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Scheune erstrahlt im Leinöl-Glanz

Birgit Pattoka streicht etwa alle fünf Jahre ihre Schrotholzscheune mit Hoyerswerdaer Leinöl ein. Ein besseres Holzschutzmittel, so sagt die Expertin, gebe es nicht.
Birgit Pattoka streicht etwa alle fünf Jahre ihre Schrotholzscheune mit Hoyerswerdaer Leinöl ein. Ein besseres Holzschutzmittel, so sagt die Expertin, gebe es nicht. FOTO: amz1
Bergen. Wer die Bergener Schrotholzscheune seit mehreren Monaten nicht mehr gesehen hat, dürfte sich wundern. Denn das historische Gebälk, das ohne einen einzigen Nagel zusammengezimmert wurde, sieht jetzt anders aus: frischer, farbenintensiver, fast wie neu. amz1

Tatsächlich habe sich in jüngster Zeit an der Scheune einiges getan, berichtet Inhaberin und Volkskünstlerin Birgit Pattoka. Die 52-Jährige greift selbst zu Kanister und Pinsel und streicht sämtliche Balken neu - allerdings weder mit brauner Farbe oder mit Holzschutzmittel, sondern mit Leinöl. "Ich habe mir eine ganze Anzahl von Litern aus der Hoyerswerdaer Ölmühle besorgt", erzählt Birgit Pattoka. Es handele sich jedoch nicht genau um das Öl, das zu Quark und Kartoffeln gegessen wird, sondern um einen industriellen Stoff.

"Ich hatte es bereits längere Zeit bemerkt, dass die Holzbalken regelrecht nach dem Leinöl dürsten", so die Volkskünstlerin. Die Substanz bewirke eine ideale Holzpflege, die die ursprünglichen Farben der jahrhundertealten Balken nicht verfälsche.

Bevor die Saison 2017 in der Schrotholzscheune startet, müsse noch der Dachdecker ran. "Im vergangenen Mai gab es über Bergen ein schweres Unwetter. Taubeneigroße Hagelkörner sorgten für größere Dellen im Schilfdach", so Pattoka. Jetzt gelte es, die Schadstellen fachgerecht ausbessern zu lassen, bevor sich dort Feuchtigkeit ansammle, die zu Schimmel führen könne. Daher werde sich ein Spezialist aus Spreewaldnähe des Dachs annehmen.

Indes erwacht auch langsam aber sicher das Innenleben der Scheune aus dem Winterschlaf. Schließlich wird traditionell zum Frühlingsanfang die Osterausstellung eröffnet. Diesmal seien die prämierten sorbischen Wettbewerbseier aus dem Jahr 2015 zu sehen. Darüber hinaus bietet Birgit Pattoka Kurse in den typischen sorbischen Eiermaltechniken an. Am Gründonnerstag, am 13. April, werde bereits zur 18. Passionsandacht in die Schrotholzscheune eingeladen. Die Predigt halte erneut der Hoyerswerdaer Superintendent im Ruhestand, Friedhart Vogel. Jahr für Jahr pilgern zu diesem Anlass über 100 Leute zur Bergener Scheune.

Birgit Pattoka, die Lausitzer Volkskunst, insbesondere die Glasmalerei, auf Messen und Veranstaltungen präsentiert, beispielsweise während der Ostereiermärkte in Bautzen und Neuwiese sowie im Rahmen des Internationalen Folklorefestivals in Crostwitz, bietet ab sofort nicht nur Führungen durch Scheune und benachbarten Bauerngarten an, sondern ebenso durch ihren Heimatort Bergen. So erfahren die Gäste, was es mit dem sagenumwobenen Lutki-Hügel auf sich hat, der von der Scheune bereits sichtbar ist. Zudem gebe es wieder Kräuterveranstaltungen mit der Lohsaer Expertin Ursula Altmann. Beispielsweise drehe sich im Juni alles um die Rose in der Pflege- und Gesundheitsbranche.

Darüber hinaus arbeitet Birgit Pattoka intensiv mit weiteren Seenland-Touristikern zusammen. Erstmals seit fünf Jahren werde die Seeschlangen-Bahn von Eckhard Hoika aus Altdöbern die Schrotholzscheune wieder ansteuern. Weitere Partner seien der Schwarze Müller Dieter Klimek, die Partwitzer Bierkönigin Anja Ittmann sowie Roswitha Koch vom Neuwieser Landhotel.

Im vergangenen Jahr haben über 1000 Menschen die Schrotholzscheune besichtigt. Das historische Gebälk steuert übrigens ein Jubiläum an. Im Jahr 2018 jährt sich die Erbauung zum 250. Mal. Ob es aus diesem Anlass eine besondere Veranstaltung gibt, sei derzeit noch offen.