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Rundgang durch die Betriebe

Maria Michalk (li.) und die Stadtverwaltung informierten sich bei "O-I"-Geschäftsführer Thomas Twarok über die Produktions- und Mitarbeitersituation.
Maria Michalk (li.) und die Stadtverwaltung informierten sich bei "O-I"-Geschäftsführer Thomas Twarok über die Produktions- und Mitarbeitersituation. FOTO: Mft1
Bernsdorf. Am Samstag luden die Stadt Bernsdorf und die regionale Wirtschaft zum 4. Tag der offenen Unternehmen ein. Mandy Fürst

Im Mittelpunkt der Führungen und Präsentationen standen die Qualifikation erfahrener Fachkräfte und die Nachwuchsgewinnung.

Beides zähle mittlerweile in der Wichtigkeit für die Unternehmen zu gleichen Teilen, betonte Ministerpräsident Stanislaw Tillich im Rahmen der feierlichen Eröffnung des Aktionstages in den Räumen der TD Klimakompressor GmbH (TDDK) in Straßgräbchen. Längst frage die Wirtschaft bei der Politik nicht mehr nur Unterstützung bei der Suche nach Fachkräften, sondern auch Hilfe bei der Nachwuchsqualifikation an. Umso wichtiger seien Projekte wie dieses, die jungen Menschen unvermittelte Einblicke in die Wirtschaftskraft ihrer Heimat ermöglichen, sagte Tillich. Bernsdorf nehme mit seinem Konzept des Tages der offenen Unternehmen und der Kontinuität in der Wirtschaftsförderung eine Beispielrolle ein, betonte der Ministerpräsident. Dass die hohe Arbeitslosigkeit, die die Region noch vor wenigen Jahren zu verzeichnen hatte, heute Geschichte ist, sollte andere Kommunen nach seiner Ansicht zur Nachahmung anregen.

Um sich als Arbeitgeber und als Ausbildungsbetrieb zu präsentieren, beteiligt sich die O-I Glasspack GmbH & Co. KG nach Aussage ihres Geschäftsführers Thomas Twarok gern an den Tagen der offenen Unternehmen. Beständigkeit ist Teil der Firmenphilosophie des Glasherstellers, der mit seinen Kunst- und Funktionsglasprodukten seit seiner Gründung im Jahr 1872 lediglich in zwei Nachkriegsjahren nicht am Markt war. Die kleine Ausstellung im Historienzimmer erzählt von den Phasen der Glasproduktion.

Doch öffnen Geschäftsführer Thomas Twarok und seine rund 100 Mitarbeiter nicht nur an Aktionstagen die Türen für den potenziellen Nachwuchs. Mit dem Neigungskurs "Glaskunst. Kunstglas" für die achten und neunten Klassen der Freien Mittelschule Bernsdorf versucht der Glashersteller schon seit vielen Jahren, Mädchen und Jungen für sein Handwerk zu begeistern. Verschiedene auf dem Gelände verteilte Schülerarbeiten erzählen von der Kooperation. Wer sich für eine Ausbildung bei "O-I" entscheidet, kann dort übrigens Mechatroniker oder Industriemechaniker werden. Im kommenden Lehrjahr wird ein Schüler der Mittelschule Lohsa seine Erstausbildung in dem Werk beginnen, berichtet Thomas Twarok.

Im Pflegedienst Haink ist die Herangehensweise eine etwas andere. Hier setzt man bei der Akquise künftiger Mitarbeiter weniger auf Jugend, als auf Lebenserfahrung. Daher stehe die Umschulung bei der Qualifizierung künftiger Mitarbeiter an vorderster Stelle, erklärt Thomas Haink der Bundestagsabgeordneten Maria Michalk, die die teilnehmenden Unternehmen in Begleitung der Verwaltungsmitarbeiterinnen Gabriele Witschaß und Linda Pawlowski besucht. Bernsdorf sei die einzige Kommune in ihrem Wahlkreis, die einen solch kompakten Aktionstag veranstalte, sagt die CDU-Politikerin. Um dieses Engagement der Stadt und seiner Unternehmer wertzuschätzen und dafür zu danken, nehme sie sich die Zeit für den ausgiebigen Rundgang. Nicht zuletzt könne sie so auch Informationen zum geplanten Pflegeberufegesetz an das Unternehmen Haink herantragen.

In der kommenden Woche wird der Bundestag die Neuregelung der Ausbildung von Kranken- und Altenpflegern beschließen, die unter anderem die Abschaffung des Schulgeldes vorsieht. Bei allen zu diskutierenden Punkten sei die mit der Professionalisierung der Ausbildung verbundene Aufwertung der Pflegeberufe eine gute Sache, sagt Thomas Haink auch in seiner Funktion als Vorstandsmitglied des Berufsverbandes.

Doch müsse man im Blick behalten, dass die Dienstleistungsbranche von der mittleren Qualifikation lebe. Wer einmal den Weg zum Studium genommen habe, käme in der Regel nicht mehr in die Pflege zurück, mahnt der Unternehmer. Die richtige Adressatin für seine Anregungen war am Samstag ganz von selbst in sein Unternehmen gekommen. Ein gutes Argument für die Aktion, die der Ministerpräsident zur Nachahmung empfiehlt.