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Stadtbibliothek
Schauriger Bücherherbst: Duell in der Bibo

Schluss mit lustig – jetzt wird es kriminell: Heidelinde Stoermer (l.) und Bibliothekschefin Annekathrin Trojahn liefern sich demnächst ein Bücherduell. Beide Frauen lieben Krimis – aber grundverschiedene. Die eine mag es blutrünstig und mit Psychothrill, die andere eher subtil, hintergründig und mit Humor. Jede verteidigt ihre Vorliebe bei einem Bücherduell am 19. Oktober in der Stadtbibliothek. Wie votet am Ende das Publikum?
Schluss mit lustig – jetzt wird es kriminell: Heidelinde Stoermer (l.) und Bibliothekschefin Annekathrin Trojahn liefern sich demnächst ein Bücherduell. Beide Frauen lieben Krimis – aber grundverschiedene. Die eine mag es blutrünstig und mit Psychothrill, die andere eher subtil, hintergründig und mit Humor. Jede verteidigt ihre Vorliebe bei einem Bücherduell am 19. Oktober in der Stadtbibliothek. Wie votet am Ende das Publikum? FOTO: cw
Hoyerswerda. Die Spannung zum Zerbersten und der Gänsehautfaktor auf Maximum: Das will eine neue Veranstaltung der Stadtbibliothek erreichen. Zwei Bibliothekarinnen liefern sich dafür sogar ein Duell. Catrin Würz

Liebesromanze und historischer Schinken sind im Herbst abgeschrieben. Jetzt wird es kriminell in der Hoyerswerdaer Stadtbibliothek "Brigitte Reimann". Für einen Bücherherbst voller Nervenkitzel liefern sich Annekathrin Trojahn, die Chefin der Bibliothek, und Mitarbeiterin Heidelinde Stoermer demnächst ein handfestes Duell - freilich nicht ganz bis auf Leben und Tod. Aber um Leben und Tod geht es in der neuen Veranstaltung am 19. Oktober auf alle Fälle - nämlich um Kriminalromane und Psychothriller.

Gut ein Drittel aller Bücher, die in der Belletristik-Sparte in der Hoyerswerdaer Bibliothek ausgeliehen werden, gehören diesem Genre an. "Die Hoyerswerdaer lieben Krimis. Das ist so, war schon immer so und wird auch immer so sein", sagt Heidelinde Stoermer. Auch die 51-Jährige liest für ihr Leben gern Kriminalromane, am liebsten solche, bei denen die Ermittler eine liebenswürdige Macke und die Verdächtigen ein paar subtile Geheimnisse haben, die erst nach und nach zu Tage treten. Wenn die Kommissare bei ihren Ermittlungen den Schleier soweit lüften, dass dahinter zu erkennen ist, welche "anderen Leichen" die ehrbaren Nachbarn noch so im Keller haben, fühlt sich Heidelinde Stoermer gut unterhalten.

"Das ist doch kein richtiger Nervenkitzel!", sagt Annekathrin Trojahn verschmitzt lächelnd. Die 31-Jährige, die seit diesem Jahr die Hoyerswerdaer Bibliothek leitet, liebt es in ihren Krimis "schön blutig". In den von ihr gewählten Psychothrillern geht es dann auch schon mal richtig zur Sache. "Die eigentliche Tat steht im Vordergrund und wird detailreich ausgeschmückt. Das muss einem das Blut in den Adern gefrieren lassen", erklärt sie ihre Vorliebe für Psychothriller mit makabren Gewalttaten, die ausnahmslos nur von Sonderermittlern, Kriminalpsychologen oder Pathologen gelöst werden können. Ihren Lesestoff empfindet die Bücherexpertin freilich als surreal und löst das völlig von ihrer eigenen Realität ab. Anders als Heidelinde Stoermer sucht sie nicht nach Wiedererkennbarem aus ihrem Lebensumfeld. Denn dann würde sie sich sicher in keinen Keller mehr trauen. . .

Ihren ganz unterschiedlichen Geschmack zum Thema Krimi haben die beiden Frauen schon lange diskutiert - und jetzt auch eine Veranstaltung für die Hoyerswerdaer Leserschaft daraus gemacht. Unter dem Titel "Bücherduell" wollen beide Bibliothekarinnen zu einer ungewöhnlichen Krimilesung mit Gänsehautgarantie in die Stadtbibliothek einladen. Jede stellt einen oder mehrere Favoriten aus ihrer persönlichen Krimi-Bestenliste vor und das Publikum kann am Ende entscheiden, wovon es mehr gefesselt ist.

Duellieren werden sich Annekathrin Trojahn und Heidelinde Stoermer übrigens nicht nur in der Wahl ihrer Literatur, sondern auch in der Wahl ihres "Endgerätes". Während die Bibliotheksmitarbeiterin auf das bedruckte Papier und das spannungsfördernde Umblättern im guten alten Buch setzt, schwört ihre Chefin auf den E-Book-Reader. Mit dem kleinen digitalen Gerät kann sie jederzeit zehn und mehr Bücher bei sich tragen und abrufen. Auch das wird beim Bücherduell in Hoyerswerda im Wettstreit stehen.

In punkto elektronischer Literatur sind die Bibliotheksnutzer momentan weiter leicht im Aufwärtstrend. Im Jahr 2016 hatten etwa 400 Nutzer aus Hoyerswerda rund 8000 Bücher, Hörbücher, Filme und E-Papers über die Onleihe geordert, einer virtuellen Bibliothek, die mehrere Städte aus der Region Oberlausitz-Niederschlesien gemeinsam führen. Für das laufende Jahr wird in der Zuse-Stadt eine ähnliche Zahl angesteuert, bestätigt Annekathrin Trojahn. Und wen wundert es, dass auch bei der digitalen Literatur Kriminalromane und Psychothriller ganz oben in der Beliebtheitsskala stehen?

Insgesamt hat die Brigitte-Reimann-Bibliothek derzeit rund 72 000 Bücher, Zeitschriften, Spiele, Musik-CD, PC-Spiele und Filme in ihrem Bestand. Im Jahr 2016 haben knapp 3850 aktive Besucher etwa 247 000 Medien ausgeliehen. Der schaurige Bücherherbst in der Brigitte-Reimann-Bibliothek schließt eine zweite Veranstaltung für Kinder und Familien am 27. Oktober ausdrücklich mit ein. Sie trägt den schönen Titel "Schlaflos" und kommt natürlich ebenfalls etwas gruselig daher. "Hier geht es aber um den wohligen Grusel, nicht um die nackte Angst", klärt Heidelinde Stoermer auf. Einen Abend lang können Familien in der Bibliothek mit der Taschenlampe nach wilden Tieren funzeln, eine giftige Tarantel basteln und viel über Monster lernen. Nur für Erwachsene liest Annekathrin Trojahn eine Grusel-Gute-Nacht-Geschichte vor, nach der garantiert niemand mehr schlafen kann. Ganz klar, das ist eine echte P 18-Geschichte.

Zum Thema:
Das Bücherduell - Krimilesung mit Gänsehautfaktor: Donnerstag, 19. Oktober, 19 bis 21 Uhr; Brigitte-Reimann-Bibliothek Hoyerswerda mit Annekathrin Trojahn und Heidelinde StoermerSchlaflos in Hoyerswerda: Freitag, 27. Oktober, 18 bis 22 Uhr; ein Abend für Kinder und Familien mit Grusel-Galerie, Bilderbuchkino, Monsterrallye, Krimirätsel und Gute-Nacht-Geschichte für Erwachsene zum garantiert wach bleiben; Eintritt ist frei