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| 17:15 Uhr

Kritik aus der Politik
Fatale Entscheidung für Entwicklung der Region

Bischofswerda. Scharfe Kritik an Klinikleitung und Landkreis: Politik fordert Erhalt der Geburtenstation

Bei diesem Thema  ist sich die Politik im Landkreis Bautzen einig: Die Bischofswerdaer Geburtenstation muss erhalten bleiben.

Dr. Uta Strewe (SPD): „Wir kritisieren die Herangehensweise der Verantwortlichen in Geschäftsführung und Kreisverwaltung, die sich offensichtlich ausschließlich an den Zahlen orientiert und wenig ernsthaftes Interesse an Alternativen zur Schließung zeigen. Die Möglichkeit, ein Kind in unmittelbarer Nähe auf die Welt bringen zu können, ist für junge Familien ein wichtiges Kriterium bei der Wahl ihres Wohnortes. Als vierfache Mutter kann ich das gut einschätzen. Es gibt kaum ein so einschneidendes und emotionales Erlebnis wie die Geburt eines Kindes und deswegen bringt sie oftmals eine tiefe Bindung mit den Personen mit, die einem dabei zur Seite stehen.“

Ralph Büchner (Die Linke): „Wir werden es nicht hinnehmen, dass in der früheren Kreisstadt Bischofswerda nicht mal Kinder zur Welt kommen können. Deshalb werden wir auch den Druck auf Landrat Harig (CDU), den Aufsichtsratsvorsitzenden der Oberlausitz-Kliniken, erhöhen. Unsere Stadträte kämpfen zusammen mit anderen Verantwortlichen in der Kommunalpolitik und vielen engagierten Mitstreiterinnen und Mitstreitern für eine Zukunft der Geburtenstation im Krankenhaus Bischofswerda. Stadtrat Hans-Jürgen Stöber sagte treffend: „Die Ursachen liegen in der ganz großen Politik begründet. Hier bedarf es grundsätzlicher Änderungen. Wir haben viel verloren in der Stadt.“

Karsten Hilse (AfD): „Es ist uns gelungen, einen gynäkologischen Facharzt aus der näheren Umgebung zu finden, der in der Geburtenstation Bischofswerda die Arbeit auf der Entbindungsstation weiterführen wird. Dazu fanden bereits Gespräche mit der Klinikleitung statt. Jetzt arbeiten wird daran, die Station dauerhaft zu erhalten. Sehr positive Gespräche diesbezüglich gab es bereits ebenfalls. Ich bin sicher, dass es eine Einigung geben wird und die Geburtenstation auch langfristig überlebt.“

Aniko Heinze (SPD): „Mich irritiert die Ideenlosigkeit der Kreisverwaltung und Klinikgeschäftsführung: In vielen Städten gibt es bereits Hebammenpraxen, in denen von der Vorbereitung über die Geburt bis hin zur Nachsorge alles in der Hand einer Hebamme liegt. Diese Praxen haben einen großen Zulauf und arbeiten wirtschafltich. Aber auch in Kliniken gibt es bereits jetzt sogenannte „Hebammenkreißsäle“, in denen die Geburten ausschließlich von Hebammen begleitet werden. In keiner der Ausführungen der Geschäftsführung habe ich Überlegungen zu einem solchen, wesentlich wirtschaftlicheren Modell gefunden.“

Susanne Schaper (Die Linke): „Dass sich Geburtenstationen in verschiedenen Regionen oft kaum kostendeckend in den Krankenhäusern betreiben lassen, steht außer Frage. Nichtsdestotrotz muss es für Frauen möglich sein, auch in einer großen Kreisstadt wie Bischofswerda entbinden zu können. Man muss sich nicht wundern, dass die demografische Fehlentwicklung abseits der Metropolen derart voranschreitet, wenn man aus rein finanziellen Gründen immer mehr Infrastruktur aufgibt. Die Staatsregierung ist daher gefordert, alle möglichen Maßnahmen zu ergreifen, um dafür zu sorgen, die Geburtenstation in Bischofswerda zu erhalten und dass die geschlossenen Geburtenstationen unter anderem in Stollberg und Sebnitz wieder ihren Betrieb aufnehmen. Krankenhäuser müssen in die Lage versetzt werden, Kinder zu entbinden und zu behandeln. In einem so hoch entwickelten Land muss es möglich sein, Kinder dort zu entbinden, wo man lebt. Und damit meinen wir nicht den Wald oder Straßengraben, weil die nächste Geburtenstation zu weit entfernt ist.“

André Wendt (AfD):  „Den Niedergang im ländlichen Raum zu stoppen, ist erklärtes Ziel der AfD-Fraktion. Erst vor wenigen Tagen hat meine Fraktion angekündigt im sächsischen Landtag einen Antrag einzubringen, mit dem Ziel, parteiübergreifend nach neuen Lösungswegen zu suchen. Die bisherige Förderpolitik der Regierung hat zu wenig bewirkt, es herrschen Lehrer- und - wie in diesem Fall - Ärztemangel. Diese fatale Entwicklung gilt es so schnell wie möglich zu stoppen und einen Gegentrend einzuleiten.“