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Hoyerswerda
Sachsen startet neues Warnsystem

Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU/r.) gibt den ersten Probealarm des Freistaates Sachsen ab. Künftig sind alle Regionalleitstellen (Hoyerswerda, Zwickau, Leipzig, Chemnitz und das Lagezentrum in Dresden) mit dem MoWaS-System verbunden und können Warnmeldungen aussenden.
Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU/r.) gibt den ersten Probealarm des Freistaates Sachsen ab. Künftig sind alle Regionalleitstellen (Hoyerswerda, Zwickau, Leipzig, Chemnitz und das Lagezentrum in Dresden) mit dem MoWaS-System verbunden und können Warnmeldungen aussenden. FOTO: Sascha Klein / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Hoyerswerda. Die Hoyerswerdaer Rettungsleitstelle kann bei Gefahren mit spezieller Technik Menschen in der Oberlausitz mit wenigen Mausklicks über eine App informieren. Für Sachsen ist dieses System neu. In Brandenburg läuft es schon. Die Lausitz ist also bestens vorbereitet. Von Sascha Klein

Szenarien, die sich niemand wünscht, die aber immer wieder passieren können: Flüsse treten über die Ufer, Tornados decken die Dächer halber Ortschaften ab, Straßen und Bahnstrecken sind durch umfallende Bäume unpassierbar. Genau in diesen Fällen müssen Behörden alle Menschen im betreffenden Gebiet sehr schnell und möglichst flächendeckend erreichen und vor Gefahren warnen. Die bisherigen Wege: Rundfunk und Fernsehen, Internet und Sirenengeheul. Probleme gibt es aber immer dann, wenn auch der Strom ausfällt. Jetzt hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) einen neuen Weg gewählt, um möglichst viele Menschen zu informieren: das Smartphone. Durch eine spezielle App namens Nina - das steht für Notfall-Informations-und-Nachrichten-App - können sich nun auch alle Sachsen über Gefährdungen informieren lassen. Diese App ist sowohl für Android- als auch Apple-Geräte kostenlos zu bekommen.

In Sachsen herrscht bislang allerdings weitestgehend Funkstille. Denn: Bis auf den Bund und das Lagezentrum des Innenministeriums in Dresden sind die Rettungsleitstellen nicht mit diesem System, das auf den Namen MoWaS (Modulares Warnsystem) hört, ausgerüstet gewesen. Dieses System speist unter anderem die Nina-App. Bis jetzt: Am Mittwoch hat Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) in Hoyerswerda den offiziellen Startschuss für die flächendeckende Einführung im Freistaat gegeben. „Um im Bedarfsfall möglichst viele Menschen vor größeren Schäden zu bewahren, brauchen wir eine zeitgemäße Kommunikation im Zivil- und Katastrophenschutz“, so Ulbig. Bis Ende 2017 sollen alle Regionalleitstellen mit dem MoWaS-System verbunden sein - und damit auch alle Landkreise und kreisfreien Städte Zugang haben.

Hoyerswerda kommt dabei eine ganz spezielle Rolle zu. Denn die Integrierte Rettungsleitstelle (IRLS) für die Landkreise Bautzen und Görlitz hat neben dem Lagezentrum des Innenministeriums in Dresden eine Vollversion des MoWaS-Systems erhalten. Kostenpunkt: rund 25000 Euro pro Jahr. Diese Kosten übernimmt der Bund komplett, sagt BBK-Präsident Christoph Unger. Die anderen Rettungsleitstellen in Sachsen - Dresden, Zwickau, Chemnitz und Leipzig - erhalten lediglich eine abgespeckte webbasierte Version kostenlos vom Bund für die Dauer von zwei Jahren. Kostenpunkt: 2500 Euro pro Jahr. Wenn es also eine größere Warnung gibt, speisen die anderen Leitstellen ihre Infos ins System ein - über Hoyerswerda werden sie dann an alle Nutzer des Nina-App und alle angeschlossenen Medien und Behörden verteilt.


Über die App Nina können sich alle Menschen in Deutschland bei Katastrophen und Unwetterlagen warnen lassen. Es gibt die App für Android- und Apple-Geräte.
Über die App Nina können sich alle Menschen in Deutschland bei Katastrophen und Unwetterlagen warnen lassen. Es gibt die App für Android- und Apple-Geräte. FOTO: Sascha Klein / Medienhaus Lausitzer Rundschau

In Brandenburg ist das MoWaS-System laut Bundesministerium für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe bereits eingeführt. Die Regionalleitstellen in Cottbus, Eberswalde, Brandenburg/Havel, Frankfurt/Oder und Potsdam-Land nutzen das System - wie auch das Lagezentrum des Potsdamer Innenministeriums. Diese Leitstellen haben jedoch jeweils die Vollversion. Vom Bund finanziert werden Cottbus und Potsdam. Damit ist die Lausitz ostdeutschlandweit am Besten ausgerüstet, falls es zu einer Gefahrenwarnung kommt.

Das BBK will künftig weitere 250 Leitstellen in Deutschland mit diesem webbasierten System ausstatten und nimmt dafür in den kommenden zwei Jahren etwa 1,25 Millionen Euro in die Hand. Die Leitstellen - wie jetzt auch die in Sachsen und Brandenburg - sollen testen, ob sie das System regelmäßig nutzen und es im Ernstfall funktioniert, damit möglichst viele Menschen in ganz kurzer Zeit zu erreichen.