ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:52 Uhr

Sammler der Geschichte von Bernsdorf

Helmut Freund im Bernsdorfer Zollhaus, dem wahrscheinlich ältesten Gebäude der Stadt.
Helmut Freund im Bernsdorfer Zollhaus, dem wahrscheinlich ältesten Gebäude der Stadt. FOTO: hir1
Bernsdorf. Mit einem Stocknagel fing alles an. Auf einem Hoyerswerdaer Flohmarkt hatte Helmut Freund das Exemplar aus dem Jahr 1878 gefunden. Die Mitglieder des Bernsdorfer Militärvereins bekamen zum Vereinsjubiläum je eins. Für Helmut Freund war es der Startschuss. Er sammelt seitdem alles, was mit Bernsdorfs Geschichte zu hat. Seine Sammlung soll in das Stadtarchiv einfließen. Heinz Hirschfeld / hir1

Freund lebt seit 1940 in Bernsdorf. Als Kaderleiter des Eisenwerkes hatte er bis 1990 Einblick in den Arbeitsalltag dieses für Bernsdorf wichtigen Betriebes. Als im Jahr 2008 eine Ausstellung über die 40-jährige Geschichte der Kleinstadt Bernsdorf gestaltet werden sollte, wurde auch Freund angesprochen. So wurde er eines der Gründungsmitglieder der AG Stadtgeschichte, die 2007 aus der Taufe gehoben wurde. Er war ihr ältestes Mitglied und ist es mit 82 Jahren noch heute. Dabei ist die Arbeitsgruppe ein Beispiel, dass Provisorien das Beständigste überhaupt sind: Eigentlich wurde die AG Stadtgeschichte nur für die Erarbeitung der Ausstellung gegründet, erinnert er sich. "Die Ausstellung war irgendwann Geschichte, aber wir hatten Blut geleckt, wollten weiter die Geschichte unserer Stadt und ihrer Ortsteile erforschen", erzählt Helmut Freund.

In den fast sechs Jahren der AG Stadtgeschichte wurden zwei größere Ausstellungen über Bernsdorf und seine Ortsteile gestaltet, es gab mehrere Vorträge, und auch den Tag des offenen Archivs, an dem Helmut Freund viele Bernsdorfer mit der Geschichte ihres Ortes vertraut machte.

Gerade durch solche Veranstaltungen wurde Interesse unter der Bevölkerung geweckt, die bis zur Unterstützung mit alten Dokumenten ging. Vor allem aber wuchs die Mitgliederzahl der AG Stadtgeschichte.

Ohne, dass es Helmut Freund wahrhaben will, ist es auch sein Verdienst. Im Stadtrat erhielt er deshalb vor Kurzem für seine langjährige und zuverlässige ehrenamtliche Arbeit im Stadtarchiv und in der AG Stadtgeschichte eine Ehrung. Seit dem Jahr 2008 beschäftigte sich Helmut Freund damit, bis 2012 den historischen Teil des Bernsdorfer Stadtarchivs auf Vordermann zu bringen. "Das hatte den wunderbaren ‚Nebeneffekt‘, dass ich dadurch geistig fit gehalten wurde", sagt er. Dreimal wöchentlich war er vier Stunden im Archiv.

Jetzt hat er das abgegeben, und bringt noch in der AG Stadtgeschichte "alles durcheinander". Als ehemaliger Schüler der Bernsdorfer Schule von 1940 bis 1946 unterstützt er die Schüler bei der Erstellung einer Ausstellung zum 100-jährigen Schulbestehen.

Zurzeit ist er gerade dabei, seine private Bernsdorfer Historiensammlung aufzulösen und dem Stadtarchiv zur Verfügung zu stellen. Die AG Stadtgeschichte beschäftigt sich gleichzeitig damit, den Interessenten einen visuellen Stadtrundgang in mehreren Teilen anzubieten.

Außerdem sammelt Helmut Freund seit den 80er-Jahren Ansichtskarten aus aller Welt. 11 600 sind bis jetzt zusammengekommen. "Ich habe damals damit angefangen, um die Welt ein wenig kennenzulernen, und heute ist es ein Hobby, welches mich kaum noch loslässt", lächelt Helmut Freund.