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| 01:03 Uhr

Schlammfluten verwüsteten schmucke Gärtnerei

Hoyerswerda / Spremberg.. Während die Unwetter der letzten Tage in Hoyerswerda verhältnismäßig geringe Schäden anrichteten – ein paar Keller wurden überflutet, der Fußgängertunnel an der Bundesstraße 97 war voll gelaufen – sah die Situation ein paar Kilometer Thoralf Schirmer

weiter in Richtung Spremberg wesentlich verheerender aus. Hier wurde zum Beispiel eine Gärtnerei von den Schlammfluten verwüstet.
„Die Gärtnerei ist tot. Alle Kulturen sind weg, nichts mehr übrig.“ Ulrich Golnik (44) blickt verzweifelt über das Gelände und versucht zu fassen, was er dort sieht. Die sonst so schmucke Gärtnerei, die einst Schlossgärtnerei von Muckrow war und 1920 von Ulrich Golniks Großvater in private Hand übernommen wurde, ist von Wasser und Schlamm verwüstet, kaum wieder zu erkennen. Das Unglück brach in den frühen Morgenstunden des Mittwochs über die Familie Golnik herein, und sie hatten keine Chance es aufzuhalten.

Palmen davongeschwommen
„Gegen drei Uhr morgens ging das Gewitter los“ , erinnert sich Bettina Golnik (42). „Schon zehn Minuten später rief unser Nachbar an und sagte, bei uns müsse der Teich übergelaufen sein, das Wasser sei schon auf seinem Grundstück.“ Als die Gärtnerfamilie aber nach draußen ging, erwartete sie weit Schlimmeres als ein übergelaufener Teich. Da nämlich schossen die Wasser- und Schlamm-Massen schon unaufhaltsam durch die Gewächshäuser und anderen Gebäude der Gärtnerei. „Bis zu 70 Zentimeter hoch stand es hier drin“ , erzählt Bettina Golnik. „Es gab gar keine Chance, irgendetwas fest- oder aufzuhalten. Große Palmen sind davongeschwommen, und Paletten mit Muttererde wurden angehoben und weggetragen.“
Gegen vier Uhr stand auch die Bagenzer Straße vor der Gärtnerei unter Wasser. Die Feuerwehren konnten daher zunächst gar nicht zum Brennpunkt des Geschehens vorstoßen.
Hardy Kordian, Ortsbeiratsmitglied und Feuerwehrmann der Sellessener Feuerwehr, wohnt gleich in der Nachbarschaft der Gärtnerei Golnik. Als einer der ersten war er mit vor Ort und beschreibt das furchtbare Szenario so: „Das floss wie bei der Elbeflut im Dresdener Hauptbahnhof.“ Noch am Unglückstag hat er versucht zu ergründen, woher solch unglaubliche Schlamm-Massen gekommen sein können und fand seine erste Vermutung bestätigt. Oberhalb von Muckrow liegt die Fläche, auf der Vattenfall Europe Mining die Umsiedlungsgemeinde Haidemühl neu errichtet. Die straßenbauliche Erschließung ist schon vorangekommen, und dort, wo die Straßenbetten vorbereitet waren, hat es Sand und Erde fortgerissen. Auch am Rand der bereits fertiggestellten Straßenabschnitte klaffen tiefe ausgespülte Furchen.
Während der Hitze der vergangenen Tage war der Boden so ausgetrocknet, dass er der Macht des Regenwassers keinen Widerstand mehr entgegenzusetzen hatte. In zwei Meliorationsgräben, die von dem Regenguss der Nacht schon übervoll gewesen sein müssen, ist der Schlamm bis ins tiefer gelegene Muckrow geschwemmt worden.
Aber ist die Haidemühl-Baustelle die Ursache dafür, dass die Witterungsereignisse so dramatische Folgen hatten„ Einen solchen Vorwurf auszusprechen, soweit möchte Hardy Kordian nicht gehen: „Viellicht aber war die Baustelle noch der Punkt auf dem i.“
Vattenfall Europe Mining reagierte sofort auf den schlimmen Hochwasserfall von Muckrow und lässt nun Fachleute eine genaue Ursachenforschung betreiben. „Im Augenblick können wir natürlich noch nichts darüber sagen, ob die Arbeiten in unserem Erschließungsgebiet diese Überschwemmung befördert haben oder nicht“ , erklärte Joachim Kretschmer, Vorhabenverantwortlicher und Umsiedlungsbeauftragter bei Vattenfall, der RUNDSCHAU. „Wir werden diese Möglichkeit nach technischen Gesichtspunkten fair und umfassend untersuchen und uns dann mit den Betroffenen in Verbindung setzen.“

Existenz bedroht
Das Ergebnis dieser Untersuchung sei voraussichtlich Anfang kommender Woche zu erwarten. Dass Vattenfall eine Möglichkeit findet, sich an der Schadensbegrenzung zu beteiligen, hoffen Ulrich und Bettina Golnik sehr. Denn obwohl der ganze Schaden sich noch nicht beziffern lässt, ist klar, dass er für das Gärtnereiunternehmen existenzbedrohende Ausmaße haben kann. Fast alle Pflanzen für die Sommer- und Herbst-Saison sind durch die Fluten vernichtet worden. Aufträge sind in Gefahr. Und eine Hochwasserversicherung ist nicht abgeschlossen worden. „Wozu denn auch“ Damit hätte ja keiner gerechnet“ , sagt Ulrich Golnik. „Wir haben hier nie Probleme mit Hochwasser gehabt. Bis jetzt.“