| 02:35 Uhr

Schauspieler, Lehrer und Literaturfreunde erinnern sich

Stolz unter der Hoflinde: Harald Weber, Renate Brucke und Matthias Stark mit dem Buch "Von Bohsdorf nach Schulzenhof".
Stolz unter der Hoflinde: Harald Weber, Renate Brucke und Matthias Stark mit dem Buch "Von Bohsdorf nach Schulzenhof". FOTO: Igel-Allzeit
Bohsdorf. Der Erwin-Strittmatter-Verein legt zu seinem 20. Geburtstag ein Buch vor: Mehr als 30 Autoren, Fotografen, Künstler nähern sich darin Eva und Erwin Strittmatter in Erinnerungen, Briefen, Gedichten und Essays. Sie beleuchten das Paar in allen Nuancen zwischen verliebt, unverkennbar und kritisch. Annett Igel-Allzeit

Die Linde auf dem Hof des Strittmatter-Ladens lässt sich vom ersten Sommerwind zauseln. Sie hat es tatsächlich auf den Einband des neuen Buches "Von Bohsdorf nach Schulzenhof - Auf den Spuren von Eva und Erwin Strittmatter" geschafft. Ihre obersten Zweige ragen über das "Loaden"-Dach. Zwei Jahre ist es her, dass Matthias Stark, seit 2011 Vereinsmitglied, die Idee hatte, "Loadengeschichten" zu sammeln. "Zu den Strittmatters haben sich viele geäußert - Literaturkritiker, Germanisten, Historiker. Immer ins Hintertreffen gerieten die Leser, für die Eva und Erwin geschrieben haben", sagt Matthias Stark.

Der Verein startete einen Aufruf, die Resonanz überraschte. Als Texte aus der Schulzenhofer Zeit kamen, wussten Stark und die Vereinsvorsitzende Renate Brucke, dass der Arbeitstitel "Loadengeschichten" nicht zu halten ist. Als Kritisches eintraf, wurden die Freunde aus den Titel-Überlegungen gestrichen.

Zeitgleich suchten sie einen Verlag. Vereinsmitglieder, die sich mit Verlegern auskennen, seufzten: Da werde der Verein kräftig in Vorleistung gehen müssen. Doch Stark traf auf die Dresdener Schütze-Engler-Weber (SEW) Verlags GbR. Das sind drei Ingenieure, die nach Schwierigkeiten, einen Verlag für ihre wissenschaftlichen Arbeiten zu finden, eine Gesellschaft gegründet hatten. "Das erste Buch, das wir aufgelegt haben, handelt von Geodäsie - Vermessungstechnik", sagt Harald Weber. Dazu sind Bücher übers Bierbrauen, über Meilensteine, eine Grönlanddurchquerung, Waldbau gekommen. Und nun ein Buch über Eva und Erwin Strittmatter? "Sie werden es beim Lesen selbst merken: Durch die Vielzahl der Texte sind Strittmatters umfangreich beleuchtet", sagt Weber.

Aus der Strittmatter-Familie haben Sohn Knut Strittmatter und Enkelin Judka Strittmatter Erinnerungen geschickt. Vereinsmitglieder schrieben Gedanken auf - darunter Vereinsmitbegründer Egon Wochatz und der langjährige Vorsitzende Manfred Schemel. Gertraude Friedrich, die seit 2011 den "Laden" betreut und sich als "Ladenhüterin" bezeichnet, streifte durchs "violette Dorf" und traf Onkel Phile und den Ochsenkutscher aus Jerischke. Die Schauspieler Carmen-Maja Antoni, Michael Becker und Oliver Breite philosophieren gar. Gedichte sind eingestreut - von Matthias Stark vor allem und von Brigitte Müller, Carsten Krankemann, Bärbel Thau. Echte und fiktive Interviews wechseln sich ab mit Fotos und federleichten Zeichnungen. Während Klaus Krause eine Lanze für Peter Jokostra, den anderen Dichter aus Spremberg, bricht, versucht Benjamin Voß zu ergründen, was die Freunde Strittmatter und Joko stra 1958 bös trennte. Womit wir blinzelnd nach der Märkische Dichterstraße Ausschau halten. Ein Projekt, um das Egon Wochatz schon lange ringt, und das nun beginnen könnte mit Strittmatter in Spremberg, Graustein und Bohsdorf.

Zum Thema:
Präsentiert wird das Buch "Von Bohsdorf nach Schulzenhof" (13 Euro, ISBN 978-3-936203-28-8) zum Hoffest am 4. Juni, 13 Uhr. Für den ersten guten Eindruck lesen Christiane Winkler, Knut Strittmatter, Michael Becker und Carsten Krankemann. Musik spielen die Bläsergilde und Hagen Rittel als Nachtwächter Kulke.