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Hoyerswerda
Scharfe Duelle und schnelle Dates

Die eine mag es blutrünstig und mit Psychothrill, die andere eher subtil, hintergründig und mit Humor: Beim ersten Bücherduell im Oktober 2017 verteidigten Annekathrin Trojahn (r.) und Heidelinde Stoermer ihre Vorliebe in Sachen Krimis. Ende Januar geht es dann um historische Romane.
Die eine mag es blutrünstig und mit Psychothrill, die andere eher subtil, hintergründig und mit Humor: Beim ersten Bücherduell im Oktober 2017 verteidigten Annekathrin Trojahn (r.) und Heidelinde Stoermer ihre Vorliebe in Sachen Krimis. Ende Januar geht es dann um historische Romane. FOTO: Catrin wuerz
Hoyerswerda. Trends setzen, anstatt ihnen zu folgen: Seit einem Jahr ist Annekathrin Trojahn Chefin der Stadtbibliothek Hoyerswerda. Mit spannenden Formaten bringt sie Bewegung zwischen die Bücherregale. Von Anja Hummel

Zwei Tischleuchten, zwei Duellantinnen, ein schneller Schlagabtausch, Lektüre en masse. Bald wird es wieder dämmrig und spannungsgeladen zwischen den Schmöker-Regalen der Hoyerswerdaer Stadtbibliothek. Denn: Das Bücherduell, ein Mix aus Lesung und Diskussion, zwischen Bibo-Chefin Annekathrin Trojahn und ihrer Kollegin Heidelinde Stoermer geht Ende Januar in die zweite Runde. „Die erste Veranstaltung ist ganz großartig angekommen“, sagt Trojahn, die mit einem Grinsen auf den Lippen an das „Krimi-Duell“ im Oktober zurückdenkt. „Wir disharmonieren so wunderbar“, sagt die 31-Jährige über ihre generelle Uneinigkeit mit Kollegin Heidelinde Stoermer.  Nicht nur der Literaturgeschmack sei ein ganz anderer. „Unsere Charaktere könnten unterschiedlicher nicht sein“, amüsiert sich Annekathrin Trojahn. Doch keine Bange. Die Zusammenarbeit der beiden Frauen funktioniere gerade aus diesem Grund so wunderbar.

 Wunderbar war auch die Resonanz auf Teil Eins der Duell-Reihe. „Sogar die Fachpresse ist auf uns aufmerksam geworden“, erzählt die gebürtige Radebergerin. Als „neueste Innovation“ wurde das Duell-Format in einem Bibliothekenmagazin vorgestellt. Natürlich eine super Werbung, sagt Trojahn. „Wir wollten eben keine einfache Lesung anbieten. Das gibt es schon überall.“

Während sich die Literaturexpertinnen beim ersten Duell mit dem Genre „Krimi“ beschäftigten, wird es nun geschichtlich. „Wir widmen uns historischen Romanen“, verrät Trojahn. Besucher konnten darüber abstimmen. Für die fernere Zukunft sind außerdem Lesungen an außergewöhnlichen Orten in der Stadt und dem Umland geplant. „Man könnte zum Beispiel in einer Brauerei einen Brauerei-Roman lesen“, erklärt Trojahn das neuartige Konzept. Um es spanndender zu machen, sollen die Tickets für solche Veranstaltungen streng limitiert sein – und zwar auf genau „23 Stühle“, so auch der Titel der Reihe.

Annekathrin Trojahn setzt nicht nur Trends. Sie weiß auch, was ganz von allein „läuft“. Bastelbücher aller Art wandern täglich über die Ausleih-Theke, auch das Thema Stricken geht immer. „Die Leute wollen aktiv sein und alles selber machen“, deutet sie die Ausleih-Daten.

Damit liegt dann wohl auch die Bibo-Chefin selbst voll im Trend. Denn „aktiv sein“, das will die Thriller-Fanatikerin auch 2018. Seit einem Jahr leitet Annekathrin Trojahn das Haus mittlerweile. Ihr Resümee: „Es lief überraschend gut.“ Die Kollegen seien völlig offen, die Nutzer absolut freundlich. Damals kündigte sie „weniger Veranstaltungen, dafür richtige Knaller“ an. Gesagt, getan. Mit einem „Spiele-Speed-Dating“ soll im März ein weiterer Bibo-Veranstaltungs-Hit eingeführt werden. „An diesem Abend können Erwachsene ihr perfektes Spiel finden“, sagt die Bibo-Chefin. Wer mitmacht, hat nur eine bestimmte Zeit zur Verfügung, um das jeweilige Spiel kennenzulernen. Der perfekte Partner – falls schon vorhanden – kann bei dieser Art Dating auf jeden Fall dabei sein.

„Unser Programm ist insgesamt einfach verspielter geworden“, resümiert Trojahn. Damit soll nicht zuletzt auch ein neues Publikum angesprochen werden. Dennoch: Die Familienabende und Kinderveranstaltungen werden in alter Tradition erhalten bleiben, versichert die junge Frau, die sich gerne in ihr zweites Chefinnen-Jahr in Hoywoy stürzt. Dabei freut sie sich – augenzwinkernd – vor allem auf „Disharmonie und Diskussionen“.