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Sagenfiguren geistern durch die Energiefabrik

Feuerschau des sorbischen Hausdrachens Plon.
Feuerschau des sorbischen Hausdrachens Plon. FOTO: dcz1
Knappenrode. Ein schöner Sommerabend hat in der Energiefabrik Knappenrode, auf der Wiese am Steigerhaus hinter dem Tertiärwald, die Kulisse für das erste Spektakulum gebildet. Dieses ließ Jahrhunderte alte sorbische Sagenfiguren lebendig werden. dcz1

Dafür sorgten die Kubschützer Kinderliedermacher "Liederliesel und Leichtfuß" und ihr Ensemble mit dem extra für diesen Abend geschriebenen Musiktheaterstück "Der Sagenschatz des Kohledrachens".

Die Sagenfiguren steckten im geheimnisvollen Koffer des Hausdrachen Plon, den zwei neugierige Kinder trotz der Warnung ihres Vaters Juri (Reinhard Simmgen) mehrmals geöffnet hatten. Zuerst tauchte die Mittagsfrau (Reinhard Simmgen) auf, gegen die sich Liederliesel (Beate Tarrach) als Mutter Hanka wehren musste, weil sie nicht Punkt 12 Uhr am Feldrain Pause gemacht hatte. In der Sage lässt die Mittagsfrau Menschen frei, die ihr eine Stunde über Anbau und Verwendungsmöglichkeiten von Flachs berichten. Mutter Hanka tat das mit einem flotten Rap, der bei Kindern und Eltern bestens ankam. Nachdem Sohn Mirko die Perlen aus dem Koffer des Plon verbrannt hatte, wurde der Wassermann (Reinhard Simmgen) in seinem fantasievollen blauen Kostüm lebendig. Er entführte die Tochter der Familie. Erst nachdem Mutter Hanka 1000 Perlentränen aus Kummer geweint hatte, kam ihr Kind frei. Begleitet wurde auch diese Szene von eingängiger mittelalterlich-bäuerlicher Musik und Gesang. Tochter Lenkas Rückkehr wurde mit der immer etwas nassen Sagenfigur und mittanzenden Zuschauerkindern bei einem lustigen Lied gefeiert. Als Vater Juri endlich einen Stein als Ofentür aus der Tongrube mitgebracht hatte, schien das Glück der Familie perfekt. Sie entzündete ein Feuer, begleitet von einem Mitmachlied, und bemerkte, dass die Tür brannte. Es war Braunkohle, ,das braune Gold der Lausitz", deren Geruch den sorbischen Hausdrachen Plon (Mike Hildebrandt) anlockte. Er war von der Familie wegen der turbulenten Ereignisse nicht mehr mit Hirsebrei gefüttert worden und fraß deshalb Kohle. Danach spie der Plon im langsam dunkelnden Abend Feuer, das heißt, Mike Hildebrandt begeisterte mit einer Feuershow. Die Lutki, die alle Schätze der Erde bewachen, und Liederliesel hatten für die Zuschauer noch die Botschaft, dass die Menschen die Natur nur gemeinsam und behutsam nutzen dürfen. Die Musik zu dem einstündigen Programm lieferte die Oberlausitzer Gruppe "Gaukelfuhr" auf mittelalterlichen Instrumenten.

Kirstin Zinke freute sich, dass auch Bastelstände und Rätsel zu den Sagenfiguren gut angenommen wurden. Knappenroder Bürger hatten die gastronomische Versorgung des Abends übernommen. Das Spektakulum macht die Energiefabrik für Familien mit Kindern auf neue Art attraktiver und wird deshalb im Jahr 2018 wiederholt, sagte Zinke.