Es sind die Überreste eines Panzerschießplatzes mit Beobachtungstürmen, Baracken, Kabelgräben und sonstigen Gebäuden. Ende der Achtzigerjahre wurde hier für die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR ein Panzerschießplatz samt Kaserne errichtet. Er ging allerdings nie in Betrieb. Die Wende kam dazwischen und das Areal landete zunächst bei der Bundeswehr, dann als ausgesondertes Militärvermögen bei der Treuhandliegenschaftsgesellschaft.
Die Wege übertrug man zurück an die Gemeinden. Am 6. Februar 2004 kaufte der Freistaat Sachsen vom Bund hier 720 Hektar Fläche, wovon 500 Hektar dem Reservat unterstellt wurden. Zwischenzeitlich war aber schon das Planfeststellungsverfahren für die Ortsumgehung von Schwarze Pumpe und Spremberg eingeleitet worden. Als Ausgleichsmaßnahme für die Versiegelung der Flächen durch die umverlegte Bundesstraße 97 favorisierte man den Abbruch und die Entsiegelung der militärischen Bauten und Flächen bei Lippen. So steht es auch im Planfeststellungsbeschluss aus dem Februar 2007, der an das Straßenbauamt Dresden-Meißen erging. Da aber die komplette Umgehungsstraßen-Baumaßnahme länderübergreifend von den Brandenburger Kollegen der Dresden-Meißner betreut wird, ist man dort auch für die Ersatzmaßnahmen zuständig. Allerdings weiß Wolfhart Petrick, Bereichsleiter Bau, noch nicht, ob er die Hoffnungen von Holm Karraß erfüllen kann. Denn der Bundesrechnungshof soll die geplanten Arbeiten in ihrem Umfang moniert haben. Das werde derzeit geprüft und muss von der Zentrale des Landesbetriebes entschieden werden. Wie gut die Chancen für die Sachsen stehen, vermag niemand zu sagen.

Müllproblem in der Kaserne
Und selbst wenn der Abbruch erfolgt, ist damit noch immer nicht die gesamte militärische Altlast beseitigt. Wenige hundert Meter vom Schießplatz entfernt steht die zeitgleich errichtete Kaserne in Plattenbauweise mit riesigen Garagen und eigenem Heizwerk samt Schornstein. Die Fensterhöhlen sind leer, der löchrige Stacheldrahtzaun sichert das nie genutzte Objekt nicht mehr. Bis 1998 lag das noch auf dem Territorium der Gemeinde Lohsa. Jetzt gehört es zur Gemarkung Boxberg. Im Boxberger Rathaus weiß man, dass sich zumindest die Kaserne seit 2002 in Privatbesitz befindet. Ein Zweck des Erwerbs ist dort nicht bekannt.

Schießplatz gehört Sachsenforst
Man kennt zwar den Namen des Eigentümers, hat aber keinen Kontakt. Postadressen von ihm gibt es immerhin in Königsbrück, Thiendorf und Regensburg. Und auch wenn es niemand so recht bestätigen will, weiß man in den umliegenden Orten, dass die Kaserne hin und wieder von Paintball-Schützen genutzt wird, die hier mit Farbkugeln aufeinander feuern. So verwundert es nicht, dass der Gemeinde eine Nachnutzung der Immobilie als offizieller Paintball-Platz vorliegt.
Eine weitere Anfrage existiert von einem Naturschutzverein aus Friedland, der hier naturwissenschaftliche Studien auf den Gebieten der Ornithologie, Dentrologie/Gräser und Entomologie machen will und sich vorstellen kann, das Objekt für eine Nutzung herzurichten.
Die Gemeinde Boxberg selbst hat an der Immobilie kein Interesse, wohl aber mit ihr ein Problem. Das Ordnungsamt recherchiert derzeit, woher der Müll kommt, der hier illegal abgelagert wird. Auf eine Beseitigung durch den Brandenburger Landesbetrieb brauchen die Boxberger erst gar nicht hoffen.