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| 21:53 Uhr

Kampfsport
Schlagfertigkeit auf Abruf

Training ohne Matten: Die Kampfsportler, darunter Frank Kohfeldt (vorne rechts), Andreas Eberhardt (vorne links) und Lucinda Schmidt (l.) trainieren in der Turnhalle der „Lindenschule“.
Training ohne Matten: Die Kampfsportler, darunter Frank Kohfeldt (vorne rechts), Andreas Eberhardt (vorne links) und Lucinda Schmidt (l.) trainieren in der Turnhalle der „Lindenschule“. FOTO: LR / Anja Hummel
Hoyerswerda. Wie ein Hoyerswerdaer Kampfsportverein Disziplin und Selbstbewusstsein vermittelt. Von Anja Hummel

Man mag es ihr vielleicht nicht ansehen, doch gegen ihre Hand hat ein Holzbrett keine Chance. Lucinda Schmidt trainiert seit der zweiten Klasse Taekwondo  – eine koreanische Kampfkunst, bei der Fußtechnik, Schnelligkeit und Dynamik dominieren. Die Industriekauffrau aus Lauta ist gerade mit dem heutigen Training fertiggeworden. Mit einem Gummimesser in der Hand und verschränkten Armen steht sie neben Frank Kohfeldt und Andreas Eberhardt. Alle drei sind Trainer beim Budosportverein 16 Hoyerswerda, kurz BSV. 43 Mitglieder von fünf bis 65 Jahre sind im Team der Kampfsportler.

Aber zurück zum Gummimesser: „Damit üben wir die Abwehr“, sagt Lucinda, die von allen Lucy genannt wird. Ihre Eltern haben sie damals auf die Kampfsport-Idee gebracht. „Ich bin mit drei Brüdern aufgewachsen und die haben mich viel geärgert“, sagt sie lächelnd. Seit ihrer ersten Taekwondo-Stunde konnte sie sich plötzlich nicht nur besser gegen die Jungs zu Hause wehren. „Ich war immer sehr schüchtern in der Schule und bin viel selbstbewusster geworden“, erzählt Lucy.

Mittlerweile kann sie problemlos auf fremde Menschen zugehen, „früher war das nicht denkbar“, erinnert sie sich. Einen Kampfschrei hat sie im Training lange nicht herausbekommen. Heute schüchtert sie ihre Gegner damit ein. Die junge Frau trägt einen weißen Kampfanzug. Darum gebunden: ein braun-schwarzer Gürtel. Nicht mehr lange. „Bald lege ich die Prüfung zum ersten Dan ab“, verrät sie. Dann wird aus braun-schwarz ein Schwarzgurt. Was das bedeutet? Schwarz ist die Farbe der Meister. Davor werden weiße, gelbe, grüne Gürtel und andere Farbvarianten getragen – je nach Erfahrung und Können. Lucys Vorbilder stehen direkt neben ihr. Erst in diesem Sommer haben Frank Kohfeldt und Andreas Eberhardt die Prüfung zum ersten Dan  erfolgreich abgelegt. Damit sind sie neben einem weiteren Mitglied die bisher einzigen Schwarzgurte im Verein. „Ich war schon sehr aufgeregt“, gesteht Frank Kohfeldt. Umso „hervorragender“ das Gefühl, als der Schwarzgurt nach all den vielen Trainingsjahren endlich um der Hüfte lag.

Für den 44-Jährigen bedeutet  Taekwondo „Bewegung, Kraftsport, Abwechslung“ – und zwar gänzlich ohne den Besuch im Fitnessstudio. „Außerdem nutzt man beide Gehirnhälften“, sagt der Hoyerswerdaer. Die Koordination von Füßen und Händen trainiere auch das Oberstübchen. Taekwondo-Schwarzgurt Andreas Eberhardt nickt. „Und natürlich gibt einem der Sport Sicherheit in bestimmten Situationen.“ Nicht erst einmal musste der 39-jährige freiberufliche Fitnesstrainer als Bürger in brenzligen Fällen eingreifen. „Dank unserer Kenntnisse kann man angemessen reagieren“, so Eberhardt. „Deshalb sollte auch jeder Kampfsport betreiben“, wirft Kohfeldt ein. Für mehr Zivilcourage, für die eigene Sicherheit. Aber er betont auch: „Wir vermitteln Respekt, Selbstbeherrschung und Disziplin.“ Soll heißen: Wer die Kampfsportkenntnisse unverhältnismäßig ausnutzt, der ist nicht länger Vereinsmitglied. Vorgekommen ist so ein Rauswurf aber noch nie, sagt Kohfeldt.

Was allerdings zur Regel gehört, da müssen die Kampfsportler ehrlich sein, sind Blutergüsse, Abschürfungen, aufgeplatzte Füße. „Das ist schon jedem von uns passiert“, bestätigt Lucy Schmidt. Die Verletzungen nimmt die junge Frau aus Lauta aber gerne in Kauf. Denn dafür ist sie schlagfertig – und zwar immer, wenn’s darauf ankommt.