Uhr

Schlechte Chancen für Langzeitarbeitslose

FOTO: dpa
Görlitz. Langzeitarbeitslosigkeit ist und bleibt die größte arbeitsmarktpolitische Herausforderung im Landkreis Görlitz. Dort haben im Jahr 2013 im Hartz-IV-System mehr als 6000 Menschen seit mehr als einem Jahr vergebens einen Job gesucht. Das besagt die Statistik vom Juli 2014. red/br

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen hat sich von 2010 bis 2013 um 768 Personen (11,3 Prozent) verringert. Doch die Beschäftigungschancen der Langzeitarbeitslosen haben sich massiv verschlechtert. Im Jahr 2013 haben nach einer Auswertung des DGB-Kreisverband Görlitz 2556 Hartz-IV-Empfänger eine Beschäftigung auf dem regulären Arbeitsmarkt gefunden, darunter nur 591 Langzeitarbeitslose. Damit habe innerhalb eines Jahres fast ein Viertel aller arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger (22,2 Prozent) eine neue Stelle gefunden, aber weniger als zehn Prozent aller Langzeitarbeitslosen. Deren Eingliederungschancen seien nur etwa halb so groß wie die aller Arbeitslosen im Hartz-IV-System.

Generelle Verschlechterungen

Die ohnehin niedrigen Beschäftigungschancen haben sich generell verschlechtert und bei Langzeitarbeitslosen noch weit mehr als bei den Arbeitslosen. Nach DGB-Angaben ist die Zahl der Hartz-IV-Empfänger, die einen neuen Job fanden, von 2010 bis 2013 um 31,4 Prozent gesunken, bei den langjährig Arbeitslosen um 20,4 Prozent. "Dies ist eine erschütternde Bilanz", sagt Siegmar Freund, DGB-Kreisvorsitzender in Görlitz.

Selbst wenn eine Beschäftigung gelinge, seien die Jobs meist instabil und endeten oft schnell. Ein relativ hoher Anteil Langzeitarbeitsloser finde nur vorübergehend eine neue Beschäftigung. 31,5 Prozent sind weniger als einen Monat beschäftigt.

Werde ein zweiter Stichtag hinzugenommen, so sei etwa die Hälfte der in den Arbeitsmarkt integrierten Langzeitarbeitslosen nicht durchgängig sechs Monate beschäftigt. "Es ist die große Ausnahme, wenn langjährig arbeitslose Menschen festen Fuß auf dem Arbeitsmarkt fassen. Die Eingliederungschancen von hilfebedürftigen Langzeitarbeitslosen haben sich sichtbar verschlechtert und die unsichere Beschäftigung hat sich erhöht", sagt Freund.

Selten stabile Beschäftigung

Je länger jemand ohne Job sei, desto größer auch die Gefahr, dass er keine neue Beschäftigung mehr finde. Der DGB betont, dass der Weg aus Hartz IV steinig ist und befristete Jobs, Leiharbeit, Ein-Euro-Jobs und niedrig entlohnte Tätigkeiten nur selten in stabile Beschäftigung münden.

Der DGB Ostsachsen halte es für notwendig, dass das Jobcenter dem Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit größte Priorität einräume und die nachhaltige und möglichst stabile Integration in die Arbeitswelt in den Mittelpunkt gerückt werde. Ausgebaut werden sollte unter anderem die nachgehende Begleitung von Langzeitarbeitslosen nach erfolgreicher Vermittlung während der Probezeit. Gestärkt werden müsse auch die Weiterbildungsförderung des Jobcenters.

Zugleich sollten finanzielle Anreize für Weiterbildungsteilnehmer geschaffen werden, die bisher im Hartz-IV-System finanziell schlechter dastehen als jene, die vorübergehend einen Ein-Euro-Job ausüben. Bund und Land seien ebenso gefordert, langfristiges Handeln der Jobcenter stärker zu honorieren als kurzfristige Erfolge und dafür auch ausreichende Mittel zur Verfügung zu stellen.