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| 16:11 Uhr

Lausitzer Wölfe
Sachsen-CDU will Wolfsschutz lockern

Die Landtagsfraktion stellt den Schutz der Graupelze auf den Prüfstand. Das Wohl von Menschen und Nutztieren ist wichtiger. Von Torsten Richter-Zippack

Vor 20 Jahren sind in Deutschland, konkret in der Oberlausitz, die ersten Wölfe wieder aufgetaucht. 2016 gab es  bereits 600 Graupelze, aktuell wird von rund 1000 Tieren ausgegangen. Diese Zahlen nennt Dr. Hermann Onko Aeikens, Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, während der CDU-im-Dialog-Veranstaltung in Diehsa. „Der Wolf hat hierzulande keine natürlichen Feinde, er vermehrt sich rasant.“ Mehr noch: „Wir müssen wissen, was auf uns zukommt. Und wir müssen erst mal die Landbevölkerung fragen, was sie von der Rückkehr der Wölfe hält.“ Denn inzwischen, so fügt Hermann Onko Aeikens an, seien in Deutschland über 1000 Nutztiere von den Graupelzen gerissen worden. Der Staatssekretär benennt klar seine Prioritäten-Rangfolge: erstens der Schutz des Menschen, zweitens die Erhaltung der Weidetierhaltung, drittens der Artenschutz. „Wenn ein Wolf Probleme bereitet, muss er geschossen werden. Das ist doch das Normalste der Welt.“

Bislang allerdings zumindest in Deutschland nicht. Denn die rechtlichen Hürden für das Erlegen eines Wolfes sind sehr hoch. Das liegt am starken Schutzstatus. Genau diesen will Sachsens CDU lockern. Oder wie es der Landtagsabgeordnete Andreas Heinz formuliert: „Wir müssen diese Ausnahmeregeln für die Erlegung von Problemtieren großzügiger auslegen. Der Wolf soll auch geschossen werden dürfen, wenn Gefahr für das Eigentum besteht. Und dazu zähle ich auch Weidetiere.“ Bislang ist es in Sachsen nur dann mittels Genehmigung des jeweiligen Landrates gestattet, einen Wolf zu entnehmen, wenn sich dieser auffällig verhält, öfter in Ortschaften gesichtet wird oder Weidezäune mehrfach überspringt. Allerdings fänden sich im Fall der Fälle kaum Jäger, die bereit sind, das Werk zu vollenden. „Denn sie müssen sich hundertprozentig sicher sein, dass sie das richtige Tier erlegen“, erklärt Andreas Heinz. Zudem seien die Waidmänner nicht vor Klagen von Tierschützern gefeit. Mancher Jäger habe auch Angst um seine Familie. Bislang wurden im Freistaat drei solcher Ausnahmegenehmigungen erteilt.

Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt sagt, dass in der Bevölkerung die Zustimmung zum Wolf größer sei als die Ablehnung. Er beruft sich dabei auf diverse Umfragen. Allerdings handele es sich bei den Wolfsfreunden nicht selten um Städter, die fernab von den Problemen der Landbevölkerung leben. „Wir müssen endlich die Ängste in den Wolfsregionen ernst nehmen“, fordert der Minister. Längst gebe es in Schweden und Norwegen weit weniger Rudel (41) als hierzulande (rund 70). Allein in Sachsen leben aktuell 18 Wolfsrudel sowie ein Paar. Der Minister kündigt eine Initiative an, den Schutzstatus des Wolfes zu reduzieren. „Wir brauchen eine ganz klare Rechtssicherheit“, kommentiert Schmidt.

Zum ersten Mal finden sich die Wölfe auch in einem Koalitionsvertrag der Bundesregierung wieder. „Darin steht, dass die Sicherheit des Menschen absolute Priorität genießt“, erklärt Hermann Onko Aeikens. Die Europäische Kommission solle den bislang strengen Wolfsschutz überprüfen. „Denn die Art ist keineswegs vom Aussterben bedroht“, sagt Onko Aeikens. Nicht zuletzt sollen den Vor-Ort-Behörden die Entnahme von problematischen Wölfen erleichtert und die Tierhalter stärker unterstützt werden. Nicht zuletzt werde das Thema Wolf künftig verstärkt in der Jagdausbildung eine Rolle spielen.

Derzeit fördert Sachsen 80 Prozent der Kosten bei der Schadensprävention. Durch den Wolf verursachte Schäden werden komplett erstattet. Inzwischen, so hat Minister Thomas Schmidt beobachtet, gebe es auch in der Konferenz der Umweltminister der Länder ein Umdenken zugunsten der Tierhalter. „Auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ist an unserer Seite“, sagt Schmidt.

Der Görlitzer Landrat Bernd Lange fordert indes die Bevölkerung auf, Problemwölfe unbedingt zu melden, am besten via Fotos. Sein Amtskollege aus Bautzen, Michael Harig, glaubt, dass es nicht am fehlenden politischen Willen liege, die Dinge zu verändern. Stattdessen vergehe über die parlamentarischen Wege viel zu viel Zeit. „Diese Zeit aber haben unsere Tierhalter nicht.“ Süffisant fügt Harig an, dass er sich wünscht, dass sich die Wölfe möglichst schnell in ganz Deutschland ausbreiten. „Desto eher setzt ein Umdenken ein, und desto eher kommen wir ans Ziel.“ Andreas Heinz formuliert es so: „Wir brauchen eine Koexistenz mit dem Wolf mit einem robusten Mandat.“