Von Katrin Demczenko

Kuriose Erlebnisse können viele Hoyerswerdaer Kleingärtner erzählen – und diese ranken sich um Tiere, Menschen oder um Tomatenpflanzen aus aller Welt, die ein Gartenfreund aus der Sparte „Am Stadtrand“ gern anpflanzt. Heiko Schinke, der Vorsitzende dieses mit 104 Parzellen großen Vereins, berichtete von einer mysteriösen Einbruchsserie. Im vergangenen Winter stahlen Diebe zuerst aus einer leerstehenden Laube den Kupferkessel eines Boilers. Weil sie dabei niemand erwischte, brachen sie im Januar 2019 ins Büro ein, fanden kein Geld und ließen, zum Glück für die Sparte, einen nagelneuen Drucker stehen. Interessanter fanden die Diebe Kettensägen, Bohrmaschinen und fünf Kabeltrommeln mit je 30 Metern Kupferkabel aus dem vereinseigenen Geräteschuppen. Tags darauf hatten sie, wieder unbemerkt von den Gartenbesitzern, alle leeren Kabeltrommeln und eine unversehrte Bohrmaschine zurückgebracht. Bis heute wissen die Kleingärtner nicht, wer bei ihnen eingebrochen ist. Auch die Polizei tappt noch im Dunkeln.

Bärbel Naumann hat ihren Garten in dieser Sparte schon seit 1974 und erzählte eine sehr viel friedlichere, aber ebenso spannende Geschichte. Zu DDR-Zeiten hielt sie Kaninchen in einem oben offenen Zwinger. Eines der Tiere war ein „Hochspringer“. Mehrmals konnte es herausspringen und unternahm dann eigenmächtig Ausflüge durch die Kleingartenanlage. Nur in Zusammenarbeit mit den Gartennachbarn gelang es, den „Hochspringer“ wieder einzufangen, und irgendwann war dieser Aufwand nicht mehr nötig. Die Familie hat das Kaninchen als Braten verspeist.

Frank Ludwig aus der Sparte „An der Thrune“ hat akut ein anderes Problem mit Tieren. In seinem Kompost lebt seit dem Sommer ein Wespenschwarm. Ohne das zu wissen, hatte er mit der Gabel in den Bau hineingestochen und die wütenden Tiere wehrten sich mit ­Stichen. „Bloß gut bin ich dagegen nicht allergisch“, sagt der Gartenfreund. Da die Tiere unter Naturschutz stehen, darf er sie nicht vertreiben. So konnte er den Kompost noch nicht umsetzen und die darin entstandene Erde gewinnen. Einfacher war es für ihn in den Vorjahren, als er ein Wespennest außen an der Laube hatte. Da ist er mit den Tieren in friedlicher Koexistenz ausgekommen.

Henry Wroblewski kann eine ganz andere Geschichte erzählen, denn er hat schon zu DDR-Zeiten selbst Kleingärten verpachtet. Sein Land neben der Sparte „Zwiebelschänke“ gehörte 1975 zum Erbe seiner Großmutter, die dort ihrerseits schon Kleingärten verpachtet hat. Auf dem anderen Teil der Fläche wuchsen Kartoffeln und Erdbeeren, erinnerte sich Henry Wroblewski. Er verwandelte das Feld in eine Gartenfläche, bewirtschaftet einen Teil des Areals selbst und hat fünf Pächter. Heute haben die sechs Gartenbesitzer eine eigene Wasser- und Stromversorgung.